Gesetzesvorhaben: Passbilder nur noch im Rathaus anfertigen
Todesstoß für die Branche

Ochtrup -

Im Innenministerium wird derzeit an einem „Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen“ gearbeitet. Passbilder sollen demnach nur noch in den Ämtern der Rathauser gemacht werden dürfen. Für die Branche der Fotofachgeschäfte wäre das der Todesstoß, ist sich der Ochtruper Fotograf Klaus Walterbusch sicher.

Freitag, 17.01.2020, 07:00 Uhr
Fotografie ist sein Metier: Klaus Walterbusch bietet seit vielen Jahren in seinem Fachgeschäft an der Bergstraße Passfotos an. Ein geplantes Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen könnte das künftig verhindern. Dann dürfen Passfotos nämlich nur noch in den Ämtern im Rathaus erstellt werden.
Fotografie ist sein Metier: Klaus Walterbusch bietet seit vielen Jahren in seinem Fachgeschäft an der Bergstraße Passfotos an. Ein geplantes Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen könnte das künftig verhindern. Dann dürfen Passfotos nämlich nur noch in den Ämtern im Rathaus erstellt werden. Foto: Anne Steven

Klaus Walterbusch ist froh, dass er nicht mehr 40 ist. In Kürze wird der Fotograf aus Ochtrup 60 Jahre alt. An den Ruhestand denkt er zwar noch nicht, aber zumindest muss er seine berufliche Zukunft nicht mehr so langfristig planen wie ein jüngerer Kollege. Für ein Fotofachgeschäft wie das der Familie Walterbusch derzeit eine günstige Lage, denn es kommt scharfer Gegenwind aus Berlin.

Dort bemüht sich Innenminister Horst Seehofer um einen Entwurf für ein „Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen“. Danach sollen Passbilder nur noch von den zuständigen Ämtern in den Rathäusern gemacht werden dürfen. Der Innenminister möchte so verhindern, dass Passbilder nachträglich manipuliert werden können (siehe Infokasten).

Die Branche sei immer schon schwierig gewesen, weiß Klaus Walterbusch aus Erfahrung. Lange Zeit bot er in seinem Geschäft an der Bergstraße auch Fotokameras zum Verkauf an. Doch das haben er und seine Frau Beate schon vor vier Jahren eingestellt. „Wir hatten schon lange das Gefühl, dass es gefährlich ist, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren“, erzählt er. So stellten sie sich breiter auf: Neben der Reparaturwerkstatt bieten sie in einem Online-Shop europaweit Produkte für die Sensorreinigung von Kameras an. Es läuft gut. Aber ein weiteres Standbein bilden weiterhin Pass- und Bewerbungsfotos. „Es macht einen Unterschied, ob sich etwas wettbewerbsmäßig entwickelt, oder ob der Staat den Schalter umlegt“, findet Klaus Walterbusch. Er ist überzeugt, sollte dieser Gesetzesentwurf Realität werden, wäre das der Todesstoß für die Branche. „Und das gilt nicht nur für kleine Läden, sondern auch für große Mitbewerber“, ist der Fotofachmann überzeugt.

Ein weiterer Punkt: Aktuell ist es so, dass Passbilder nicht von einem Fotografen gemacht werden müssen. Das bedeutet, wer halbwegs mit einer Kamera umgehen kann und sich an die gesetzlichen Bestimmungen hält, kann Passbilder auch im heimischen Wohnzimmer aufnehmen. „Diese Möglichkeit besteht bei einer Gesetzesänderung natürlich nicht mehr“, betont Klaus Walterbusch. Manche seiner Kunden beschwerten sich über die Preise für Passfotos. Aber diese würden eben auch von einem Fachmann gemacht, erinnert der 59-Jährige. „Auch bei Passbildern hat ein Fotograf im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen sicherlich mehr Möglichkeiten, ein schönes Foto zu machen, als ein Automat“, ist der Ochtruper überzeugt. „Wir wissen doch alle, dass die Fotos aus einem Automaten nie wirklich das Gelbe vom Ei sind.

Apropos: Nahezu jedes Land hat seine ganz spezifischen Richtlinien, wie ein Foto beispielsweise für ein Visum auszusehen hat. So müssen solche für die USA quadratisch sein, andere Länder legen fest, dass der Hintergrund blau oder rot zu sein hat und auf manchen müssen die Fotografierten grundsätzlich Anzug und Krawatte tragen.

Und die Ämter seien mitunter sehr pingelig, weiß Stefan Middendorf. Der Ochtruper bietet in seiner Rahmenwerkstatt an der Laurenzstraße ebenfalls Passfotos an. „Für uns ist das aber nur eine zusätzliche Einnahmequelle.“ Der Fokus des Unternehmens liegt nicht auf der Fotografie, sondern auf maßgefertigten Einrahmungen. Doch wie Klaus Walterbusch würde auch Stefan Middendorf gerne weiterhin Passbilder anbieten.

Wird das Gesetz aber so verabschiedet wie derzeit geplant, würden in den Rathäusern Passbildautomaten aufgestellt, in denen unter Aufsicht die entsprechenden Aufnahmen für Ausweise und Reisepässe gemacht werden. „Ich habe irgendwo gelesen, dass allein die Anschaffung dieser Automaten in ganz Deutschland 177 Millionen Euro kostet“, erzählt Klaus Walterbusch. Ob sich diese Kosten auf die Preise für die Dokumente auswirkten, könne natürlich niemand sagen. Aber realistisch sei es schon.

Was den Fotografen besonders ärgert: „Der Bürger wird unter Generalverdacht gestellt.“ Klaus Walterbusch wünscht sich in Deutschland „auch mal praxisnahe Lösungen“ für Probleme wie dieses. Beispielsweise könnten Fotografen sich zertifizieren lassen und die Aufnahmen, die ja ohnehin in digitaler Form vorlägen, direkt an die Ämter übertragen. „Das wäre für mich plausibel“, sagt Klaus Walterbusch.

Voraussichtlich 2022 soll das Gesetz Realität werden. „Bis dahin machen wir für uns auf jeden Fall noch mal schöne Ausweisfotos“, meint Klaus Walterbusch augenzwinkernd.

Morphing

Der Referentenentwurf aus Berlin richtet sich gegen das sogenannte Morphing. Dabei werden mittels spezieller Software mehrere Gesichtsbilder zu einem Foto verschmolzen, so dass darin die Merkmale von zwei oder sogar noch mehr Gesichtern vereinigt werden. Das hat zur Folge, dass ein Pass gleich von mehreren Personen genutzt werden kann, ohne bei einer Kontrolle aufzufallen. Die Befürchtungen des Innenministeriums: Damit würde der Pass als Dokument zur Identitätskontrolle unwirksam. Darum die Idee, die Bilder künftig direkt von den Passämtern erstellen zu lassen. Damit wären Manipulationen ausgeschlossen, argumentiert das Innenministerium.

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