Dietmar Panske ist CDU-Obmann im Untersuchungsausschuss Lügde
Detektivarbeit im tiefsten Sumpf

Ascheberg -

Vor Dietmar Panske tun sich Abgründe auf. Bei einem Besuch des Landeskriminalamtes sieht der CDU-Landtagsabgeordnete Bilder, die „mit Dreck und Abschaum noch freundlich umschrieben sind“. Der Ascheberger muss sich damit als Obmann seiner Partei im Untersuchungsausschuss zum Missbrauch in Lügde befassen.

Donnerstag, 06.02.2020, 08:00 Uhr
Das Interesse an den Ermittlungen des Untersuchungsausschusses zum Missbrauchsskandal in Lügde ist erwartungsgemäß groß, wie Dietmar Panske erfuhr. Foto: Dirk Herrmann
Das Interesse an den Ermittlungen des Untersuchungsausschusses zum Missbrauchsskandal in Lügde ist erwartungsgemäß groß, wie Dietmar Panske erfuhr. Foto: Dirk Herrmann

Vor Dietmar Panske tun sich Abgründe auf. Bei einem Besuch des Landeskriminalamtes sieht der CDU-Landtagsabgeordnete Bilder, die „mit Dreck und Abschaum noch freundlich umschrieben sind“. Befassen muss sich der Ascheberger mit den Thematiken sexueller Missbrauch und Kinderpornografie, weil er als Sprecher und Obmann der CDU-Fraktion im Untersuchungsausschuss Lügde mit den Kollegen aufklären soll, wo was schief gelaufen ist. Die Ergebnisse sollen Impulsgeber für eine bessere Zukunft werden.

Der seit heute 53-jährige Ascheberger gehört am Rhein noch zu den Parlamentsneulingen. Nach zweieinhalb Jahren sind erstmals viele Kameras auf ihn gerichtet: „Das Thema wühlt Menschen auf und bewegt auch die Medien. Das haben wir bei Teilen der Landespressekonferenz gesehen. Das Interesse war groß.“ Panske spricht über vergangenen Freitag, als erstmals Zeugen gehört wurden.

Aktenstudium benötigt viel Zeit

13 Parlamentarier sitzen in dem Gremium, das vom Landtag im vergangenen Sommer einstimmig eingesetzt worden ist. Es ist einer von vier aktuellen Untersuchungsausschüssen. „Bei der Fülle an Dingen, die aufzuklären sind, ist uns allen klar, dass wir bis zum Ende der Legislaturperiode damit beschäftigt sein werden“, vermutet Panske. Das stille Vorarbeiten, bevor am Freitag erstmals Zeugen vernommen wurden, lässt das vermuten: „Wir müssen die Akten sichten. Das sind 150 000 bis 200 000 Seiten.“ Alles, was die Behörden zum Fall Lügde bearbeitet haben, wird zum NRW-Landtag geschickt. Dort, so Panske, passiere das Material eine Schleuse, in der es anonymisiert werde. Alle Namen und Bilder würden geschwärzt. Für die Arbeit sei es nicht nötig, das Leid der Kinder auf Fotos zu sehen. Wohl aber, was Behörden wann getan oder nicht getan haben. „Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass Fehler passiert sind“, ist der CDU-Obmann überzeugt, „die wahren Abgründe sind tiefer, als wir uns das jetzt vorstellen können.“

Panske, der zu Beginn seiner Zeit im Landtag schon im Untersuchungsausschuss zum Fall des Attentäters Anis Amri Erfahrungen gesammelt hat, berichtet von einem schrittweisen Vorgehen: „Wir schauen uns zuerst die Arbeit und Strukturen der Jugendämter an.“ In der Folge werde die Arbeit der Polizei unter die Lupe genommen. Um die unverzichtbare Aktenkenntnis erwerben zu können, hat die CDU-Fraktion Panske aus dem Schulausschuss genommen: „Ich bleibe weiter im Innenausschuss, werde aber viel Zeit in das Aufklären des Falls investieren.“

Arbeit dauert bis zum Ende der Legislaturperiode

In der zweiten Hälfte der Legislaturperiode wird der Ascheberger also stärker in der Öffentlichkeit stehen, denn sie ist in der Regel durch die Medien bei den Ausschusssitzungen vertreten. Es sei denn, Dinge müssen vertraulich behandelt werden. Oder geheim. Dafür gibt es im Landtagskeller einen speziellen Raum, der abhörsicher ist und vor dessen Tür beispielsweise die Smartphones abgegeben werden müssen.

Nach Lügde und Bergisch-Gladbach hat der Ausschuss es mit einem sensibilisierten Apparat zu tun, der sich in heller Aufregung befindet. Nach den bisherigen Gesprächen auch mit den Obmännern der anderen Parteien ist Panske zuversichtlich, dass der gemeinsame Drang, die Dinge aufzuklären, auch zu Ergebnissen in Gesetzen und Verordnungen führen werde. Natürlich, räumt er ein, verfolgten die Parteien in solchen Ausschüssen auch immer eine politische Idee: „Das gehört zum Geschäft, steht hier aber nicht an erster Stelle. Das sind wir den Opfern schuldig.“

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