UKM will Schwerkranke behandeln
Mit Anti-Serum gegen das Coronavirus

Münster -

Gegen die bisweilen lebensbedrohlichen Symptome der Corona-Infektion gibt es bekanntlich kein Medikament. Das Universitätsklinikum beschreitet nun einen neuen Weg. Menschen, die die Krankheit überstanden haben, sollen mit einer Blutspende helfen.

Mittwoch, 01.04.2020, 17:30 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 14:40 Uhr
Prof. Hartmut Schmidt zeigt hier eine Zentrifuge, mit deren Hilfe das Serum für schwerkranke Corona-Patienten hergestellt werden kann.
Prof. Hartmut Schmidt zeigt hier eine Zentrifuge, mit deren Hilfe das Serum für schwerkranke Corona-Patienten hergestellt werden kann. Foto: Matthias Ahlke

Es sind zum Glück gemessen an der Zahl der Infizierten in Münster nicht sehr viele Corona-Erkrankte, die in den Krankenhäusern liegen, womöglich auf Intensivstationen behandelt werden. Den wenigen, die dort, wie Prof. Hartmut Schmidt, Infektiologe am Universitätsklinikum Münster sagt, um ihr Leben kämpfen, nützt eine positive Statistik nichts. „Wir sind wirklich verzweifelt“, gesteht Schmidt angesichts dieser Patienten, denn es gibt kein therapeutisches Mittel gegen das Virus Covid-19.

Noch nicht, denn mittlerweile gibt es einen Hoffnungsschimmer. Die Mediziner am Universitätsklinikum wollen schwer erkrankte Corona-Patienten mit dem Blutplasma von Gesundeten behandeln, die die Infektion überstanden und Antikörper gegen das Virus im Blut gebildet haben.

Auf den Intensivstationen drängt die Zeit

„Erfahrungen mit anderen schweren Virus-Infektionen, beispielsweise Ebola, zeigen, dass diese Behandlung die Genesung der Schwerkranken unterstützen könnte“, erklärt Schmidt. Seitdem das Universitätsklinikum am vergangenen Freitag öffentlich Corona-Gesundete zur Blutspende aufrief, kann sich Schmidts Abteilung kaum vor Rückmeldungen retten.

„Über 2000 Menschen aus ganz Deutschland, auch auch anderen Ländern haben sich gemeldet“, freut sich der Mediziner. Jetzt gilt sein Einsatz vor allem im Austausch mit dem Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland die Vorschriften für Blutspenden festlegt, eine Möglichkeit zu finden, schneller das möglicherweise rettende Serum gewinnen und Kranken verabreichen zu können.

Normalerweise müssen neue Therapien in Studien erprobt werden, außerdem ist es Vorschrift, dass nach einer Infektionskrankheit acht Wochen vergehen müssen, bis Spender wieder Blut abgeben dürfen. So lange sind die Freiwilligen, die jetzt ihre Spende anbieten, aber noch nicht symptomfrei – und für die Schwerkranken auf den Intensivstationen drängt die Zeit.

Neues Medikament nicht in naher Zukunft

Das Serum mit den Antikörpern gegen Covid-19 ließe sich im Institut für Transfusionsmedizin des UKM sehr schnell herstellen, sagt Schmidt – innerhalb von 50 Minuten.

Stichhaltige wissenschaftliche Beweise, dass das Serum die erwünschte Wirkung bei den schwerkranken Corona-Patienten zeigt, gibt es derzeit noch nicht, sagt Professor Schmidt: In China hätten Ärzte vereinzelt damit gearbeitet – es gebe „anekdotische Erfolgsberichte“, erzählt Schmidt und ergänzt: „Die Behandlung mit antikörperhaltigem Blutplasma ist aber unsere einzige Option.“ Ein neues Medikament oder ein Impfstoff stehe in naher Zukunft nicht zur Verfügung.

Die wieder Gesunden, die die Corona-Infektion überstanden und ihre Blutspende beim UKM angeboten haben, werden benachrichtigt, wenn ihre Spende entgegengenommen werden kann. Auch Friedrich Merz, Bewerber um den CDU-Parteivorsitz und mittlerweile von der Corona-Infektion gesundet, hat – wie berichtet – dem UKM eine Blutspende angeboten. Merz sei symptomfrei, wie sein Sprecher auf Anfrage berichtet. Das UKM habe sich noch nicht bei Merz gemeldet.

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