Betrug
Festnahmen nach Razzien wegen falscher Polizisten

Osnabrück/Münster -

Mehr als drei Millionen Euro soll eine Bande ergaunert haben, die sich deutschlandweit als Polizisten ausgegeben haben. Am Mittwochmorgen schlug die echte Polizei zu - auch im Münsterland.

Mittwoch, 12.02.2020, 09:04 Uhr aktualisiert: 12.02.2020, 19:19 Uhr
Beamte der Polizei führen einen vorläufig festgenommenen Mann aus einem Mehrfamilienhaus in Datteln.
Beamte der Polizei führen einen vorläufig festgenommenen Mann aus einem Mehrfamilienhaus in Datteln. Foto: Marcel Kusch

Am Mittwochmorgen ist es deutschen Ermittlungs- und Justizbehörden in enger Zusammenarbeit mit türkischen Sicherheitsbehörden gelungen, die Hintermänner einer großen Betrüger-Bande im Kontext sogenannter "falscher Polizeibeamte" zu ermitteln und festzunehmen.

Kriminelles Netzwerk

Darunter auch die mutmaßlichen Haupttäter des mehr als 70 Mitglieder starken und international agierenden kriminellen Netzwerkes. In einer konzertierten Polizei-Aktion am Morgen gab es allein in Deutschland 19 Durchsuchungen von Wohnungen, Geschäftsräumen und Fahrzeugen - allesamt in Nordrhein-Westfalen (Köln, Bochum, Frechen, Münster, Datteln, Rheine, Olfen und Dortmund). Dabei konnten drei Männer und eine Frau in Datteln und Rheine festgenommen werden.

In Rheine entdeckten die Ermittler eine Plantage für den Drogen­anbau. In Münster wurde die Wohnung eines Mehrfamilienhauses durchsucht. „Wir haben hier aber keine relevanten Hinweise gefunden“, sagt die Osnabrücker Polizeisprecherin Anne Außendorf. 

Zudem konnten vier hochwertige Fahrzeuge im Gesamtwert von etwa 185.000 Euro sichergestellt werden. Außerdem wurden Bargeldbeträge im fünfstelligen Bereich, hochwertiger Schmuck, Munition, einen Ausziehschlagstock und mehrere sogenannte "Grow-Zelte" als Indoorplantage sichergestellt. Zeitgleich zu den Durchsuchungen in Deutschland gab es in den beiden türkischen Städten Antalya und Istanbul gleichgelagerte Aktionen türkischer Polizei-Behörden - in enger Abstimmung mit der Kriminalpolizei aus Osnabrück und Koblenz.

Bei mehr als 20 Durchsuchungen in der Türkei konnten bislang 24 Personen festgenommen werden. Neben Wohnungen wurden die beiden Callcenter durchsucht und stillgelegt. Zum jetzigen Zeitpunkt werden der Bande in zwei großen Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaften Osnabrück und Koblenz wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges rund 100 Taten in zehn Bundesländern nach knapp einem Jahr intensiver Ermittlungen von Ermittlungsgruppen in Osnabrück und Koblenz zur Last gelegt.

Meist ältere Opfer

Hierbei entstand bei den meist älteren Opfern ein Schaden von mehr als drei Millionen Euro. Darüber hinaus wurden zahlreiche ältere Menschen vor erheblich größeren Schäden in Millionen Höhe bewahrt. Diese Taten blieben im Versuchsstadium. 

"Ein großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen in Deutschland und der Türkei", so Michael Maßmann, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück. "Dank der guten Zusammenarbeit von deutschen und türkischen Sicherheitsbehörden konnten wir die kriminellen Strukturen und Netzwerke zerschlagen und auch die Hintermänner festnehmen. Ein großer Erfolg für unsere Sondereinheit "Zentrale Ermittlungsgruppe Phänomene" und ein klares Signal an alle, die auf perfide Art und Weise versuchen, ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Wir lassen nicht locker", so Maßmann weiter.

Die Auswirkungen der Taten auf die betroffenen älteren Menschen sind immens. Nicht nur, dass sie vielfach erhebliche Geldbeträge und Wertgegenstände verloren haben, waren die Menschen zudem durch die Anrufer oft über Tage hinweg fast rund um die Uhr unter Druck gesetzt und kontrolliert worden. Sie leiden deshalb oftmals unter Angstgefühlen oder anderen psychischen Folgen, so der Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück, Marco Ellermann.

Auch mangelndes Vertrauen gegenüber Behörden und Amtsträgern entstehe durch solche Taten, so Ellermann weiter. Dabei gingen die Täter laut Ellermann immer gleich vor: In den teilweise mehrfachen und über Stunden oder Tage dauernden Telefonaten, bei denen auch psychisch auf die Opfer eingewirkt wurde, täuschten die Betrüger vor, das Ersparte der vermeintlichen Opfer sei durch bevorstehende Einbrüche oder untreue Mitarbeiter von Banken bedroht. 

Wie man sich vor Betrug am Telefon schützen kann

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  • Immer wieder versuchen Betrüger vor allem ältere Menschen am Telefon zu täuschen, um so an ihr Geld zu kommen. Die Polizei gibt Tipps für das Verhalten am Telefon.

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  • Geben sich die Anrufer als Polizisten aus, ist wichtig zu wissen: Die 110 ruft nie an!

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  • Wird man angerufen, soll man sich nicht mit dem Namen melden. Besser sei es auf Begrüßungsformeln zurückzugreifen, wie „Hallo“ oder „Guten Tag“. Das erschwert es den Anrufern, sich das Vertrauen zu erschleichen.

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  • „Hallo Oma, ich bin es!” Wenn sich der Anrufer nicht mit Namen meldet, soll man sich nicht dazu verleiten lassen, den Namen zu erraten.

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  • Um sich selbst zu schützen, sollte man am Telefon keine persönlichen Daten preisgeben.

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  • Auf Fragen oder Aussagen des Anrufers nie mit „Ja“ antworten. Betrüger könnten das „Ja“ aufzeichnen und bei sprachgesteuerten Diensten als Einverständniserklärung nutzen.

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  • Ganz wichtig: Auflegen ist erlaubt. Kommt einem der Anruf merkwürdig vor - einfach auflegen!

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  • Ist man sich unsicher, immer eine vertraute Person hinzuziehen.

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  • Die Betrüger gehen oft geschickt vor und verwickeln einen in lange Gespräche. Aus diesen heraus zu kommen, ist manchmal nicht einfach, Um sich zu schützen, sollte man nicht warten, dass der Anrufer das Telefonat beendet, sondern selbst die Initiative ergreifen.

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  • Auch „Nein“ zu sagen ist erlaubt. Möchte man auf Fragen des Anrufers ungern antworten, ist es nicht schlimm, die Frage nicht zu beantworten und „Nein“ zu sagen.

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  • Haben Betrüger angerufen, sollte man die Polizei informieren, indem man die 110 wählt.

    Die Polizei im Kreis Borken bietet die Tipps auch als übersichtliche Infokarte zum Download an, die man ausgedruckt neben das Telefon legen kann.

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