Forensik vor der Erweiterung?
Pläne für Klinik in Münster-Amelsbüren sorgen für Irritationen

Münster-Amelsbüren -

Im Umfeld der Forensikklinik in Münster-Amelsbüren wachsen die Befürchtungen, die Einrichtung stehe vor einer massiven Erweiterung. Am Montagabend kommt es zu einer außerordentlichen Klinikbeiratssitzung, zu der aus Düsseldorf der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug erwartet wird.

Donnerstag, 30.01.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 30.01.2020, 18:04 Uhr
Das Gelände der Forensikklinik in Amelsbüren: Aktuell gibt es 54 Plätzte für Patienten.
Das Gelände der Forensikklinik in Amelsbüren: Aktuell gibt es 54 Plätzte für Patienten. Foto: Norbert Piontek

Am Montag kommt der Beirat der Amelsbürener Forensikklinik zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Es geht um „Gerüchte und Informationen hinsichtlich einer möglichen Erweiterung unserer Klinik“, wie es in dem Einladungsschreiben heißt, das unserer Redaktion vorliegt.

Die Alexianer als Träger der Einrichtung sehen dahingehend Klärungsbedarf, dass sie nicht als Initiator anzusehen sind: „Wir halten uns an den Vertrag mit dem Land und die erarbeiteten Absprachen hinsichtlich der Klinikgröße.“

Soll Klinik-Kapazität nahezu verdoppelt werden?

Derzeit gibt es 54 Plätze für intelligenzgeminderte Straftäter, die in der Christophorus-Klinik therapeutisch behandelt werden. Künftig können es bis zu 90 sein, befürchtet der Amelsbürener Ratsherr und CDU-Faktionsvorsitzende im Rat der Stadt, Stefan Weber. Träfen die Zahlen zu, käme das nahezu einer Verdoppelung der Klinik-Kapazität gleich.

Weber erklärt vorsorglich allen Erweiterungsplänen eine klare politische Absage: „Das ist ausgeschlossen.“

Ein weiterer Wortbruch ist absolut inakzeptabel.

Stefan Weber

Ausdrücklich warnt er davor, gegebene Zusagen gegenüber der Bevölkerung zu brechen: „Nach den Änderungen bei den Ausgangsregelungen für die dort untergebrachten psychisch kranken Straftäter würde eine wesentliche Aufstockung der Plätze erneut eine jener Zusagen brechen, die seinerzeit in der Bevölkerung maßgeblich für die Akzeptanz der Klinik waren.“

Bereits die Rücknahme der Zusicherung, es werde ausschließlich begleitete Ausgänge in Amelsbüren und Senden geben, habe vor einigen Jahren nach Ansicht des CDU-Politikers für „erhebliches Misstrauen“ gesorgt. Er fügt hinzu: „Ein weiterer Wortbruch ist absolut inakzeptabel und würde massiv das Vertrauen zu den Entscheidungsträgern stören.“

Sind die Befürchtungen übertrieben?

Hingegen betonen die Alexianer ausdrücklich in ihrem Einladungsschreiben zur der Beiratssitzung, dass es für „die forensische Christophorus Klinik keine Pläne für eine Erweiterung oder Erhöhung der Platzzahl“ gebe.

Sind somit alle Befürchtungen übertrieben und womöglich hinfällig?

Der Druck auf die Landesregierung, schleunigst neue Plätze für Forensik-Patienten zu schaffen, ist enorm. In Wuppertal will das Land eine neue Klinik mit 150 Plätzen bauen.

Gegenüber unserer Zeitung hat der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug sein Kommen zu der außerordentlichen Klinikbeiratssitzung angekündigt. Im Vorfeld wolle er sich nicht äußern, stehe aber nach der Sitzung „gerne zu einem Gespräch bereit“.

Dass er nach Münster reist, um sich lediglich die widerstrebende Position der Alexianer anzuhören, nimmt niemand an. Er werde womöglich die Erweiterung der Klinik anordnen, lauten die Befürchtungen.

Die neuen Ausgangsregelungen waren seinerzeit ebenfalls per Anordnung in Kraft gesetzt worden.

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