Sperrstunde und Uni-Ausfall
Wie Warendorfer im Ausland indirekt vom Coronavirus betroffen sind

Warendorf/Brescia/Saigon -

Am Coronavirus kommt aktuell niemand vorbei. Die neuartige und grippeähnliche Krankheit ist das Thema Nummer eins. Noch gibt es in Warendorf keinen Fall, doch einige sind schon indirekt betroffen.

Sonntag, 01.03.2020, 12:14 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 12:50 Uhr
Sperrstunde und Uni-Ausfall: Wie Warendorfer im Ausland indirekt vom Coronavirus betroffen sind
In Norditalien, da wo auch Sebastian Render zur Zeit studiert, werden die Züge immer wieder desinfiziert. Foto: dpa (Symbolbild)

So wie Sebastian Render. Der 25-jährige Student der Umweltingenieurwissenschaften wohnt seit einigen Wochen in Brescia, in Norditalien. Dort macht er ein Auslandsemester.

Universität geschlossen

Doch an Vorlesungen oder Seminare ist in der Stadt in der Nähe von Mailand zurzeit nicht zu denken. Die Universität, alle Behörden und öffentliche Einrichtungen sind geschlossen. „Wie lange steht noch nicht genau fest“, so Render. So hat der 25-Jährige zwar mehr Freizeit, doch auch die sei schwierig zu planen.

„Von 18 Uhr abends bis 6 Uhr herrschte hier die vergangene Woche so etwas wie Sperrstunde.“ Kinos, Bars, Clubs mussten geschlossen bleiben. Damit sollten große Menschenansammlungen vermieden werden. Auch die meisten Fußballspiele in den höheren Ligen wurden abgesagt oder finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Sperrstunde wurde am Samstag wieder gelockert, die Schließung der öffentlichen Einrichtungen verlängert. "Meine Universität in Deutschland, die TU Berlin hat uns eine Email geschrieben und empfohlen, zurück nach Deutschland zu kommen", so der Erasmus-Student, der aber erstmal in Italien bleiben möchte.

„Denn immerhin kann man sich auf den Straßen noch frei bewegen, da gab es bis jetzt keine Einschränkungen. Tagsüber findet das Leben größtenteils auch normal statt“, erklärt Render, der keine Angst vor dem Coronavirus hat: „Ist ja nicht wirklich schlimmer als Grippe. Und zu einer Risikogruppe gehöre ich ja auch nicht.“ Etwas mulmiger wird ihm aber schon zumute, wenn er in den nächst größeren Supermarkt geht, in dem die Mitarbeiter teils viel Schutzkleidung tragen. „Ansonsten sieht man aber auch kaum Atemmasken oder so.“

Kein Karneval in Venedig

In Venedig sei das anders. Da wollte Sebastian Render vor gut einer Woche Karneval feiern. „Aber der ist dann ja ausgefallen.“ Dort würden viele Touristen - die die noch kommen - Atemmasken tragen. „In Brescia ist das entspannter. Das Coronavirus ist hier natürlich Thema Nummer eins, aber es werden auch Witze, wenn zum Beispiel jemand niesen muss, gemacht. Es gibt also gerade so ein ambivalentes Verhältnis dazu.“

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Sebastian Render in Venedig. Foto: privat

Hysterie in Vietnam

Anders ist das bei Manni Nguyen. Der 24-Jährige aus Einen-Müssingen ist aktuell in Vietnam und besucht dort Verwandte und Bekannte.
„Hier herrscht die, für asiatische Metropolen typische, Massenhysterie“, meint der BWL-Student und berichtet weiter: „Leute prügeln sich vor Apotheken um Atemmasken. Menschen, die aus Hochrisiko-Zonen kommen, werden direkt für 14 Tage in Quarantäne gebracht.“
Nguyen, der noch bis Mitte März in Saigon ist, erzählt, dass öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Universitäten geschlossen seien. Wahrscheinlich sogar bis Anfang April.

„Viele Medikamente gegen Erkältungen und Fieber sind ausverkauft oder werden im Internet zu Mondpreisen angeboten“, so Manni Nguyen, der selbst keine große Angst oder Panik hat. „Aber viele Einheimische trauen sich nicht mehr auf die Straßen zu gehen. Sogar einige meiner Verwandten wollten mich anfangs nicht in ihr Haus lassen, weil ich auf dem Hinflug einen kurzen Aufenthalt in Hongkong hatte.“
Ein großes Problem in Vietnam sei aktuell auch der Tourismus und die heimische Wirtschaft. Reisende bleiben aus, nur noch wenige würden rausgehen, erklärt der Student. Einige seiner Bekannten, die als Englischlehrer in Vietnam gearbeitet haben, seien inzwischen zurück in ihre Heimat geflogen. „Weil sie aktuell eh kein Geld verdienen.“

Das Coronavirus beschäftigt die Menschen auf der ganzen Welt. Es werden viele Maßnahmen getroffen, das öffentliche Leben ist betroffen. Doch Grund zu wirklicher Panik bestehe nicht, heißt es von den Behörden.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

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  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

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  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

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