Prozessauftakt am Landgericht Münster
Fünf Afghanen nach Messerattacke vor Gericht

Rheine/Münster -

War es Rache? Die Frage, warum eine Gruppe junger Afghanen Mitte Juli vor einer Diskothek in Rheine zwei Marokkaner attackierte und einen der beiden durch Messerstiche in den Rücken lebensgefährlich verletzte, blieb am Montag zum Auftakt der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Münster erst einmal offen.

Montag, 13.01.2020, 16:35 Uhr aktualisiert: 13.01.2020, 17:23 Uhr
Am Landgericht Münster hat am Montag der Prozess gegen fünf Afghanen begonnen, die im Sommer zwei Marokkaner vor einer Disko in Rheine attackiert und schwer verletzt hatten.
Am Landgericht Münster hat am Montag der Prozess gegen fünf Afghanen begonnen, die im Sommer zwei Marokkaner vor einer Disko in Rheine attackiert und schwer verletzt hatten. Foto: Matthias Schrief

Der erste Verhandlungstag der Jugendsache war noch keine zehn Minuten alt, da musste der Vorsitzende Richter die Sitzung unterbrechen. Grund: Einer der sechs Angeklagten, ebenfalls Afghane, war unentschuldigt nicht erschienen. Nachdem die Polizei in Rheine den Angeklagten am Montagvormittag an seiner Adresse in Rheine nicht erreichen konnte, wurde das Verfahren abgetrennt und soll nun gesondert verhandelt werden.

Fast alle schweigen

Die fünf verbliebenen Angeklagten im Alter von 19 bis 21 Jahren, die zurzeit alle in der Justizvollzugsanstalt Herford in Untersuchungshaft sitzen, hörten die Anklage – und schwiegen fast alle. „Zunächst keine Einlassung“, hieß es bei Vieren. Eine Ausnahme bildete der mutmaßliche Haupttäter A.. Er sei bereit, auszusagen, sagte sein Anwalt. „Das machen wir dann beim nächsten Mal“, sagte der Vorsitzende Richter der 1. Strafkammer.

Die Attacke gegen die beiden Marokkaner sollen die Angeklagten gemeinschaftlich ausgeführt haben. Das Messer gegen den flüchtenden Marokkaner soll nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Münster der Angeklagte A. geführt haben.

Den fünf Angeklagten sind Pflichtverteidiger zugeordnet.

Den fünf Angeklagten sind Pflichtverteidiger zugeordnet. Foto: Matthias Schrief

Zuerst Autoreifen zerstochen

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Münster haben die sechs Angeklagten am frühen Samstagmorgen des 13. Julis 2019 in der Kolpingstraße vor der Diskothek „Köpi“ zunächst drei Reifen am VW Lupo der Marokkaner zerstochen.

Kurz vor sechs Uhr an diesem Morgen sollen die Afghanen dann die beiden Marokkaner „unvermittelt“ attackiert haben. Nach Schlägen ging der 22-jährige Marokkaner mit Kopfverletzungen zu Boden. Sein 28-jähriger Begleiter ergriff die Flucht in Richtung des ehemaligen Karstadt-Gebäudes. Mehrere Afghanen verfolgten den Mann.

Von hinten in den Rücken gestochen

Laut Staatsanwaltschaft Münster soll der Angeklagte A. dem Flüchtenden dann von hinten drei Mal „mit Wucht“ ein Messer in den Rücken gerammt haben. Die lebenswichtigen Organe Lunge und Niere seien dabei durchstoßen worden. Zudem erlitt der 28-Jährige eine Stichverletzung am Hinterkopf.

Als zufällig ein Polizeiwagen auftauchte, ließen die Angreifer vom Opfer ab und flüchteten Richtung Matthiasstraße. Das Opfer brach blutend vor der Bar „Kenjoy“ in der Kolpingstraße zusammen. „Es bestand akute Lebensgefahr“, sagte der Oberstaatsanwalt.

„Hinterrücks und heimtückisch“

Der Messerangriff sei „hinterrücks und heimtückisch“ erfolgt. Der Angeklagte habe den Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen und die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt.

Die übrigen Angeklagten sollen das Handeln ebenfalls „wissentlich und billigend“ in Kauf genommen haben. Den fünf Angeklagten sind Pflichtverteidiger zugeordnet.

Nach mehreren Gewaltdelikten im Bereich der Kolpingstraße war die Messerattacke vom 13. Juli 2019 letztlich ein Grund für die Polizei, in der Rheiner Innenstadt deutlich Präsenz zu zeigen. Am Wochenende nach der Attacke verstärkte die Bochumer Bereitschaftspolizei mit einer Hundertschaft die regulären Rheiner Kräfte.

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