Martin Luther King-Musical
Gospelchor aus 932 Stimmen begeistert in der Halle Münsterland

Münster -

Mit einem XXL-Chor im Rücken haben Profis am Wochenende in der Halle Münsterland das Musical „Ein Traum verändert die Welt“ über das Leben Martin Luther Kings aufgeführt. Die 932 Sängerinnen und Sänger kommen zum allergrößten Teil aus dem Münsterland und haben sich für das Projekt seit dem Herbst regelmäßig getroffen – in verschiedenen Gruppen.

Sonntag, 02.02.2020, 17:15 Uhr aktualisiert: 02.02.2020, 18:21 Uhr
Der Chor mit seinen fast tausend Stimmen bestand fast durchgängig aus Frauen, die sich von einem Stimmungslied zum nächsten sangen.
Der Chor mit seinen fast tausend Stimmen bestand fast durchgängig aus Frauen, die sich von einem Stimmungslied zum nächsten sangen. Foto: Wilfried Gerharz

Als der schwarze Baptistenprediger Michael King 1934 nach Deutschland reiste, erfuhr er Vieles über den Reformator Martin Luther und war so begeistert, dass er sich selbst in Martin Luther King umbenannte – und seinen fünfjährigen Sohn gleich mit. Der Sohn wurde eine Legende und reiste als Bürgerrechtler in den 1960er Jahren unter anderem auch nach Deutschland. Nun ist auf Deutsch ein Chormusical („Ein Traum verändert die Welt“) über das Leben Martin Luther Kings herausgekommen, das am Samstag zwei Mal in der Halle Münsterland aufgeführt wurde. Die Evangelische Kirche steht als Spiritus rector hinter dem Projekt. Ein exzellent einstudierter Gospelchor aus 932 Stimmen nebst hoch professionellen Solisten sorgten für Jubel und in der Halle über zweieinhalb Stunden für Kirchentagsstimmung.

Zweieinhalb Stunden Euphorie

Gleich zu Beginn sah man Sänger mit Demo-Schildern durch die Reihen stürmen: „No Racism“ und „We Shall Overcome“. Aber wie soll man sich steigern, wenn bereits das erste Lied nach finaler Hymne klingt? Gar nicht. Die Euphorie blieb im Wesentlichen gleich hoch, und die knapp tausend (fast durchweg weiblichen) Chormitglieder sangen sich von einem Stimmungs-Lied zum nächsten. Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken haben das effektvoll, wenn auch nicht sehr variabel komponiert (gegen das berühmte Spiritual „Go down, Moses“ kommt man ohnehin nicht an; es wurde neu auf Deutsch von Andreas Malessa betextet, der auch das Libretto schrieb), die Bigband spielte mitreißend.

Auch für uns war es ein gigantisches Erlebnis.

Silvia Ballaschk, Chor Gaudeamus

Vor allem die gewaltigen Klänge des über 900-köpfigen Chores sorgten immer wieder für Gänsehaut-Atmosphäre. „Auch für uns war es ein gigantisches Erlebnis“, erzählt Silvia Ballaschk, eine von rund 25 Teilnehmern des münsterischen Chors Gaudeamus der Auferstehungsgemeinde. „Später auf der Heimfahrt im Bus sind wir voller Begeisterung von fremden Leuten darauf angesprochen worden.“

Von einer „mega Stimmung“ spricht auch Pia Wentingmann (21) vom Chor „Chorisma“ aus Hiltrup. Und Harald Heinen (70) gesteht ein: „Ich bin richtig süchtig davon geworden“, sagt er am Sonntag. „Die Lieder schwingen in mir heute immer noch nach.“

Chormusical „Martin Luther King – ein Traum verändert die Welt“

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  • Das Chormusical „Martin Luther King – ein Traum verändert die Welt“ war am Samstagabend zu Gast in der Halle Münsterland

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  • Das Musical dreht sich um den US-amerikanischen Friedensnobelpreisträger Martin Luther King und sein berühmtes Zitat „I have a dream“.

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  • Das besondere: Ein riesiger Chor begleitet das Geschehen auf der Bühne.

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  • Dort wird die Geschichte des Bürgerrechtlers und Baptistenpastors erzählt, der in den 1960er Jahren die Welt veränderte.

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  • Sehen Sie im Folgenden weitere Bilder des Musicals „Martin Luther King – ein Traum verändert die Welt“ in der Halle Münsterland.

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Glaube, Liebe und Gewaltlosigkeit

Der Inhalt: Glaube, Liebe und Gewaltlosigkeit. Letztere war für den Reverend mit der großen Hoffnung ein Muss. Zu einer Zeit, in der die amerikanische Nation beinahe zerbrach. Ist ein Musical aber das passende Genre, all dies zu vermitteln? Schmissige Rhythmen und fröhliche Melodien waren hier jedenfalls immer dabei. Sie waren dabei, als Martin um seine Coretta (stark: Peti van der Velde) warb. Sie waren dabei, als die berühmte Rosa Parks (stolz: Bonita Niessen) sich weigerte, den zugewiesenen „schwarzen“ Platz im Bus einzunehmen. Sie waren dabei, als Fieslinge der Staatsmacht oder des Ku-Klux-Klans sich den Bürgerrechtlern in den Weg stellten. Einige Szenen präsentierten sich auch witzig – etwa wenn die DDR-Genossen versuchen, den schwarzen „Kumpel“ von Kennedy und Willy Brandt an der Grenze abzuweisen und dieser sich ohne Pass mit einer American-Express-Karte durchmogelt.

King als smarter Draufgänger

Andreas Wolfram gab den Titelhelden als smarten Draufgänger, der eher wie Barack Obama wirkte als wie ein Prediger aus den Sechzigern. Als er unschuldig inhaftiert wird, singt er glaubhaft von seinen Zweifeln – nur um von einer weiß gekleideten Schönheit (Karolin Konert), die das Programmheft als „Heilige Geistin“ annonciert, mit überzuckerten Klängen Trost zu erfahren.

So durfte die voll besetzte Halle durchaus mit einem Lächeln auf den Lippen dem Geschehen folgen, das auch die privaten Ereignisse des Bürgerrechtlers, seine Ehe und Familie, mit einbezogen. Die Gegenspieler Kings waren deftig chargierende Figuren an der Grenze zur Karikatur. Die grausame Wirklichkeit prangte auf Originalfotos der 60er Jahre – die märchenhafte Musical-Erzählung appellierte an das Herz. Da passte es, dass diverse Spenden-Eimer für ein Wasserprojekt in Kenia durch die Reihen gingen. Und eine riesige Weltkugel hüpfte dazu als Ballon fröhlich über die Köpfe hinweg.

Rauschender Beifall

„Friede, Freude, Eierkuchen!“, möchte man da sarkastisch mit Malcolm X rufen, der als gewaltaffiner Gegenspieler Kings auftritt (rau und kernig: Dominik Doll). Aber es liegt in der Logik des Stückes, dass der düstere Aktivist am Ende der Umarmung der Friedlichen erliegt.

Erklang hier nun eine frohe Botschaft der Hoffnung, oder wurde doch eine tragisch-großartige Biografie banalisiert? Für das Publikum keine Frage – es spendete rauschenden Beifall.

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