Noch ist es ruhig im Hospital
Krankenhaus bereitet sich auf möglichen Patientenandrang vor

Gronau -

Erste Infizierte und fehlende Mundschutzmasken auf der einen Seite, eine große Welle der Hilfsbereitschaft auf der anderen Seite. Das St.-Antonius-Hospital lernt gerade zwei Seiten der Corona-Pandemie kennen – und bereitet sich auf eine Verschlechterung der Situation vor.

Donnerstag, 02.04.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 07:16 Uhr
Mehrere Tausend Schutzmasken werden mit großer Unterstützung Gronauer Unternehmen und freiwilliger Helferinnen von Hand genäht. Die aufwendig gearbeiteten Masken haben eine herausnehmbare Vlies-Einlage und sind aufbereitbar.
Mehrere Tausend Schutzmasken werden mit großer Unterstützung Gronauer Unternehmen und freiwilliger Helferinnen von Hand genäht. Die aufwendig gearbeiteten Masken haben eine herausnehmbare Vlies-Einlage und sind aufbereitbar. Foto: St.-Antonius-Hospital

Ist es die Ruhe vor dem Sturm, den viele noch kommen sehen?Im St.-Antonius-Hospital Gronau ist es noch relativ ruhig, so Krankenhaus-Sprecher Ansgar Höing auf Anfrage der WN: „Wir haben aktuell drei positiv getestete und einige noch in Abklärung eines Verdachts befindliche Patienten, momentan zwei Patienten auf unserer Intensivstation und nur drei betroffenen Mitarbeitern in häuslicher Quarantäne.“

Das sei auch ein Ergebnis des bereits in der vorvergangenen Woche verhängten Besuchsverbots und strenger Zugangskontrollen für Patienten. Zudem, so Höing, würden alle Hygienemaßnahmen nach den Vorgaben und Leitlinien des Robert-Koch-Institutes (RKI) und in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises durchgeführt. Und: „Schon seit Beginn der sich verschärfenden Virussituation werden im Krankenhaus Tests auf das Coronavirus durch ein externes Labor durchgeführt, um stationäre Patienten mit anderen Erkrankungen und auch die Mitarbeiter des Hauses vor einer Infektion zu schützen und damit einsatzfähig zu halten“, so Höing.

Situation kann sich jederzeit verschlechtern

Die momentane Situation kann sich jedoch jederzeit ändern, dessen ist sich der im Krankenhaus gebildete Krisenstab bewusst. Für den Fall, dass die zweite Stufe eines erarbeiteten Stufenplans zum Tragen kommen könnte, und dann eine Vielzahl von mit Covid-19 infizierten Patienten im Haus aufgenommen werden und teilweise beatmet werden müsste, „laufen intensive Vorbereitungen“, wie Höing erläutert. Eigens für dieses Szenario hat das Haus zusätzliche Raumkapazitäten geschaffen, bzw. bestehende Bereiche umgewidmet.

Große Bedeutung in der Pandemie-Bekämpfung nimmt – wie die aktuellen Debatten darüber zeigen – der Mundschutz ein. Die allgemeine Versorgungslage mit dringend erforderlichen Schutzmaterialien ist derzeit problematisch – dies gilt besonders für Mundschutz-Masken. Der weltweite Bedarf führt zu Lieferengpässen, die jedes Krankenhaus und jede Altenpflegeeinrichtung betreffen – auch das Antonius-Hospital. Ansgar Höing: „Zwar werden uns – meist drastisch überteuert – Produkte angeboten, diese genügen aber häufig nicht den sehr hohen Anforderungen in der Medizin und der Pflege.“

Ambulante Versorgungszentren

Für die ambulante Versorgung hat der Kreis Borken – wie berichtet – zwei Behandlungszentren in Bocholt und in Legden (zuständig für Gronau) eingerichtet, in denen jeder Bürger im Verdachtsfall ohne Überweisung und ohne Termin vorstellig werden kann. Diese Maßnahme soll die Krankenhäuser und Arztpraxen in der Region entlasten.Wichtigster Aspekt im Kampf gegen das Virus ist und bleibt aber die Vermeidung von Neuinfektionen durch Einhaltung der Abstandsregeln und Vermeidung von Tröpfcheninfektionen. Aus diesem Grund wurden auch im St.-Antonius-Hospital Plexiglasscheiben installiert, welche die Mitarbeiter schützen und zusätzliche Desinfektionsgeräte.

