Energie vom Kirchendach
Bistum Münster will mehr Fotovoltaik-Anlagen nutzen

Münsterland -

Das Bistum Münster möchte verstärkt auf regenerative Energien setzen. Demnach könnten Kirchen künftig auch Fotovoltaik-Anlagen tragen. Aber nicht alle kommen dafür auch infrage. In drei Städten haben bereits entsprechende Planungen begonnen.

Dienstag, 10.03.2020, 06:45 Uhr aktualisiert: 10.03.2020, 07:02 Uhr
Anders als diese Kirche in Zernin in Mecklenburg-Vorpommern sollen im Bistum Münster nur Kirchen Fotovoltaik-Anlagen tragen, die nicht unter Denkmalschutz stehen.
Anders als diese Kirche in Zernin in Mecklenburg-Vorpommern sollen im Bistum Münster nur Kirchen Fotovoltaik-Anlagen tragen, die nicht unter Denkmalschutz stehen. Foto: dpa

Kirchendächer des Bistums Münster könnten demnächst Fotovoltaik-Anlagen tragen. Das hat Anette Brachthäuser auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Die Leiterin der Abteilung Bauwesen des Bistums schließt allerdings aus, dass es sich dabei um Gebäude handelt, die unter Denkmalschutz stehen.

Damit dürften allein im Münsterland 170 Kirchen in Frage kommen. Die Experten des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe sehen bei 63 Kirchen im Münsterland einen Denkmalwert, bei 170 nach Angaben eines Sprechers des LWL aber nicht. Das betrifft Gebäude, die nach 1945 gebaut worden sind. Informationen, wie viele ältere Kirchen besonders schutzwürdig sind, gibt es nicht.

Initiative gestartet

„Denkmalschutz schließt Fotovoltaik-Anlagen nicht aus, erfordert aber enorm viel Abstimmungen“, sagt Brachthäuser. Deswegen seien denkmalgeschützte Gebäude für solche Initiativen kaum geeignet. Könnte sich der Kirchenvorstand einer Gemeinde vorstellen, auf den Dächern seiner nicht unter Denkmalschutz stehenden Kirche Strom gewinnen zu wollen, „diskutieren wir jeden einzelnen Fall“, sagt die Leiterin der Abteilung Bauwesen. Dann müsse geklärt werden, wie lange ein Kirchengebäude noch im Besitz der Gemeinde bleiben könnte, ob ohnehin eine Reparatur des Daches anstehe und dann eine Installation der Paneele günstiger sei.

Planungen in drei Städten

Die Deutsche Bischofskonferenz hat 2019 „Zehn Thesen zum Klimaschutz“ herausgegeben und darin für die stärkere Nutzung regenerativer Energien geworben. Daraufhin hat Brachthäuser eine Initiative gestartet, damit auf den Dächern von Pfarrhäusern, Heimen, Kindergärten, Schulen und Verwaltungsgebäuden Strom mithilfe der Sonne produziert werden kann. Bevor dafür Kirchendächer verwendet werden, haben im Bistum Münster entsprechende Planungen in drei Städten begonnen. In Ibbenbüren könnte auf dem Dach der Roncalli-Schule eine Fotovoltaik-Anlagen entstehen. Initiator sind die Stadtwerke vor Ort. „Das Kiesdach dort ist nahezu perfekt“, sagt Brachthäuser. Es habe eine gute geschlossene Fläche, die belegt werden könnte. In Ostbevern soll die Loburg bei der Produktion von Strom helfen, in Dülmen wird geprüft, ob die Marienschule mit Hilfe von Erdwärme und Fotovoltaik-Anlagen geheizt und mit Strom versorgt wird.

Bewusstsein für Umgang mit der Umwelt wächst

Brachthäuser macht klar, dass die Kirche oder die kirchlichen Schulen nicht zum Händler werden sollen. Das Generalvikariat würde zurzeit prüfen, ob eine bischöfliche Schule aus steuerlichen Gründen selbst eine Anlage betreiben und damit Unternehmerin werden darf. Stattdessen könnten die Flächen an die Stadtwerke vor Ort verpachtet werden, in Energiegenossenschaften könnten sich die Bürger beteiligen und auch von den Gewinnen profitieren.

Steht ein Gebäude nicht unter Denkmalschutz, hat der Besitzer weitaus größere Möglichkeiten zur Veränderung. Er kann die Fenster vergrößern, neue Decken einziehen oder den Grundriss anders gestalten. Unter Denkmalschutz ist das in der Regel nicht denkbar.

Im Bistum Münster wächst das Bewusstsein für einen schöpfungsgerechten Umgang mit der Umwelt. Mittlerweile sind rund 70 Kirchengemeinden und katholische Einrichtungen an einem Zertifizierungsverfahren beteiligt. Ihr Ziel ist es, nur noch nachhaltig einzukaufen – also im Pfarrheim zu 100 Prozent recyceltes Papier, sparsame Beleuchtungssysteme oder Heizungen mit nachwachsenden Rohstoffen zu verwenden.

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