Grundschulen appellieren an Mütter, Väter und Kinder
Zu Fuß statt mit dem Elterntaxi

Lüdinghausen -

Dass die Kinder mit dem Auto zum Unterricht gebracht werden, muss nicht sein, finden die Verantwortlichen der Grundschulen. Um die Zahl der Elterntaxis, die regelmäßig für Verkehrsstaus sorgen, zu reduzieren, setzen sie auf Appelle – an die Erwachsenen, aber vor allem an die Kinder, die zum Zufußgehen motiviert werden sollen.

Freitag, 24.01.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 24.01.2020, 11:59 Uhr
Grundschulen appellieren an Mütter, Väter und Kinder: Zu Fuß statt mit dem Elterntaxi
Eine Unsitte: die Fahrt zur Schule mit dem Auto. (Symbolbild) Foto: dpa

Es ist jeden Morgen das selbe Ärgernis: Bevor es zur ersten Stunde klingelt, ist Stau vor den Grundschulen. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zum Unterricht und stellen beim Absetzen oft ein Hindernis für andere Verkehrsteilnehmer dar. Um das Problem einzudämmen, setzen die Verantwortlichen der Grundschulen in Lüdinghausen und Seppenrade auf Aufklärungsarbeit.

Man kann sein Kind aber auch für schlechtes Wetter passend anziehen.

Martin Flügel

„Die meisten Kinder können zu Fuß gehen“, findet Martin Flügel, Rektor der Marienschule im Rosendorf. Er habe Verständnis, wenn Eltern ihren Nachwuchs bei strömendem Regen lieber mit dem Auto fahren wollen. „Man kann sein Kind aber auch für schlechtes Wetter passend anziehen“, räumt Flügel ein.

Außerdem verweist er auf die ruhigen Schulwege in Seppenrade. „Alles ist gut geregelt, mit Ampel und Zebrastreifen.“ An einigen Schulen gebe es Haltepunkte für Elterntaxis, die mindestens 100 Meter vom Eingang entfernt sein müssen – für den Schulleiter, der auch Fachberater für Verkehrs- und Mobilitätserziehung beim Kreis Coesfeld ist, eine durchaus charmante Idee.

Persönliche Ansprachen

Dennoch hält er es lieber mit dem Appell: „Alle, die fußläufig zur Schule kommen, müssen nicht gebracht werden“, betont er. „Kindern in dem Alter kann man einen Fußweg von 20 Minuten zumuten. Für sie ist es auch toll, mit den Freunden zusammen zur Schule zu gehen.“

Das Bedürfnis, das Kind sicher zur Schule zu fahren, steht an erster Stelle.

Tanja Grewe

„Das betrifft auch uns“, sagt Tanja Grewe, Rektorin der Lüdinghauser Ludgerischule. Vermehrt dann, wenn die neuen Erstklässler starten, sowie an Regentagen. Dabei ist der Lehrerparkplatz, den viele Schüler zu Fuß oder mit dem Fahrrad passieren, für Eltern tabu. „Es ist dort auch zu eng und es gibt keine Wendemöglichkeit“, beschreibt die Schulleiterin die Situation, die aktuell durch den Bau der neuen Turnhalle erschwert wird. Auf persönliche Ansprachen würden Mütter und Väter in der Regel positiv reagieren.

Aufklärungsarbeit erforderlich

„Das ist von niemandem böse gemeint und sie zeigen sich reumütig, machen es dann aber doch wieder“, berichtet Grewe. „Das Bedürfnis, das Kind sicher zur Schule zu fahren, steht an erster Stelle. Oft gibt es noch ein Küsschen oder die Jacke wird zugemacht. Da nehmen viele Eltern gar nicht wahr, dass sie den Verkehr aufhalten.“

Deshalb konzentriert sich die Aufklärungsarbeit an der Ludgerischule auf die Kinder. „Wir motivieren sie dazu, zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren und Mama oder Papa zu sagen, dass sie das Auto stehen lassen können.“ Alle, die nicht auf das Bringen verzichten wollen, verweist sie auf den Telgengarten. „Die Kinder können dann über die Ludgeri­stiege zur Schule laufen.“

Es liegt uns am Herzen, dass die Kinder in ihrer Selbstständigkeit gefördert werden.

Ursula Hüvel

Selbstständigkeit der Kinder fördern

Probleme bereiten an der Ostwallschule übrigens weniger die Eltern, sondern vielmehr Besucher der Innenstadt auf Parkplatzsuche oder Fahrradfahrer auf der Durchreise. „Verstärkt an Markttagen beziehungsweise morgens, wenn die Jugendlichen auf dem Weg zu den weiterführenden Schulen sind“, berichtet Schulleiterin Ursula Hüvel. Müttern und Vätern werde empfohlen, die umliegenden Parkplätze zu nutzen.

„Um sich und andere beim Ein- und Aussteigen nicht zu gefährden“, erklärt die Rektorin, die positive Erfahrungen gemacht habe. „Wir weisen immer wieder darauf hin und die Eltern halten sich zunehmend zurück. Wir sind momentan gut zufrieden.“

Am liebsten aber sehe sie, wenn sich Schüler gemeinsam auf den Weg machen. Um solche Laufgruppen zu ermöglichen, werde bei der Zusammensetzung der Klassen auf die Wohnorte geachtet. Außerdem werde der Schulweg auch im Unterricht thematisiert. Hüvel: „Es liegt uns am Herzen, dass die Kinder in ihrer Selbstständigkeit gefördert werden.“

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