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Auch die eigentlich zuverlässigen Lieferketten sind momentan empfindlich gestört, sodass das wichtige Material im Haus streng nach den bestehenden Vorgaben des RKI sparsam eingesetzt wird. Zwar werde laufend Material bestellt, komme jedoch nur in kleinen Chargen an. So auch die Kontingente, die vom Kreis Borken zur Verfügung gestellt werden. Das St.-Antonius-Hospital Gronau setze daher, unterstützt durch den Kreis, alles daran, so viele Masken einzukaufen wie erforderlich. Vor allem spezielle FFP2- und FFP3-Masken, die den besonderen Erfordernissen der klinischen Hygiene entsprechen.

Für alle anderen Mitarbeitenden gilt derzeit noch, dass kein Mundschutz zu tragen ist.

Ansgar Höing, Sprecher der St.-Antonius-Hospital GmbH

„Wir haben vor dem Hintergrund der genannten Lieferengpässe bereits von Beginn der Corona-Krise an alles darangesetzt, Mundschutz nur dort einzusetzen, wo er laut Vorgaben des RKI sinnvoll ist. Dazu gehören selbstverständlich positiv getestete Patienten und all diejenigen, die in direktem Kontakt mit ihnen stehen – also Mitarbeitende, die die Anamnese durchführen, bzw. in Funktionsbereichen mit Nähe zu Patienten tätig sind. Für alle anderen Mitarbeitenden gilt derzeit noch, dass kein Mundschutz zu tragen ist.“

Die Betriebsleitung der St.- Antonius-Hospital Gronau GmbH kündigt indes an, dass in absehbarer Zeit alle Mitarbeitenden in Krankenhaus und Seniorenheimen mit Masken ausgestattet werden. Die dienen allerdings vorrangig der Unterdrückung möglicher Tröpfchenübertragung des Trägers auf andere Personen.

Um dazu einen weiteren Beitrag zu leisten, lässt das St.-Antonius-Hospital aktuell „mit überwältigender Unterstützung von Privatpersonen, Gruppen und Gronauer Unternehmen“ (Höing) spezielle Mundschutzmasken nähen. Diese Masken, nach einer speziellen Anleitung genäht, ersetzen zwar nicht den Mundschutz nach medizinischen Standards, sollen aber helfen, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Ansgar Höing: „Mehrere Tausend dieser Masken entstehen in diesen Tagen durch ein einzigartiges Engagement, das dem Krankenhaus und den Altenheimen sehr zugute kommt. Unter anderem unterstützt die Bürgerstiftung Gronau die Aktion tatkräftig. Ebenso sind viele Mitarbeiterinnen der St.-Antonius-Hospital Gronau GmbH, organisiert von Mechthild Dinkelborg, Annette Droste und Tanja Jochheim, an der Nähmaschine im Einsatz.“

Lokale Unternehmen unterstützen das Hospital

Auch die Gronauer Textilfirmen Monari und RKW bringen sich nach Höings Worten mit Sachspenden und kostenloser Arbeitsleistung aktiv dafür ein, die Krise gemeinsam zu meistern. Zudem helfen viele andere Unternehmen: Die Firma Bakerman und die Konditorei Roth beispielsweise haben Kuchen und Backwaren für Mitarbeiter des Hauses gespendet. „Ein tolles Zeichen der Solidarität“, freut sich Höing und sagt im Namen des Antonius-Hospitals allen Unterstützern der weitreichenden Maßnahmen „ein herzliches Danke für die großzügige und uneigennützige Hilfe und Unterstützung in dieser für alle schwierigen Situation“.

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