Missbrauchsprozess: Zeuginnen und der Klassenlehrer berichten
Erschütternde Details vor dem Gericht geschildert

Metelen/Münster -

Fortgesetzt wurde am Dienstag der Prozess gegen einen Metelener, der über Jahre seine leibliche Tochter missbraucht haben soll.

Dienstag, 04.02.2020, 16:20 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 17:43 Uhr
Der Metelener hat sich vor dem Landgericht zu verantworten.
Der Metelener hat sich vor dem Landgericht zu verantworten. Foto: dpa

Mit der Befragung weiterer Zeugen ist am Dienstag vor dem Landgericht Münster der Prozess gegen einen Metelener fortgesetzt worden, den die Staatsanwaltschaft anklagt, über mehrere Jahre seine minderjährige leibliche Tochter schwer sexuell missbraucht zu haben.

Kontakte zur Familie des missbrauchten Mädchens hatte eine Sozialarbeiterin des zuständigen Jugendamtes. Unregelmäßiger Schulbesuch, selbst gemalte Bilder mit Rasierklingen und Stress mit anderen Kindern waren Anlass für die Nachricht der Schule an das Jugendamt. Bei einem Hausbesuch habe ihr der Angeklagte den Zutritt zur Wohnung verwehrt. Mit der Mutter konnte sie sich wesentlich leichter verständigen, sie habe sich auch für angebotene Hilfe aufgeschlossen gezeigt. Eine akute Gefährdungslage innerhalb der Familie war nach Aussage der Sozialarbeiterin im April 2019 nicht offensichtlich erkennbar.

Perverse Sexualpraktiken

Eine weitere Zeugin, eine gute Bekannte der Mutter des Mädchens, hatte den Stein ins Rollen gebracht. Ihr hatte sich das Kind anvertraut, über Probleme in der Schule berichtet und von häuslichen Schwierigkeiten erzählt. Schließlich habe sie ihr die sexuellen Übergriffe des Vaters offenbart, worauf die Frau die Polizei verständigt habe.

Was die beiden Polizistinnen vor der 21. Großen Strafkammer aussagten, förderte das mutmaßliche Geschehen schmerzhaft zutage. Wie das Kind den beiden Beamtinnen an zwei verschiedenen Tagen erklärte, habe sie der Vater, seit sie etwa acht Jahre alt war, auf das Schwerste missbraucht. „Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn solche Schilderungen noch nicht erlebt“, bekannte eine der beiden Kripobeamtinnen.

Nach ihrer Einschätzung könne sich ein Kind solche Geschehnisse nicht ausdenken. Die zum Teil perversen Sexualpraktiken müsse das Kind tatsächlich erlebt haben. Da das Mädchen bei beiden Beamtinnen schlüssig und glaubwürdig ausgesagt habe, gäbe es aus ihrer Sicht keinen Grund, am Wahrheitsgehalt ihrer Schilderungen zu zweifeln, so die übereinstimmenden Aussagen.

1300 Dateien ausgewertet

Von fast 1300 beim Angeklagten sichergestellten Dateien berichtete ein weiterer Kripobeamter, der auf verschiedenen Datenträgern überwiegend Videos mit strafbaren sexuellen Handlungen ausgewertet hatte.

Der Klassenlehrer des Mädchens schilderte bei seiner Vernehmung am Dienstag, dass die Eltern Sprechtage der Schule nicht angenommen hätten und nur nach mehrmaliger Aufforderung zu einem Gespräch erschienen seien. Dabei sei der Vater ausfallend geworden und habe Kolleginnen beschimpft und bedroht.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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