Nähprojekt der Flüchtlingshilfe zieht Kreise
Engagement mit Nadel und Faden

Lienen -

Die Flüchtlingshilfe hat ein Nähprojekt angestoßen, das Kreise zieht: Jeder der mitmachen möchte, kann zu Hause Mundschutze erstellen, die von den örtlichen Apotheken gegen eine Spende abgegeben werden. Neben etlichen Neubürgern, um die sich die ehrenamtlichen Helfer kümmern, haben unter anderem die Landfrauen zugesagt, dass sie mitmachen wollen. Stoffspenden sind jederzeit willkommen.

Mittwoch, 01.04.2020, 18:34 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 16:08 Uhr
Die Heimarbeit wird von der Flüchtlingshilfe koordiniert.
Die Heimarbeit wird von der Flüchtlingshilfe koordiniert. Foto: Flüchtlingshilfe Lienen

Abstand halten, lautet außer in den eigenen vier Wänden allerorts die Devise. Begegnungen zwischen den Menschen finden in Lienen, wie anderswo auch, auf anderen Ebenen statt. Auch ohne den direkten Kontakt versucht die Flüchtlingshilfe den Neubürgern auch weiterhin zu helfen. Die neuen Freunde und Bekannten werden mit kleinen Gesten aufgemuntert auf jeden Fall zu Hause zu bleiben und durchzuhalten.

Wichtige Informationen werden über das Internet oder Whatsapp-Gruppen weitergeleitet. Über die sozialen Netzwerke werden Videos geteilt, Lesestoff für Erwachsene und Kinder gepostet oder man führt Videotelefonate. Bücher, Spiele oder andere Dinge werden vor die Türe gestellt. So bleibt der Prozess des Zusammenwachsens auch in diesen schwierigen Zeiten im Fluss, heißt es in einer Pressemitteilung der Flüchtlingshilfe.

Inzwischen erledigten auch Kinder und Jugendliche Botengänge für ältere oder kranke Nachbarn, die anderweitig nicht versorgt werden können. Der nötige Abstand bleibe dabei gewahrt und man schütze sich, indem man auf persönliche Hausbesuche verzichtet und stattdessen einfach die Einkäufe vor den Türen abstellt.

„Man sieht, dass in der langen Zeit, die einige Flüchtlinge hier sind, ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt wurde und dass sie sich der Lienener Gesellschaft zugehörig fühlen“, schreiben die ehrenamtlichen Helfer. Sie suchen nach eigener Aussage fortlaufend nach neuen Wegen, um die Sozialisierung zu stützen und mitzutragen, Nachbarschaftshilfe anzubieten und die Gemeinsamkeit zu stärken.

So hat das Team gemeinsam mit der Teuto-Apotheke Pläne geschmiedet und möchte mit Jung und Alt etwas auf die Beine stellen: Mundschutze nähen. Unter dem Motto „#Lienen näht!“ und „#Wer macht mit?“ schließt sich die Flüchtlingshilfe Lienen mit den ortsansässigen Apotheken zusammen und versucht, ein Nähprojekt zu starten, bei dem alle Handarbeitsbegeisterten mitmachen können.

So hat sich ein Stab gebildet, der sich mit der Schnittgestaltung beschäftigte, sich Anregungen aus dem Netz und medizinischen Rat holte. Angefangen wurde mit wiederverwerteten Stoffen, Spenden aus Baumwolle und bei 60 Grad waschbaren Materialien. Entgegengenommen werden Stoffspenden auch weiterhin in der Teuto-Apotheke und der Apotheke Zur Robbe. Die ersten Modelle sind bereits genäht und ausgeliefert. Fertig genähte Mundabdeckungen können auch in der Buchentor-Apotheke in Kattenvenne abgegeben werden, die auch da gegen eine Spende für soziales Engagement erhältlich sind.

Nun geht es an die weitere Verbreitung der Idee, schreibt die Flüchtlingshilfe weiter. Die Heimarbeit werde durch vorbereitete Sets in den Haushalten der Flüchtlinge ermöglicht, in denen bereits aus früheren Aktionen Nähmaschinen stehen, die zuweilen von Frauen und Männern intensiv genutzt wurden. Produzierte Überhänge werden an die kooperierenden Apotheken weitergegeben und können dort gegen eine Spende erworben werden. Von dem Erlös werden neue Materialien besorgt. Darüber hinaus werden die Beträge für soziale Projekte eingesetzt.

„Wir konzentrieren uns in erster Linie auf die weiße Variante. Es bleibt aber jedem überlassen, sich eigene Ideen im Netz zu besorgen und auch farbige bunte Stoffe zu verwenden. Die Apotheken fungieren als Verteiler und Sammelstellen“, heißt es weiter. Inzwischen seien die ersten „Hilfsmasken“ produziert und in den Apotheken abgegeben worden. Die Landfrauen hätten auch schon zugesagt, in das Nähprojekt miteinsteigen. Erfreulicherweise habe die Berliner Designerin Monika Popp, die unter dem Namen „Natur zum Anziehen“ firmiert, zugesagt, Utensilien zu sponsern. Sie liefert in den nächsten Tagen Gummiband und Nähgarn sowie weitere Materialien.

Ein Teil der Masken soll an Ärzte, Altenheime und andere soziale Einrichtungen gespendet werde. „Jeder kann mitmachen und helfen. #Lienen näht ist ein Projekt für alle“, betonen die Initiatoren. Sie weisen zugleich darauf hin, dass die selbstgefertigten Mundschutze weder geprüft noch zertifiziert sind und von daher keine Garantie übernommen werden kann. Die Benutzung liege ausschließlich in der eigenen Verantwortung.

Nachrichten-Ticker