35 Filmschaffende unterwegs im Münsterland
Suche nach der coolen Kulisse

Kreis Coesfeld -

Im Kreis Coesfeld waren am Wochenende Filmschaffende auf Location-Tour. Sie suchten „Settings“ für Tatorte, Helen-Dorn-Krimis und auch Kinofilme wie die Tragikomödie „25 km/h“. Vor allem nahmen die Location-Scouts malerische Schlösser und Burgen in den Fokus.

Montag, 09.03.2020, 08:00 Uhr
Karin Verbeek ist Location-Scout mit einem eigenen „Motivbüro“ in Hamburg.
Karin Verbeek ist Location-Scout mit einem eigenen „Motivbüro“ in Hamburg. Foto: Ulla Wolanewitz

Jovele Meimelage. Schovel schreddiges Wetterchen. So präsentiert sich das Münsterland ganz gerne. Erst recht im März, eben auch, wenn sich Besuch aus ganz NRW anmeldet. Nicht etwa, dass die Region mit ihren Reizen geizt. Nur gibt sie ihre Schönheit und Einzigartigkeit nicht jedem auf den allerersten Blick preis.

Die 35 Filmschaffenden, die am Freitag auf Location-Tour im Kreis Coesfeld un­terwegs waren, störte das eher weniger. Denn die mögen es voll real, schauen dabei gerne in Ecken und Nischen. Da ist weniger perfekt, eher total perfekt.

Bei ihrer Exkursion nahmen die Kreateure, die auf Einladung des Filmservice Münsterland angereist waren, vor allem die malerischen Schlösser und Burgen in den Fokus. „Alles total schön hier“, schwärmte Karin Verbeek aus Hamburg, die nicht nur die herrschaftlichen Anwesen, sondern ebenso das gesamte Umland recht spannend fand.

Geist vergangener Tage

Sie ist seit vielen Jahren als Location-Scout im Einsatz und sucht „Settings“ für Tatorte, Helen-Dorn-Krimis und auch Kinofilme wie beispielsweise die Tragikomödie „25 km/h“.

Als erste interessante Haltestelle auf diesem Roadtrip wusste das morbide Kleinod Schloss Senden natürlich erstklassig zu trumpfen. Da schnatterten die Enten auf der Gräfte und machten lange Hälse, als die Gäste, kaum dass sie den Bus verlassen hatten, in alle Richtungen ausschwärmten, um dieses Anwesen für ihre Zwecke zu dokumentieren.

Wer wollte, konnte sich von Gästeführerin Bettina Knust oder Lennard Pieper in die wechselhafte Vita des alten Ritterguts, das in den 1950er Jahren ein Handelsschul-Internat und bis in die 1990er Jahre ein Hotel beherbergte, einführen lassen oder dem Spirit der teils mit Ornament-Tapeten verzierten Wände, die da Bände sprechen, nachspüren. „Hier schwebt noch in jedem Raum der Geist vergangener Tage“, amüsierte sich ein Teilnehmer mit Blick auf die aufgereihten „Olympia Monica“ und mechanischen Rechenmaschinen noch älteren Datums im Obergeschoss.

Mit von der „Landpartie“ war auch Dokumentarfilmer Horst Herz, seines Zeichens auch Dozent in der Filmwerkstatt Münster. Aber auch Newcomer wie Cliff Odum, der immer mal wieder auf der Suche nach coolen Kulissen ist, um seine Musikvideos damit anzureichern. „Perfekt!“, lobte der Musiker. „Ich habe viele Inspirationen bekommen.“ Filmemacher Markus Mischkowski war bereits vor 20 Jahren zu Gast beim Filmservice Münsterland. „Damals hieß das Pättkestour“, schmunzelte er und erinnerte sich noch an einen Besuch auf dem Waldfriedhof Lauheide.

Um die Mittagsstunde, begleitet vom Glockengeläut wie es sich für das Münsterland gehört, trafen die Gäste auf der Burg Vischering ein, mit deren Anwesen sie sich, auch unter fachlicher Führung in einer Dreiviertelstunde vertraut machen konnten. Da fehlte einigen Filmschaffenden, die es lieber schrullig und gediegen mögen, jedoch die Patina der vergangenen Jahrzehnte.

Einen stärkenden Mittagssnack gab es auf Haus Runde, dem historischen Gräftenhof zwischen Havixbeck und Billerbeck. An jenem Ort, wo 2015 Szenen zu „Paula – Mein Leben soll ein Fest sein“, dem biografischen Filmdrama über aula Modersohn-Becker, gedreht wurden.

„Vier Drehtage waren das“, erinnerte sich Location-Scout Rüdiger Jordan gerne und Hausherrin Inge von Olfers ergänzte: „Für Auf-, Um- und Abbau war das Team hier vier Wochen im Einsatz.“ Diese Kulisse hatten auch Regisseur Mark Lorei und Produktionsassistentin Lotte Ruf für ihre historische Webserie „Haus Kummerveldt“ genutzt, die an diesem Freitag noch einmal zurück zum Tatort kamen.

Auf dem Rückweg nach Münster gab es noch zwei „Boxenstopps“ an der Kolvenburg und auf der Burg Hülshoff, bevor für den krönenden Abschluss „Pinkus Müller“ angesteuert wurde. Nun bleibt es spannend, wo und in welchen Streifen das Münsterland demnächst überall auftauchen wird.

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