Kandidatenkür der Parteien und Vereine startet bald
Frauen im Rat: Dürftige 13 Prozent

Ascheberg -

1975 war der Gemeinderat Männersache. Hildegard Stüer und Heike Roerig mischten sich 1979 ein. Aktuell sind ach Frauen im Gemeinderat. Seit 1975 haben sie aber gerade einmal 13 Prozent der Sitze eingenommen.

Donnerstag, 23.01.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 24.01.2020, 15:00 Uhr
Der Frauenanteil im Ascheberger Gemeinderat seit 1975 ist gering. Er liegt über 45 Jahre gerade einmal bei 13 Prozent (lila). Die Männer besetzen 87 Prozent der Sitze (blau).
Der Frauenanteil im Ascheberger Gemeinderat seit 1975 ist gering. Er liegt über 45 Jahre gerade einmal bei 13 Prozent (lila). Die Männer besetzen 87 Prozent der Sitze (blau). Foto: WN-Archiv

Eine Geburtsstunde ohne Frauen? Als die Gemeinde Ascheberg unter heftigen Wehen geboren worden ist, waren keine Frauen dabei. Im ersten Ascheberger Gemeinderat, gewählt am 4. Mai 1975, nach der kommunalen Neuordnung fehlten sie ebenfalls. Erst 1979 zogen mit Hedwig Stüer (CDU) und Heike Roerig (SPD) die ersten beiden weiblichen Mitglieder ins Kommunalparlament ein. Interessanterweise kandidierten sie im Wahlbezirk vier sogar gegeneinander. Stüer gewann, Roerig kam über die Reserveliste in den Rat. Wer das Personal-Tableau des Starts einer Legislaturperiode heranzieht, kommt zu diesem Ergebnis: 13 Prozent der Sitze wurden von Frauen eingenommen. 1999 und 2009 war ihr Anteil mit sieben Frauen besonders hoch. Aktuell liegt die Quote durch die Nachrückerinnen Birgit Homann (SPD), Barbara Kehrmann (UWG) und Gudula Maurer (CDU) mit insgesamt acht Frauen bei 28 Prozent.

Nicht berücksichtigt sind mögliche Nachrückerinnen in den früheren Räten. Das ließe sich nur durch eine noch umfangreichere Recherche klären. Bekannt ist, dass Maria Schulte-Loh und Hildegard Kuhlmann ihre Vorgänger während einer Wahlperiode beerbten und 1999 erstmals als erste Kandidatin eines Wahlbezirkes antraten. Sicher ist: Wer für einen höheren Frauenanteil im Rat ist, der muss aktiv werden, weil die Parteien im Frühjahr ihre Männer und Frauen für die Wahlbezirke und auf der Reserveliste benennen.

Wo macht die Ratsarbeit Spaß?

„Es macht immer dort Spaß, wo es gelingt, Konflikte zu lösen, Kompromisse zu finden oder gut abgewogene Entscheidungen zum Wohle unserer Gemeinde zu treffen, kurzum: die eigene Gemeinde mit zu gestalten“, sagt Maria Schulte-Loh (CDU). Barbara Kehrmann (UWG) stellt fest: „Spaß macht es immer dann, wenn etwas für den Bürger die Umwelt oder für das Wohl der Gesamtgemeinde erreicht wird.“ Den gleichen Tenor schlägt Petra Haverkamp (SPD). Wie ihre Kolleginnen stellt sie zudem fest: „Wenn Bürger mit ihren Problemen zu mir kommen und ich Ihnen helfen kann. Oft reicht es schon mit der Verwaltung zu sprechen oder entsprechende Anträge in die Ausschüsse zu bringen. Wenn das Problem dann gelöst ist, freue ich mich, dass ich helfen konnte. So macht Politik Spaß.“ Schwer ist es insgesamt im Rat nicht, wie Barbara Kehrmann berichtet: „Es gibt tatsächlich einen angenehmen kollegialen Umgang zwischen den Ratsmitgliedern. Heißt nicht, dass man in der Sache konform geht, aber das Miteinander sorgt für ein gutes Arbeitsklima.“

Frauen im Ascheberger Gemeinderat

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  • Hedwig Stüer (CDU) 1979 und 1984 gewählt

    Foto: WN-Archiv
  • Heike Roerig (SPD) , 1979 über die Reserveliste

    Foto: privat
  • Veronika Alles (CDU), 1984 und 1989 gewählt

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  • Martina Bünnigmann (CDU, vorher Aschwer), 1989 bis 2014

    Foto: privat
  • Irene Hellwig (SPD) 1994 - 2009

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  • Petra Haverkamp (SPD) 1994 bis 2004, 2009 bis heute

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  • Eva Maria Stieglitz (UWG) 1994 und 1999 gewählt

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  • Anne-Marie Bickenbach (UWG) 1994 bis 2014

