Ausbau der Ladestationen
Kräftiger Schub bei E-Ladepunkten - mehr Strom-Tankstellen auch im Münsterland

Münsterland -

Lange stockte der Ausbau der E-Mobilität, weil es bei der Ladeinfrastruktur in Deutschland haperte. Jetzt gibt es deutliche Fortschritte beim Aufbau von Ladepunkten für Elektroautos – aber noch große regionale Unterschiede.

Samstag, 11.01.2020, 14:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2020, 14:03 Uhr
Elektroauto habe immer mehr Möglichkeiten, Strom zu tanken.
Elektroauto habe immer mehr Möglichkeiten, Strom zu tanken. Foto: imago

Während in Großstädten und Ballungsräumen viele Ladestationen zu finden sind, bestehen auf dem Land noch zahlreiche „weiße Flecken“. Das geht aus einer Auswertung des Energieverbandes BDEW hervor, die am Freitag vorgelegt wurde. Der Verband sieht insgesamt aber eine „dynamische Entwicklung“ beim Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Auch im Münsterland ist die Verteilung der Ladesäulen sehr ungleichmäßig. Der BDEW nennt für die Region lediglich Zahlen für Münster, Coesfeld und Dülmen. Andere Daten hält der Verband auch auf Nachfrage unter Verschluss. Laut BDEW verfügt Münster über 56, Coesfeld über 16 und Dülmen über zwölf Ladestandorte.

Blick ins Münsterland

Nach Informationen unserer Zeitung gibt es zum Teil ungewöhnliche Häufungen von E-Ladesäulen. Hier einige Beispiele: Während es in Saerbeck sieben Standorten gibt, sind es in Greven nur drei. Acht E-Ladesäulen gibt es sowohl in Rheine als auch in Lüdinghausen. In Gronau gibt es an drei Standorte insgesamt vier Säulen, im nahen Schöppingen drei. Sogar neun Strom-Säulen stehen in Ahlen zur Verfügung, gleichzeitig sind es in Lengerich lediglich zwei, in Ladbergen, Lienen und Tecklenburg gar nur jeweils eine. Auch Telgte und Ostbevern verfügen jeweils nur über einen Standort, in Nottuln gibt es aber vier, in Recke üppige sechs, in Hörstel erstaunliche 13, in Ibbenbüren zehn.

Insgesamt registriert sind in Deutschland derzeit rund 24 000 öffentliche Ladepunkte – das sind fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Schnellladestationen liegt laut BDEW-Ladesäulenregister bei rund 15 Prozent. Demgegenüber stünden derzeit rund 220 000 E-Autos und Plug-in-Hybride, meldete der Verband. Im Durchschnitt würden sich damit gerade einmal neun E-Autos beziehungsweise Plug-in-Hybride einen Ladepunkt teilen.

Durchbruch der E-Autos?

„Die Energiewirtschaft hat eine sehr gute Infrastruktur geschaffen“, lobt der Verband seine eigene Branche und verweist darauf, dass 80 Prozent der Ladevorgänge aber zu Hause oder am Arbeitsplatz stattfinden. „Umso wichtiger ist es, dass im privaten Bereich jetzt endlich die Hürden für den Aufbau von Ladeinfrastruktur abgebaut werden. Das sollte sich die Politik weit oben auf ihre Agenda für das neue Jahr setzen“, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae.

Inden kommenden Jahren sollen E-Autos den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffen. Die Elektromobilität spielt eine entscheidende Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, mit dem die Klimaziele 2030 vor allem im Verkehr erreicht werden sollen. Der BDEW kündigte an, allein im Bereich der Schnellladepunkte würden Unternehmen bis Jahresende 4000 zusätzliche Ladepunkte errichten.

Bundesweit führend sind bei der Zahl der Lademöglichkeiten logischerweise die Großstädte: München führt mit 1103 Standorten die Liste an, gefolgt von Hamburg mit 1070. Die größte Stadt Berlin folgt mit nur 974 Säulen an dritter Stelle. Dahinter liegen Stuttgart (405), Düsseldorf (225) und Leipzig (215). Mehr als 75 Prozent der öffentlichen Ladepunkte würden von Energieunternehmen betrieben, betonte der BDEW.

Kommentar

Richtiger Ansatz

Manche sprechen vom Henne-Ei-Problem, wenn vom Ausbau der Ladestationen für Elektroautos die Rede ist. Gemeint ist die Frage, ob die E-Mobilität nur vorankommt, wenn es bereits genügend Strom-Tankstellen gibt, oder ob es zunächst ausreichend Elek­troautos geben muss, um das Ladenetz auszubauen.

Der Weg, der nun von vielen Stadtwerken, aber auch der Energiewirtschaft gegangen wird, indem das Ladenetz massiv ausgebaut wird, ist zweifelsohne der richtige. Staatliche Kaufförderung und ein wachsendes Umweltgewissen können nur dann Folgen haben, wenn die praktischen Probleme der E-Mobilität kleiner werden. Dazu zählt neben der Reichweite der Pkw eben die flächendeckende Ladesäulen-Versorgung.

Doch gefördert werden muss vom Staat auch dringend die Ladestation zu Hause – nur so kann der endgültige Elektro-Durchbruch gelingen.

von Jürgen Stilling

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