Tiny-House-Siedlungen
„Gefühlt wird uns die Bude eingerannt“

Warendorf -

Während der Baudezernent Feuer und Flamme für die kleinen Häuschen ist, ist die Begeisterung bei Vertretern von CDU und FDP etwas verhalten. Das allerdings hat weniger mit der modernen Wohnform, als vielmehr mit der Lage der Grundstücke zu tun, die in Warendorf für eine Tiny-House-Nutzung angeboten werden sollen.

Freitag, 24.01.2020, 14:52 Uhr aktualisiert: 25.01.2020, 12:09 Uhr
Dieser ehemalige Spielplatz in der Holtkampstraße wäre nach Ansicht der Bauverwaltung ein idealer Standort für eine Tiny-House-Siedlung.
Dieser ehemalige Spielplatz in der Holtrupstraße wäre nach Ansicht der Bauverwaltung ein idealer Standort für eine Tiny-House-Siedlung. Foto: Joke Brocker

Man habe ja nichts gegen Tiny Houses, aber . . . Restlos begeistert schienen die Vertreter von CDU und FDP im Ausschuss für Umwelt, Planung und Verkehr (UPV) nicht, als Baudirektor Peter Pesch sie um Zustimmung zu einem Aufstellungsbeschluss für Tiny-House-Siedlungen an der Holtrupstraße und am Sperlingsweg bat.

Im Zuge der Nachverdichtung sollen ein ehemaliges Spielplatzgelände vis-à-vis der Josefskirche (1600 Quadratmeter) und die städtische Fläche am Sperlingsweg (500 Quadratmeter) für Minihäuser zur Verfügung gestellt werden. Während die Grundstücke nach Ansicht Peschs ideal sind, hatte Dr. Hans Günther Schöler (FDP) schon Probleme, sich nur den Transport der 20 bis 50 Quadratmeter großen Häuschen auf die zur Debatte stehenden Flächen vorzustellen. Andrea Blacha von der CDU gab zu bedenken, dass viele junge Familien vergebens Baugrundstücke suchten. Bauwilligen, die sich in der Vergangenheit für die Fläche am Sperlingsweg interessiert hätten, sei immer wieder gesagt worden, dass das Grundstück Grünfläche bleiben solle.

Kritik an mangelnder Bürgerbeteiligung

Während Andreas Hornung und Bernhard Ossege (beide SPD) davor warnten, das Thema jetzt schon zu zerreden, kritisierte Peter Steinkamp (CDU), dass man 500 000 Euro teure Grundstücke auch anderweitig nutzen könne. Für sozialen Wohnungsbau oder für ein Acht-Parteien-Haus. Seine Fraktion störe zudem das beschleunigte Verfahren, das wegen des Verzichtes auf eine Bürgerbeteiligung die Nachbarschaft nicht mitnehme. Auch Fragen der Wirtschaftlichkeit müssten geklärt werden, außerdem konkrete Bedarfe abgefragt werden, wie das auch im Fall des Baugebietes In de Brinke geschehe.

Peter Pesch, der davon ausgeht, dass die Stadt Eigentümer der Grundstücke bleibt, schlug vor, die Bürger, gleich nach Aufstellungsbeschluss durch den Rat, im Zuge einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung zu informieren.

Was die Abfrage der Bedarfe angehe, sei er „absolut dafür“, bemerkte er und wettete mit Peter Steinkamp um eine Kiste Bier, dass es gewiss mehr als 40 Anfragen Interessierter geben werde. Schon zuvor hatte er auf die Frage Hermann-Josef Vinkes (CDU), ob es überhaupt Anfragen gebe, erklärt: „Gefühlt wird uns die Bude eingerannt.“ Bei Enthaltung der FDP stimmte die UPV-Mehrheit schließlich für den Aufstellungsbeschluss für die Fläche an der Holtrupstraße. Knapper fiel die Entscheidung beim Sperlingsweg aus. Acht Ausschussmitglieder stimmten für den Aufstellungsbeschluss, sieben dagegen.

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