Pläne für Nachnutzung
Zeche in Ibbenbüren: Was kommt nach der Kohle?

Ibbenbüren -

In Ibbenbüren wird keine Kohle mehr gefördert. Doch wie geht es weiter auf dem riesigen Zechengelände? Es gibt viele Pläne. Und einen  „Lottogewinn“.

Mittwoch, 29.01.2020, 10:30 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 11:41 Uhr
Die an der Decke hängende Bahn („Elektrokatze“) gehört zu dem Material, das wieder ans Tageslicht geschafft werden muss.
Die an der Decke hängende Bahn („Elektrokatze“) gehört zu dem Material, das wieder ans Tageslicht geschafft werden muss. Foto: Linda Braunschweig

Eigentlich könnte es losgehen mit dem Ende. Seitdem der Bergbau in Ibbenbüren im August 2018 vorbei ist, räumen die verbliebenen Bergleute auf. Der Rückzug aus dem „Grubengebäude“ ist vorbereitet – nur rund 30 Kilometer unterirdischer Wege sind noch offen. Doch derzeit geht es nicht weiter. „Um jetzt weiterzukommen, brauchen wir die Zusage des Abschlussbetriebsplans“, sagt Jürgen Kunz, seit Januar Sprecher der Geschäftsführung der RAG Anthrazit Ibbenbüren.

Die Übergangszeit

Doch noch laufen die Pumpen und fördern das in die Grube einsickernde Wasser hinaus. Kommt das Okay von der Bezirksregierung Arnsberg – Kunz rechnet damit im ersten Quartal –, kann man die Pumpen abstellen. Für eine Übergangszeit werden in einem Schacht noch Pumpen installiert, die das Wasser so lange fortschaffen, bis der Grubenwasserkanal, eine 7,3 Kilometer lange Betonröhre von 3,60 Meter Durchmesser, fertig ist. Er wird – ohne Pumpen – das Wasser künftig von einem Niveau von 63 Metern über dem Meeresspiegel bis kurz vor Hörstel fließen lassen, wo es dann aufbereitet und abgeführt wird. Das allerdings kann noch bis Mitte des Jahrzehnts dauern.

Genehmigung steht noch aus

Derzeit ruhen die Arbeiten, die Genehmigung steht aus. Die noch 220 von einst mehreren Tausend Beschäftigten und rund 170 Mitarbeiter aus Fremd- und Zeitarbeitsfirmen halten die Grube noch offen. 1,5 Millionen Euro kostet das im Monat. Kommt die Genehmigung, kalkuliert die RAG noch ein halbes Jahr, bis man sich ganz aus der Grube zurückgezogen hat und die Schächte so weit verfüllt sind, wie es für die ewige Grubenwasserhaltung nötig ist. Dafür, und für ein paar andere Aufgaben, wird es in Ibbenbüren laut Kunz noch für etwa zehn bis 30 Menschen Arbeit geben.

Ibbenbürener Bergleute überreichen «letzte Kohle» an Laschet

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  • Die Glocke schlägt noch einmal, dann öffnet sich das Tor vor dem Förderkorb. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Fünf Bergleute schieben eine Lore heraus. Die letzte Kohle hat das Anthrazit-Bergwerk in Ibbenbüren verlassen.

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  • Damit ist eine fast 500-jährige Tradition im Tecklenburger Land zu Ende.

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  • Schicht im Schacht. Die vorletzte deutsche Steinkohlenzeche ist dicht.

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  • Die allerletzte, Prosper Haniel in Bottrop, soll am 21. Dezember geschlossen werden, so sieht es der 2007 geschlossene Kohlekompromiss vor.

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  • Von einem Tag „von historischer Dimension“ sprach Zechenchef Heinz-Werner Voß, „ein einstmals zentraler Zweig deutscher Industriegeschichte geht unwiederbringlich zu Ende.“

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das ist sicher ein schwerer Tag“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Es ende „ein wichtiges Kapitel in der Geschichte unseres Landes.“ 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die letzte Kohle aus Ibbenbüren: Unter den Ehrengästen waren (von links): NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Bischof Felix Genn, Peter Schrimpf, Chef des Kohlekonzerns RAG, Ministerpräsident Armin Laschet, der Vorsitzende der RAG-Stiftung Bernd Tönjes, Ibbenbürens Bürgermeister Marc Schrameyer, Zechenchef Heinz-Werner Voß, Mettingens Bürgermeisterin Christina Rählmann, Arbeitsdirektor Jörg Buhren-Ortmann, Betriebsratschef Uwe Wobben (hinten) und Hörstels Bürgermeister David Ostholthoff. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Acht Steinkohle-Bergwerke mit 33.000 Bergleuten gab es noch in Deutschland, bevor 2007 der Bund sowie die Kohleländer NRW und Saarland sich darauf einigten, dass der subventionierte Steinkohlenbergbau 2018 enden würde – und zwar ohne Entlassungen, in einem sozialverträglichen Sinkflug.

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  • Die meisten Kumpel schafften den Übergang in die „Anpassung“, den Vorruhestand.

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  • Doch selbst wenn Kumpel und Region seit 2007 Zeit hatten, sich auf dieses Ende vorzubereiten, so tut der Einschnitt weh. 

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  • Die Schutzpatronin, die heilige Barbara, durfte beim Abschied am Barbaratag nicht fehlen. 

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Pläne für Schachtanlagen

2012 haben sich die Stadt Ibbenbüren und die umliegenden Kommunen entschieden, eine „Schnittstelle Kohlekonversion“ ins Leben zu rufen. Seither entstanden Pläne für die Schachtanlagen in Ibbenbüren und etwas weiter nördlich in Mettingen, insgesamt 87 Hektar, aber auch für die beiden Bergehalden von rund 260 Hektar Fläche, auf denen Freizeitnutzungen, landwirtschaftliche Projekte und Energieprojekte – etwa Fotovoltaik – entstehen sollen.

Die Stadtwerke Tecklenburger Land zogen Anfang 2019 als erstes auf die alte Ibbenbürener Schachtanlage. Sie haben erst Anfang dieses Jahres das Gasnetz übernommen, 2021 folgt das Stromnetz. Daher wuchsen sie vergangenes Jahr langsam in die bestehenden, ehemaligen RAG-Gebäude hin­ein und werden noch weiter wachsen. Ebenfalls schon vor Ort ist die Praxis eines Arbeitsmediziners.

„Lottogewinn“: Batterierecycling

Dickster Brocken unter den derzeit bekannten Nachnutzungen ist das Batterierecycling, das als Teil der in Münster entstehenden Forschungsfertigung Batteriezelle in Ibbenbüren geplant ist. Ibbenbürens Bürgermeister Marc Schrameyer hatte diese Ansiedlung unlängst als „Lottogewinn“ bezeichnet. Für die Planung hat das Großprojekt Priorität, es umfasst ein stoffliches Batterierecycling und einen großformatigen Batteriespeicher aus alten Akkus, einen sogenannten Netzbooster. „Alles, was der Netzbooster braucht, werden wir versuchen möglich zu machen“, sagt Uwe Manteuffel, Geschäftsführer der Schnittstelle Kohlekonversion.

Derzeit laufen auf den früheren Schachtanlagen also Aufräumen und Aufbauen gleichzeitig, planerisch ist der Weg in die Zukunft bereitet. Die Region hat sich dafür einen eigenen Slogan gegeben: „Gute Aussichten“.

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