Unterricht ohne Schulbesuch offenbart Bedeutung der Digitalisierung
Technik zählt bei Büffeln daheim

Senden -

Seit dem 16. März ruht der Unterricht in Sendens Schulen. Das Büffeln daheim funktioniert offenbar, hat eine stichprobenartige Umfrage ergeben. Die Virus-Krise offenbare aber zugleich, dass beim modernen Lernen der digitalen Rahmenbedingungen und Werkzeuge eine besondere Rolle zukommen

Mittwoch, 01.04.2020, 17:58 Uhr
Lernen ohne reale Pädagogen und außerhalb des Klassenraums: Für die Schülerinnen und Schüler in Senden ist das seit der Schulschließung ein Thema
Lernen ohne reale Pädagogen und außerhalb des Klassenraums: Für die Schülerinnen und Schüler in Senden ist das seit der Schulschließung ein Thema Foto: di

Auch Schulen müssen lernen – was durch die Corona-Krise beschleunigt wird. Denn von einem Tag auf den anderen – wie bei der Geschwister-Scholl-Realschule – oder mit einem Wochenende als Puffer wurde der Schalter umgelegt: vom Lernen mit dem Lehrer am Pult und im Klassenverband auf das, was neudeutsch Homeschooling genannt wird. Das Büffeln daheim gehört seit dem 16. März für alle Schüler in Senden zum Alltag; Die Realschule stellte die Vermittlung des Unterrichts bereits zum 6. März um.

Digitales Lernportal leistet gute Dienste

Der neue Lern-Modus laufe „grundsätzlich ganz gut“, lautet das Fazit von Frank Wittig, Schulleiter des Joseph-Haydn-Gymnasiums. Er räumt ein, dass es beim Start hier und da „etwas gerumpelt“ habe, was punktuell eine „Nachjustierung“ erfordert habe. Insgesamt gebe es aber positive Rückmeldungen. Dazu trage der Einsatz des digitalen Lernportals „Padlet“ bei, das – neben E-Mails – zum Austausch von Informationen, Inhalten und Aufgabenstellungen verwendet wird. Gerade das Padlet-Portal „birgt viele Vorteile“, resümiert Bianca Gouterney. Die stellvertretende Schulleiterin hebt darunter vor allem die Möglichkeit des kollaborativen Arbeitens hervor. Der Austausch in der Gruppe und mit dem Lehrer werde deutlich leichter, als wenn dies einzig über E-Mails erfolge. Mit dem neuen Tool sei aber auch ein „Medium eingesetzt worden, das nicht allen bekannt war“, so Gouterney. Sie würdigt: „Alle Kollegen haben sich schnell reingefuchst“ – was auch für jene Pädagogen gelte, „die nicht so technikaffin sind“, wie die Konrektorin beteuert. Sie glaubt, dass die Schulschließung – am JHG geht man davon aus, dass diese am 20. April beendet sein werde – das Thema Digitalisierung stärker als zuvor in den Fokus gerückt habe. Dem Gymnasium komme in dieser Phase zugute, dass es in digitalen Fragestellungen schon weit fortgeschritten sei.

Den plötzlichen Herausforderungen gestellt

Der jähen Herausforderung mit dem Schließen der Schule habe sich ihre Mannschaft mit vollem Einsatz gestellt. „Die Kollegen machen das hervorragend“, lautet das Fazit von Ulrike Machers, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule. Von Fachlehrern, die sich stufenweise absprechen, Klassenlehrern und Eltern sei ein Kommunikationsnetz aufgebaut worden, das einen intensiven Austausch erlaubt. Nicht nur werden Aufgaben an Schüler per E-Mail geschickt, sondern deren Arbeiten auch nachgeschaut und mit Rückmeldungen versehen. Neben dem Büffeln habe aber auch die Bewegung hohen Stellenwert, stellt Machers die Verdienste der Sportlehrer heraus, die für die Realschüler einen Sportkalender für jeden Tag erstellt hätten. WLAN in der Schule, Tablets und Rückgriff auf Online-Portale – das stehe der Realschule aber noch bevor; sei für dieses Jahr geplant. Im Zuge der Virus-Krise zeige sich, „wie wichtig es ist, dass wir uns als Schule noch digital positionieren“, hebt Machers hervor.

Pädagoginnen bleiben ansprechbar

An den Grundschulen ist das Lernen außerhalb der Schulen auf zwei Stunden pro Tag begrenzt. Es ersetze nicht die Pädagogen, dennoch zeige sich, dass vielen Schülern einiges an Selbstständigkeit zugetraut werden könne, beobachtet Susanne Robers, Leiterin der Grundschule Bösensell. Das Feedback der Eltern laute überwiegend: „Die Kinder ziehen gut mit.“ Das Lehrpersonal sei erreichbar, biete feste Sprechstunden an.

An allen Schulen gilt, dass beim Büffeln ohne Schulbesuch „Augenmaß“ zu walten habe, wozu NRW-Schulministerin Gebauer die Lehrer am 15. März auch angehalten hatte. Dass zunächst Lücken im Pensum klaffen, müsse akzeptiert werden.

Und aus Sicht der Schüler, die sich vor allem in ihren Alltag in Freiheit zurück sehnen, waren die „Homeworks“ beim Homeschooling wohl überwiegend keine Überforderung. Aber: „Man musste täglich am Ball bleiben“, wie ein Mittelstüfler unterstreicht.

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