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  • Maria Schulte-Lohg (CDU) vor 1999 bis heute

    Foto: privat
  • Hildegard Kuhlmann (CDU) vor 1999 bis heute

    Foto: privat
  • Cornelia Pelster (CDU) 2004 bis heute

    Foto: WN-Archiv
  • Katharina Heinen (UWG) direkt gewählt 2009

    Foto: WN-Archiv
  • Gisela Lamkowsky (CDU) 2014 bis heute

    Foto: CDU
  • Barbara Kehrmann (UWG) während der laufenden Legislaturperiode

    Foto: Foto: tani
  • Foto: WN-Archiv
  • Birgit Homann (SPD), ) während der laufenden Legislaturperiode

    Foto: WN-Archiv

Was hindert Frauen, stärker aktiv zu werden?

Ein Patentrezept, wie man die Frauenquote verändern könnte, haben die Ratsfrauen nicht. „Über dieses Thema habe ich oft mit Frauen gesprochen. Bei Vielen ist dies eine Zeitfrage. Neben Berufstätigkeit liegt die Hauptlast der Betreuung von Kindern, Enkeln und zu pflegenden Angehörigen auch heute immer noch bei den Frauen. Es fehlt nicht an Interesse an politischen und gesellschaftlichen Fragen. Deshalb sind viele Frauen zudem noch engagiert im kirchlichen Bereich, in Vereinen und sehr stark vertreten in Pflegschaften und Elternräten, im sogenannten vorpolitischen Raum und formulieren von hier aus auch Bedarfe an die Politik“, sagt Schulte-Loh. Kehrmann formuliert es so: „Frauen sehen gerne den direkten Erfolg und engagieren sich deswegen öfters in Aktionsgruppen, Flüchtlingshilfe, Tafel und so fort. Der lange mühsame Weg durch die Instanzen ist manchmal sehr frustrierend. Bessere Vernetzung von Frauen, bewussteres Zuhören und Ideen aufnehmen in den politischen Gremien und Rahmenbedingungen, die Frau erlauben, einen Teil ihrer Zeit der Politik zu widmen, könnten vielleicht mehr Frauen motivieren sich auch institutionell politisch zu engagieren. Bei Einzelaktionen sind Frauen durch- aus aktiv und führend.“

Familien müssen Frauen stärker unterstützen

Und Haverkamp beschreibt das Problem so: „Es ist schwer in der heutigen Zeit Personen für das Ehrenamt zu gewinnen. Frauen für die Politik zu begeistern, ist noch schwerer. Die heutigen Frauen müssen Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. Das ist nicht immer einfach. Deshalb wünsche ich mir, dass die Frauen mehr Unterstützung von der eigenen Familie erhalten, um politisch aktiv zu werden. Auch die Parteien sollten mehr werben, um Frauen für sich zu gewinnen. Die Sitzungen müssen nicht immer so lange dauern. Das schreckt auch viele Frauen ab, in die Politik zu gehen.“ Gedanken, wie es doch gelingen kann, hat sich Schulte-Loh gemacht: „Ich möchte eher Faktoren benennen, die sich positiv auf die Bereitschaft von Frauen, sich politisch zu engagieren, auswirken: „Eigene, gute Erfahrungen mit Kommunalpolitik, persönliche Ansprache und Zuspruch, eine sachliche Diskussionskultur, eine gerechte und objektive Berichterstattung in den Medien, die Wertschätzung des politischen Engagements, das Sammeln erster, politischer Erfahrungen mit dem Einstieg als sachkundige Bürgerin. Die CDU hat neben vier Ratsfrauen inzwischen neun sachkundige Bürgerinnen für die verschiedenen Ratsausschüsse gewinnen können.“

Was unterscheidet die Arbeit von Frauen und Männern im Rat?

Verallgemeinern will das Trio beim Nachdenken über Unterschiede nicht. „Ich glaube, Frauen sind oft teamfähiger. Frauen sind oft empathischer. Es gibt in vielen Bereichen eine weibliche Sicht der Dinge. Das halte ich für sehr befruchtend in der Diskussion und bringt zusätzliche Ideen in die politische Arbeit“, erklärt Kehrmann. Haverkamp sagt: „In den Sitzungen sieht man es oft, dass die männlichen Kollegen zu oberflächlich an bestimmte Themen heran gehen. Speziell, wenn es um Themen wie Kinderbetreuung oder um pädagogische Themen geht. Frauen lassen sich oft auch emotional zu ihren Entscheidungen leiten. Das ist zwar nicht immer richtig, aber Gefühle zu zeigen ist doch menschlich.“ Schulte-Loh sieht es so: „In der Tendenz können Frauen besser zuhören. Sie erkennen früher sich anbahnende Missverständnisse, sind sehr auf Vermittlung, Ausgleich und Konsens bedacht und gehen sehr praktisch an die Dinge heran.“

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