Polizei Lengerich
Jeden Tag Unfall mit einem Tier

Lienen/Tecklenburger Land -

Fast täglich berichtet die Redaktion über Wildunfälle, bei denen Tiere – in der Regel Rehe – mit einem Auto zusammengestoßen sind. Oft mit fatalen Folgen für beide Beteiligten: erheblicher Sachschaden am Auto, totes Tier.

Donnerstag, 09.01.2020, 06:16 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 06:20 Uhr
Nicht zu übersehen sind die großformatigen Schilder an der Lengericher Straße, die auf die Gefahr von Wildwechseln hinweisen.
Nicht zu übersehen sind die großformatigen Schilder an der Lengericher Straße, die auf die Gefahr von Wildwechseln hinweisen. Foto: Michael Baar

Im Kreis Steinfurt sind von der Polizei im vergangenen Jahr 2521 Wildunfälle zur Protokoll genommen worden. Zwei Jahre zuvor waren es 1680 Wildunfälle, was etwa einem Prozent aller Wildunfälle in Deutschland entsprach. Mit 2521 gemeldeten Wildunfällen werden die addierten Zahlen der Städte Berlin, Bremen und Hamburg um mehr als das Zweifache übertroffen. Und auch im Saarland wurden weniger Kollisionen zwischen Auto und Wild gezählt als im Kreis Steinfurt.

Im Jahr 2018 hat es in Lienen 93 Wildunfälle gegeben, in Lengerich waren es 171. Detaillierte Zahlen für die einzelnen Kommunen beziehungsweise Wachbereiche liegen nicht vor, da die Wildunfälle nicht gesondert in die Unfallstatistik einfließen. Das erläutert Johannes Tiltmann, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten.

In den ersten Tagen des neuen Jahres hat es im Bereich der Wache Lengerich bereits sechs Unfälle mit Wild gegeben. Vier mal kollidierten Rehe mit einem Auto, in zwei Fällen sahen sich Autofahrer unversehens mit Wildschweinen auf der Fahrbahn konfrontiert.

Generell gilt, dass auf Bereiche, in denen mit einem häufigen Queren der Fahrbahn durch Tiere gerechnet werden muss, Autofahrer mit einem entsprechenden Schild (Verkehrszeichen Nr. 142) auf diese erhöhte Gefahr hingewiesen werden. Doch Schilder sind – selbst in großformatiger Aufmachung wie an der Lengericher Straße in Lienen – keine Garantie für die Vermeidung von Wildunfällen.

„Rehe, Hirsche und Wildschweine kennen keine Verkehrsregeln“, schreibt der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen in einer Info-Broschüre. In der Morgen- und Abenddämmerung sollte besonders auf Wild geachtet werden, raten ADAC, Jagdverband und Deutscher Verkehrssicherheitsrat. Vor allem Rehe seien dann auf der Suche nach Futter, Paarungspartnern oder Lebensraum als Schutz vor Fressfeinden.

Wie man sich in solchen Fällen als Fahrzeugführer verhalten sollte, dazu gibt es Tipps vom ADAC und dem Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen:

► Verhalten: bei angezeigtem Wildwechsel (Verkehrszeichen 142) sofort Fuß vom Gas, langsam und konzen­triert weiterfahren, Richtwert maximal 60 Stundenkilometer. Aufmerksam Wald- und Straßenränder beobachten. Die größte Gefahr droht in der Morgen- und Abenddämmerung, während der Nacht und bei Nebel. Besonders gefährlich sind neue Straßen, die durch Waldgebiete führen; Wild behält die gewohnten Wechsel bei. Ein Tier kommt selten allein, immer mit Nachzüglern rechnen. Wenn Wild im Scheinwerferlicht auftaucht: abblenden, abbremsen, hupen.

► Wenn ein Unfall unvermeidbar ist: Lenkrad festhalten; geradeaus lenken; abbremsen; keine Ausweichmanöver – die enden häufig am nächsten Baum.

► Wenn Wild angefahren wurde: Warnblinkanlage einschalten; Unfallstelle sichern; Wild an den Randstreifen schaffen, niemals mitnehmen; Erste Hilfe bei eventuell verletzten Personen leisten; verletzte Tiere nicht verfolgen; bei einem Unfall mit Schalenwild (Hirsche, Rehe, Wildschweine) muss die Polizei verständigt werden.

► Wenn ein Schaden am Auto entstanden ist: Bescheinigung für die Teilkaskoversicherung durch Polizei oder Jagdrevier-Inhaber ausstellen lassen.

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