Trauer, Tränen und pure Liebe
Bestatterinnen über die emotionalen Herausforderungen ihres Berufs

Lüdinghausen -

„Wenn jemand sagt ‚Sie haben mir geholfen!‘, ist das das wunderbarste Kompliment“, findet Jennifer Schubert. Sie arbeitet, genau wie ihre Mutter Petra Hettwer und ihre Schwester Anna Hettwer, als Bestatterin. Dass sie jeden Tag mit Tod und Trauer zu tun haben, belastet die drei Frauen nicht – gerade weil sie auch zu Hause am Küchentisch darüber reden.

Freitag, 17.01.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 08:16 Uhr
Obwohl oder gerade weil sie als Bestatterinnen jeden Tag mit Tod und Trauer zu tun haben, gehen (v.l.) Anna und Petra Hettwer sowie Jennifer Schubert mit einem Lächeln durchs Leben. Denn sie nehmen aus ihrem Beruf vieles für sich selbst mit.
Obwohl oder gerade weil sie als Bestatterinnen jeden Tag mit Tod und Trauer zu tun haben, gehen (v.l.) Anna und Petra Hettwer sowie Jennifer Schubert mit einem Lächeln durchs Leben. Denn sie nehmen aus ihrem Beruf vieles für sich selbst mit. Foto: Heidrun Riese

Obwohl sie als Bestatterinnen jeden Tag mit Tod und Trauer zu tun haben, gehen die drei Hettwer-Frauen mit einem Lächeln durchs Leben. Von ihrem Arbeitstag nehmen Petra, Anna und Jennifer, die mittlerweile Schubert heißt, immer viele Gedanken und Gefühle mit nach Hause – und finden das genau richtig so.

Es lässt sich auch gar nicht vermeiden, denn Bestattungen Hettwer mit Standorten in Lüdinghausen und Seppenrade ist ein Familienunternehmen. Petra Hettwer ist „Inhaberin und Mutter“, wie sie es selbst formuliert. Jennifer (27) und Anna (25) sind ihre Töchter. Alle drei arbeiten als Bestatterinnen, und auch die Männer helfen mit. „Überall, wo körperliche und teilweise technische Unterstützung gefragt ist“, erklärt die Chefin.

Wir reden oft darüber, was uns bewegt.

Jennifer Schubert

Gemeinsame Verarbeitung

„Bei uns sitzt der Beruf zu Hause mit am Tisch“, erzählt Anna Hettwer und wirkt dabei alles andere als bedrückt. Warum das so ist, erklärt ihre Schwester: „Das Leben schreibt die schönsten und die grausamsten Geschichten. Wir reden oft darüber, was uns bewegt. Das hilft auch dabei, alles zu verarbeiten. So ist das Thema immer präsent, aber es ist nicht belastend.“

Aus dem Gespräch heraus ergebe sich oft auch eine Idee für die Gestaltung der Trauerfeier. Wie einmal die Urne aus Birkenholz, die an eine Allee auf dem Hof des Verstorbenen erinnern sollte. Nicht nur zuhören, sondern auch mitfühlen, im Gespräch mit Trauernden selbst mal eine Träne verdrücken – das ist es, was für die drei Hettwer-Frauen ihren Beruf ausmacht. „Das ist eine Berufung“, stellt die Mutter klar. „Aber natürlich darf das Professionelle nicht auf der Strecke bleiben.“

Große Dankbarkeit

Als sie davon erzählt, wie ihre jüngere Tochter auf den Beruf gekommen ist, muss Petra Hettwer schmunzeln. „Für Anna stand schon in der Grundschule fest, dass sie Bestatterin werden wollte“, erzählt die Mutter und die Tochter nickt zustimmend. „Mama hat immer von den Gesprächen erzählt und ich habe mitbekommen, wie dankbar ihr die Menschen waren.“

Genau diese Dankbarkeit ist es, die alle drei Frauen mit Freude erfüllt. „Ob ein Händedrücken, eine Umarmung oder nur ein Blickkontakt am Ende der Beerdigung, manchmal auch Jahre später, sind das Schöne an unserem Beruf“, findet Jennifer Schubert. „Wenn jemand sagt ‚Sie haben mir geholfen!‘, ist das das wunderbarste Kompliment.“ Auch den Verstorbenen gegenüber sei große Dankbarkeit zu spüren. „Das ist dann die pure Liebe“, beschreibt Anna Hettwer das ergreifende Gefühl.

So wird man manchmal auch Teil im Leben der Menschen.

Anna Hettwer

Jeden Tag wertschätzen

Aber da ist eben auch der Schmerz, dem das Familienunternehmen stets Raum bieten möchte. „Weil die Zeitspanne zwischen Tod und Beerdigung kurz ist, geben wir immer einen Fingerabdruck mit und machen Fotos bei der Bestattung, damit jeder in seinem Tempo trauern kann“, erklärt Jennifer Schubert. „Trauernde dürfen auch im Anschluss noch auf uns zukommen, beim jährlichen Adventsleuchten oder auf einen Kaffee“, ergänzt Petra Hettwer. „So“, beendet die jüngere Tochter den Gedanken, „wird man manchmal auch Teil im Leben der Menschen.“

Von ihnen nehmen die drei Bestatterinnen etwas für sich selbst mit. „Nichts als selbstverständlich nehmen und jeden Tag wertschätzen“, hat sich Jennifer Schubert zur goldenen Regel gemacht. Für die Mutter unterstreichen die Gespräche mit den Trauernden den Wert der Familie: „Wenn nichts mehr geht, zu Hause werde ich immer aufgefangen.“ Und auch Anna Hettwer weiß durch ihren Beruf genau, worauf es für sie ankommt: „Wenn es Streit gibt, nie ins Bett oder aus dem Haus gehen, ohne sich versöhnt zu haben“, betont sie. „Denn das Leben kann so schnell vorbei sein.“

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