Kunstprojekt
Dem Paradies ein Stück näher - per Schaukel...

Rheine -

Ein wenig Gefahr schwingt mit. Seit Beginn der Fastenzeit hängen zwei Schaukeln im Hauptschiff der Stadtkirche St. Dionysius in Rheine. Spielgeräte für Erwachsene, auf denen Wagemutige in zwei bis drei Metern Höhe durch den Kirchenraum schweben können, dessen Fertigstellung vor 500 Jahren die Pfarrei St. Dionysius in diesem Jahr feiert. 

Mittwoch, 04.03.2020, 06:30 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 07:39 Uhr
Pfarrer Thomas Lemanski und Bürgermeister Peter Lüttmann haben die Schaukel in der St.-Dionysius-Kirche als Erstes ausprobiert.
Pfarrer Thomas Lemanski und Bürgermeister Peter Lüttmann haben die Schaukel in der St.-Dionysius-Kirche als Erstes ausprobiert. Foto: Paul Nienhaus

„Dem Paradies ein Stück näher kommen“ – dieses Ziel möchte der Osnabrücker Künstler Mario Haunhorst mit seiner Kunstinstallation erreichen, zu der neben der ausgeklügelt konstruierten Doppelschaukel auch zwölf über den Kirchenraum verteilte Spiegel und zwei kleinere Installationen gehören.

„Selig schaukeln, glauben, hoffen und lieben auf eigene Gefahr!“ Diesen in seiner vollen Länge etwas sperrigen Titel hat Haunhorst seinem Kunstwerk verliehen, mit dessen Hilfe sich die Kirchenbesucher während der Fastenzeit auf die Suche nach spirituellen Quellen im Gotteshaus begeben können. Ein Aha-Effekt hat sich bei den ersten Benutzern der „Himmelsschaukel“ direkt eingestellt. „Es zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht“, darin waren sich Thomas Lemanski, leitender Pfarrer in St. Dionysius, und Bürgermeister Peter Lüttmann einig, nachdem sie am Abend des Aschermittwochs den Anfang gemacht und sich in luftige Höhen aufgeschwungen hatten.

Zwischenmenschliche Beziehungen und Glückseligkeiten

Künstler Haunhorst, der sich rund ein Jahr mit dem im Spätmittelalter vollendeten Kirchenraum beschäftigt hatte, bevor er die spielerische Installation der Doppelschaukel entwickelte, spitzt bewusst zu: „Gott ist dort abwesend, wo Menschen ihn nicht mehr oder allzu sehr zu kennen glauben und meinen, über ihn verfügen zu können“, sagt er. Indem er Elemente wie die Schaukel oder den Spiegel neu in den Raum einfügt, möchte er die Kirchenbesucher zu einer durchaus kritischen Auseinandersetzung einladen.

„Mein Thema sind die zwischenmenschlichen Beziehungen und Glückseligkeiten sowie die Frage nach der Beziehung von Mensch und Gott“, betont er. Das Schaukeln im Kirchenraum – auf eigene Gefahr – funktioniert umso besser, je mehr die jeweiligen Schaukelpartner aufeinander eingehen. „Der eine funktioniert nicht ohne den anderen“, erläutert der Künstler. Neben dem unmittelbar damit verbundenen Spaß möchten er und die Organisatoren des Kirchenjubiläums das Angebot aber auch als Einladung zum Dialog und zur Auseinandersetzung mit den Inhalten verstanden wissen.

„Selig schaukeln“ kann bis einschließlich zum Palmsonntag, 5. April, in der St. Dionysius-Kirche Rheine erlebt werden. Aus Sicherheitsgründen hat die Pfarrei Zeiten freitags, samstags und sonntags jeweils nach Gottesdiensten oder den Fastenpredigten eingerichtet, bei denen die Schaukel unter Aufsicht in Betrieb genommen wird.

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