Verein Shotokan-Karate räumt seine Halle
Dojo-Ende mit gerettetem Ehering

Münster -

Das Ende war schon lange vereinbart: Der Karate-Verein Shotokan hat sein Dojo auf dem Baugrundstück der Mathilde-Anneke-Gesamtschule für den Abriss geräumt. Ein Auszug mit Happy-End – für Vereinsmitglied Hellfried Hoffmann sogar ein ganz persönliches.

Donnerstag, 09.01.2020, 08:00 Uhr
Hellfried Hoffmann mit dem wiedergefundenen Ehering.
Hellfried Hoffmann mit dem wiedergefundenen Ehering. Foto: ohw

Auch manchem Ende kann ein Zauber innewohnen. So musste Hellfried Hoffmann, Mitglied des Karate-Vereins Shotokan, den Abriss der Vereins-Halle abwarten, um wieder ausgestattet mit den Insignien eines Ehemannes an der Seite seiner Frau Agnes Hobbeling zu wandeln . . .

Vor über zwei Jahren, am 4. August 2017, war Hoffmanns beim Training abgelegter Ehering durch eine Ritze des Fußbodens im „Dojo“, der Halle an der Manfred-von-Richthofen-Straße, gerutscht. Hoffmann ließ nichts unversucht, dem Untergrund den Ring wieder zu entlocken. Sogar mit endoskopischen Geräten, die ein medizinisch tätiges Vereinsmitglied für die Suche zweckentfremdete, wurde nach dem persönlich wertvollen Stück gefahndet – leider erfolglos.

Ehe nicht beeinträchtigt

Hellfried Hoffmann, seinerzeit seit zehn Jahren verheiratet, besann sich auf eine charakterliche Anforderung an vorbildliche Vertreter des Karatesports – nämlich Geduld zu üben. „Es war ja damals schon klar, dass wir das Dojo für den Bau der Gesamtschule räumen würden“, sagt Hoffmann. Das Angebot von Ehefrau Agnes, aus ihrem Ring zwei Ringe fertigen zu lassen, wurde vorerst vertagt. Am 2. Januar, einen Tag vor der Übergabe der Halle an die Stadt Münster, schließlich schlug die Stunde des Wiedersehens. Hoffmann rückte mit Erlaubnis der Stadt Münster den Fußboden mit einer Stichsäge zu Leibe – und barg den Ehering, der ja nicht wirklich verloren, sondern nur unerreichbar gewesen war. „Die Ehe wurde durch den verlorenen Ring nicht beeinträchtigt“, resümiert Karateka Hoffmann, der nun vorerst, wie die über 300 anderen Shotokan-Vereinsmitglieder vorübergehend in der nahe gelegenen Halle des Stadtsportbundes trainieren wird.

Shotokan-Vorsitzender Oliver Lich ist dankbar für die Gastfreundschaft des Stadtsportbundes, die die Karate-Sportler voraussichtlich bis zum Sommer in Anspruch nehmen werden. Auf dem städtischen Grundstück neben dem Stadtsportbund wächst nun der Neubau des Shotokan-Dojos, das nach den Ferien im Spätsommer wohl fertig wird.

Auszug nach 20 Jahren 

Die bisherige Halle hat dem Verein fast genau 20 Jahre als Trainingsstätte gedient – weichen musste der Bau jetzt, weil er auf dem Grundstück der nun entstehenden Mathilde-Annecke-Gesamtschule steht. Vom Nachbarverein Münster 08 angestrengte juristische Auseinandersetzungen um das für den Dojo-Neubau benötigte städtische Grundstück verzögerten die Räumung, so dass Shotokan nun zum Übergang zum Stadtsportbund ziehen muss. Dieser hat viele seiner Kurse nun zeitweise verlagert.

Oliver Lich weiß gut: „Das ist eine unschöne Situation. Niemand lässt uns das spüren – aber wir selbst wissen, wie viel Aufwand eine solche Umstellung macht.“ Auch wenn Shotokan nicht Urheber der unglücklichen Situation sei, überlege der Verein, wie man ein Stück weit Ausgleich für den Stadtsportbund schaffen könne, so Lich.

Am Nachmittag des Silvester-Tages erlebte das alte Shotokan-Dojo sozusagen sein persönliches Finale: Rund 50 Vereinsmitglieder aller Alters- und Qualifikationsstufen trainierten gemeinsam ein letzes Mal am alten Platz. Am 2. Januar wurde ausgeräumt. Weshalb die Einbrecher, die noch am selben Abend gegen 19 Uhr in das leere Gebäude einstiegen, nichts mehr fanden. Die alte Halle, ein Fertigbau, wird nun abgebaut und in Teilen von der Stadt eingelagert. Sporthallen sind in Münster schließlich knapp.

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