Abstand, Zugangsbeschränkung und Lunchpakete
Blutspendetermin in Corona-Zeiten

Lüdinghausen -

Die Schlange vor der Turnhalle der Realschule ist lang, insbesondere weil die Menschen immer zwei Meter Abstand zwischen sich einhalten. Sie alle warten nicht auf den Beginn eines Sportspektakels, sondern darauf, Blut spenden zu dürfen. In Corona-Zeiten läuft eine solche Aktion ein wenig anders als gewöhnlich ab.

Donnerstag, 02.04.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 08:16 Uhr
Entspanntes Warten in der Sonne: Vor der Turnhalle der Realschule bilden die Blutspender am Dienstag eine lange Schlange – als Coronavirus-Schutzmaßnahme mit ausreichend Abstand zwischen ihnen.
Entspanntes Warten in der Sonne: Vor der Turnhalle der Realschule bilden die Blutspender am Dienstag eine lange Schlange – als Coronavirus-Schutzmaßnahme mit ausreichend Abstand zwischen ihnen. Foto: Annika Wienhölter

Eine lange Menschenschlange hat sich vor der Turnhalle der Realschule gebildet. Geduldig warten die Männer und Frauen an diesem späten Dienstagnachmittag im Abstand von zwei Metern darauf, dass es weitergeht. Ausnahme: Wer in einem Haushalt lebt, darf gemeinsam anstehen. Bekannte tauschen sich über die Entfernung aus. Manche flachsen rum, um sich die Zeit zu vertreiben. Sie alle wollen Blut spenden. In Corona-Zeiten geschieht dies unter besonderen Schutzauflagen. Erste Regel: immer Abstand halten.

Außerdem gibt‘s eine Zugangsbeschränkung. Eine Studentin der Fachhochschule (FH) Münster bittet jeden einzeln hinein. Dann misst sie die Körpertemperatur ihres Gegenübers und stellt einige Fragen – zum Beispiel: „Hatten Sie Kontakt zu einem Infizierten? Waren Sie in den vergangenen vier Wochen im Urlaub?“

Danach geht’s weiter zur Anmeldung. Die Spender werden von Ehrenamtlichen empfangen, die hinter einer Plexiglasscheibe sitzen. „Das kenne ich schon. Ich arbeite in einer Tankstelle“, sagt Ruthild Szarafinski, die sich bereits seit mehr als 30 Jahren bei Blutspende-Aktionen engagiert. Aber: „So etwas wie heute habe ich noch nicht erlebt.“ Mit Nicole Domhöver erklärt sie gerade einer Lüdinghauserin, die zuletzt vor 20 Jahren Blut gespendet hat, was sie tun muss. „Ich hatte mir ohnehin vorgenommen, mal wieder los zu gehen“, erzählt die 47-Jährige. Ausschlaggebend sei letztendlich jedoch die aktuelle Pandemie gewesen. „Blut wird ja gerade jetzt gebraucht.“ Während ihr Szarafinski die Unterlagen und einen Kugelschreiber aushändigt, stellt sie fest: „Durch die Maßnahmen fühle ich mich geschützt.“

26 Erstspender

Ebenso empfindet es Charlotte Grell. Die 22-Jährige ist eine von 26 Erstspendern, die sich am Dienstag in Lüdinghausen piksen lassen. Insgesamt zählt die Blutspendebeauftragte des Lüdinghauser und Seppenrader DRK-Ortsvereins, Edita Mladenovic, 240 Spender.

Das droht bei Verstößen gegen die Corona-Verordnungen

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  • Bei Zusammenkünften von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit, die nicht direkt verwandt sind, werden 200 Euro von jedem Beteiligten fällig.

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  • Der Verzehr von Außer-Haus-Speisen näher als 50 Meter am Restaurant oder Imbiss kostet 200 Euro.

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  • Verstöße gegen das Besuchsverbot in Krankenhäusern und Altenheimen kosten 200 Euro.

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  • Wer die Hygiene-Vorkehrungen bei einer Beerdigung nicht einhält oder den Mindestabstand von 1,5 Meter bricht, zahlt 200 Euro.

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  • Verbotenes Picknicken oder Grillen kostet 250 Euro pro Teilnehmer.

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  • Wer trotz Verbots Sportveranstaltungen organisiert, zahlt 1000 Euro.

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  • Wer ein Restaurant weiterhin betreibt, muss 4000 Euro zahlen.

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  • Für das Betreiben einer Bar, Diskothek oder eines Fitnessstudios werden 5000 Euro fällig.

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  • Öffentliche Ansammlungen von mehr als zehn Menschen werden als Straftat angesehen und mit Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet.

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  • Für die Teilnahme an einer nicht gestatteten Veranstaltung werden 400 Euro verhängt.

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Frank Brokinkel, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst West, und Martina Volmerig von der ärztlichen Entnahmedienstleitung finden: „Das alles funktioniert erstaunlich gut.“ Gemeint sind die Coronavirus-Schutzmaßnahmen. Um diese umsetzen zu können, musste zunächst ein anderer Ort gefunden werden. Statt in den Klassenräumen der Sekundarschule geht die Aktion deshalb in der deutlich größeren Turnhalle über die Bühne. „Sonst hätten wir die Vorgaben des Gesundheitsamtes nicht einhalten können“, erklärt Volmerig. Die Stadt habe sofort ihr Okay gegeben, freut sich Brokinkel. „Da haben wir offene Türen eingerannt mit unserer Bitte.“ Ein Nebeneffekt: Sportgeräte können umfunktioniert und anders als üblich genutzt werden. Pylonen, Bänke und Tischtennisplatten dienen beispielsweise als Begrenzungen und Sichtschutz.

Halle statt Klassenraum

Neben den zwei DRK-Teams mit jeweils fünf Leuten, sieben Ehrenamtlichen, zwei freiwilligen FH-Studentinnen und drei Ärzten tummeln sich zweiweise auch Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbands Coesfeld, und Ingeborg Bartsch, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Lüdinghausen und Seppenrade, in der Halle – um sich davon zu überzeugen, dass alles läuft. Wer allerdings diesmal nicht erwünscht ist: „Kinder können sonst immer gerne mitkommen. Schließlich sind das unsere Spender der Zukunft“, erzählt Volmerig. Wegen des grassierenden Coronavirus sei das jetzt natürlich nicht möglich.

Das sonnige Wetter kommt allen natürlich entgegen: „Bei anderen Terminen haben die Leute draußen im Regen warten müssen“, schildert die ärztliche Entnahmedienstleitung. „Da haben wir uns die Handynummer notiert, die Männer und Frauen nach Hause geschickt und sie jeweils angerufen, wenn sie wiederkommen und direkt durchgehen konnten. Das haben alle mitgemacht. Richtig klasse.“ Die Menschen hätten verstanden, dass besondere Zeiten besondere Maßnahmen erfordern.

Nicht verzichten wiederum müssen die Spender auf ihre süße und herzhafte Belohnung: Auf jeden wartet nach vollzogenem Aderlass ein Lunchpaket für zu Hause. Eine nette Alternative zum sonst so beliebten gemeinsamen Beisammensein inklusive Essen und Trinken.

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