Rainer Bernickel ist der erste „Held des Alltages“
Ein extra-großes Herz für Trucker

Steinfurt -

Ausgerechnet in diesem Jahr wird das mit den Osterhasen für Fernfahrer nichts. Corona setzt der Überraschungsaktion ein P davor. Zu gefährlich. Ein Held des Alltags ist Rainer Bernickel für Petra Kreyenschulte trotzdem. Und nicht nur deshalb, weil der 73-jährige Wahl-Steinfurter zufälligerweise ihr Papa ist. Der pensionierte Autobahnpolizist wird von Kreissparkasse, VR Bank, SMarT und den Westfälischen Nachrichten auf Vorschlag seiner Tochter als erster „Held des Alltags“ ausgezeichnet, weil er sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für andere Helden – die der Landstraße – einsetzt.

Mittwoch, 01.04.2020, 18:58 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 17:24 Uhr
Polizist im Un-Ruhestand: Rainer Bernickel (2.v.r.) macht auf diesem Foto bei seinen Kollegen in New York Werbung für DocStop.
Polizist im Un-Ruhestand: Rainer Bernickel (2.v.r.) macht auf diesem Foto bei seinen Kollegen in New York Werbung für DocStop.

 

Als stellvertretender Vorsitzender des Vereins „DocStop für Europäer“ bringt er den Fernfahrern auf den Rastplätzen und Autohöfen entlang der Autobahnen zu Ostern oder zu Weihnachten nicht nur süße Überraschungen. Das ist gewissermaßen nur die klitzekleine Spitze eines Eisbergs von rund 2000 Stunden, die Bernickel jährlich für sein Anliegen investiert: „Als Autobahnpolizist habe ich die Sorgen und Nöte der Trucker kennengelernt. Sie liegen mir sehr am Herzen, für sie möchte ich was tun.“

Und das ist seit der von ihm initiierten Vereinsgründung von DocStop schon eine ganze Menge gewesen. Gerade sorgt die Aktion SaniStop für Schlagzeilen, bei der Speditionen und Tankstellen den Kraftfahrern Toiletten und Duschen kostenlos zur Verfügung. Unter dem Diktat von Corona derzeit leider keine Selbstverständlichkeit.

Das Hauptanliegen von DocStop ist aber ein anderes. Rainer Bernickel: „Wir wollen helfen, dass die Trucker oder Busfahrer unterwegs schnell und problemlos einen Arzt besuchen können.“ Auf die Idee kam der Gründer des Vereins nach einem Gespräch mit einem Fahrer an der Raststätte Münsterland. 14 Jahre ist das jetzt her. Und mittlerweile beteiligen sich europaweit 800 Ärzte und Hospitäler an DocStop. Der Steinfurter hat keine festen Zahlen, er geht aber von rund 400 Fahrern aus, die jeden Monat auf diesem Weg zu ärztlicher Hilfe kommen. Und das geht so: Es gibt an den Schnellstraßen Haltepunkte, von denen es bis zur Praxis nur ein kurzer Weg ist. Zeit ist bekanntlich Geld in diesem Metier. Beim Arzt kann der Brummi-Patient dann darauf bauen, zügig drangenommen zu werden und im Idealfall schnell wieder auf Strecke ist.

Der Autobahnpolizist im Unruhe-Stand ist mit diesem Engagement noch lange nicht ausgelastet. Schon vor 20 Jahren hat er einen Stammtisch ins Leben gerufen, an dem nicht nur Trucker Platz nehmen, sondern auch Polizisten, Spediteure und Zollbeamte, also alles Leute, die mit dem Gewerbe zu tun haben. „Das kriegst Du nie hin“, musste sich Rainer Bernickel damals sagen lassen. Heute gibt es landauf, landab 35 solcher Runden. Das Ziel ist klar: Wer miteinander redet und aktiv zuhört, bekommt Verständnis für den anderen.

Ein weiteres Projekt ist ein Sorgentelefon für die Berufsfahrer. Das Angebot hat sich ebenfalls lange etabliert. „Da sind wir Seelendoktor für die kleinen und großen Sorgen der Männer auf der Straße“, weiß Bernickel.

Aber nochmal zurück zu den Osterhasen und Nikoläusen, die die DocStopper zu den Feiertagen auf den Brummi-Parkplätzen verteilen. Für Rainer Bernickel sind das ganz besondere Erlebnisse. „Wir treffen viele Fahrer aus dem Ausland, die fernab von den Familien alleine feiern müssen. Da fließen dann schon mal Tränen, wenn wir mit unseren kleinen Überraschungen vor dem Fahrerhaus stehen.“ Dass Corona jetzt die Aktion unmöglich macht, stimmt den Steinfurter wiederum traurig. Gerade jetzt hätten die Helden der Landstraße es doch besonders verdient. . .

Nachrichten-Ticker