Fettmarkt: Kein Welpenhandel mehr
Purer Spaß am Hund

Warendorf -

Am Anfang war die Empörung: Hundewelpen auf dem Viehmarkt - von einem Händler, der früher in Verruf gestanden hatte? Dieses Jahr wird das anders sein.

Freitag, 06.03.2020, 16:52 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 21:24 Uhr
Jasmin Scherzinger mit Familienhündin Ayla. Die 37-Jährige und ihre Kooperationspartner arbeiten an einem Programm-Ersatz für den Welpenverkauf auf dem Fettmarkt-Viehmarkt.
Jasmin Scherzinger mit Familienhündin Ayla. Die 37-Jährige und ihre Kooperationspartner arbeiten an einem Programm-Ersatz für den Welpenverkauf auf dem Fettmarkt-Viehmarkt. Foto: Zoe Gleisberg

Statt online-Hysterie und Schimpftiraden in den sozialen Medien konstruktives Denken und Handeln? Das geht. Ein halbes Jahr nach der Aufregung über einen Hundewelpen-Verkäufer aus Dorsten im Fettmarkt-Angebot sieht das Programm 2020 erstmals anders aus. Eine Reihe von Hundefreunden hat die Energie ihrer Empörung in eine Initiative gesteckt. Und grünes Licht von Bürgermeister Axel Linke: Dieses Jahr zeigen Tiere, was sie können.

Wir haben überlegt: Wie wär‘s denn denn mit einem Alternativangebot?

Jasmin Scherzinger

Am Ende geht es dabei nicht um Umsatz. Sondern um Information und Spaß für alle. Der Erlös einer Tombola fließt direkt dem Hundeasyl in Freckenhorst zu. Aber zurück zum Anfang. Zu Jasmin Scherzinger. Die 37-Jährige war im Herbst auf dem Fettmarkt. „Ich gehe da normalerweise nicht hin. Aber als ich mit meiner Tochter da war, war ich doch sehr verblüfft.“ Sie hatte vorher einen Fernsehbericht über den umstrittenen Händler gesehen, der schon etliche Jahre hier Tiere zum Verkauf anbot. „Nach dem Beitrag war klar, dass er in Osteuropa Hunde produzieren lässt“, erinnert sie sich. Wegen früherer Probleme mit Tierschutzstandards hatte der Betrieb damals einen zweifelhaften Ruf gehabt. „Nachdem es auf Facebook eine so große Resonanz gegeben hatte, habe ich dazu etwas geschrieben. Und darauf haben sich sehr viele Menschen bei mir gemeldet.“ Es folgte eine Kettenreaktion. „Wir haben überlegt: Wie wär‘s denn denn mit einem Alternativangebot?“ Auf jeden Fall sollte weiter der Hund im Mittelpunkt stehen.  „Aber nicht als Verkaufsobjekt“, sagt die zweifache Mutter und Hundebesitzerin Scherzinger. „Riesenbaby“-Mischling Ayla gehört zur Familie.

Informationen über das Tierasyl und den Hundesport

Das Ganze, allen Beteiligten war das klar, würde natürlich nur in Absprache mit der Stadtverwaltung klappen. Nach internen Vorüberlegungen gab es Ende Januar ein Treffen mit Bürgermeister Linke und der für den Fettmarkt zuständigen Sachbearbeiterin. Scherzinger: „Das war ein sehr nettes Gespräch, Herr Linke hat die Idee befürwortet und uns animiert, in die Planungen einzusteigen.“

Da waren Fragen zum Programm zu klären, zum Platzbedarf. Als das Wesentliche im Entwurf so weit stand, entschied Nicole Scherzinger sich für den Weg an die Öffentlichkeit. „Wir haben eine Reihe von Partnern gewinnen können. Der Schäferhundverein Sassenberg macht mit, der Hundespaß-Sportverein Ostbevern, das Aktionsbündnis Tierschutz Warendorf und das Hundeasyl Freckenhorst.“

Besucher des Viehmarktes werden also dieses Jahr erstmals statt Kauf-Welpen an der Aktionsfläche „Rallye Obedience“ erleben, Agility-Vorführungen, „Trick Dog“, „Obedience“ und Treibball. Das alles sind Trainings- und Erziehungs-Programme, die dem natürlichen Bewegungsdrang der Tiere entsprechen. Vertreter des Hundeasyls wollen zudem über ihre tägliche Arbeit informieren.

„Vielleicht bringen sie auch ein, zwei Tiere mit, die geeignet sind.“

Wer mitmachen will, kann sich gerne melden.

Jasmin Scherzinger

Ziel der Initiative ist es, die Leute mitzureißen. „Wer mitmachen will, kann sich gerne melden“, ermuntert Nicole Scherzinger. Wenn es dieses Jahr nicht mit einer Teilnahme klappe, dann vielleicht nächstes. Es ist also auf Fortsetzung angelegt? „Ja, wenn alles gut läuft, dann soll das eine dauerhafte Sache werden.“ Jedenfalls aus Sicht der Hundefreunde.

Die Stadtverwaltung begrüßt die Initiative, wie Sprecherin Lena Fröhlich auf WN-Anfrage bestätigt: „In einem gemeinsamen Gespräch haben wir uns mit Frau Scherzinger (...) darüber ausgetauscht, welche Möglichkeiten es gibt, den Hund und auch den Hundesport auf dem Viehmarkt entsprechend zu präsentieren“, so Fröhlich.

„Nun befinden sich alle Beteiligten in der Umsetzung eines neuen Konzepts. Wenn es klappt, wie wir uns das vorstellen, wird es in diesem Jahr für die Besucher des Viehmarktes viele Informationsmöglichkeiten rund um den Hund geben.“

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