Quarantäne ist beendet
"Geburtstagsgeschenk" Corona: "Eddy" Erpenbeck wieder gesund

Warendorf -

Christian Erpenbeck ist in Warendorf bekannt wie ein bunter Hund. Gladbach-Fanclub, Skiclub, Bürgerschützenverein, Freiwillige Feuerwehr - überall ist „Eddy“ aktiv. Zu seinem 50. Geburtstag, am 13. März, bekam er ein „besonderes Geschenk“. „Eddy“ infizierte sich mit dem Coronavirus. Inzwischen ist er, nach einem milden Krankheitsverlauf, aber wieder gesundet.

Donnerstag, 02.04.2020, 13:06 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 17:01 Uhr
Quarantäne ist beendet: "Geburtstagsgeschenk" Corona: "Eddy" Erpenbeck wieder gesund
Endlich wieder auf die Straße gehen – und das noch ohne Bedenken: als Gesundeter des Coronavirus kann Christian „Eddy“ Erpenbeck vorerst selbst nicht mehr am Virus erkranken und auch niemanden anstecken. Foto: Jonas Wiening

Als Christian Erpenbeck am 10. März gemeinsam mit seiner Frau Antje in den Skiurlaub nach Sölden fuhr, war die Vorfreude noch ungebremst. Schließlich wollte er dort am 13. März seinen 50. Geburtstag feiern. Das Coronavirus war da noch kein großes Thema. „In Sölden gab es bis zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Fälle – und auch in Deutschland war Corona noch kein wirkliches großes Thema“, erinnert sich „Eddy“ zurück. Und so genossen die Erpenbecks ihren Urlaub und feierten den 50. Geburtstag.

Zwei Wochen in Quarantäne

„Genau an meinem Ehrentag bekamen wir dann die Meldung, dass sich alle Österreich-Urlauber in eine zweiwöchige Quarantäne begeben sollen“, wenn sie wieder zu Hause sind. Als es dann sonntags, 15. März, mit dem Auto, wie geplant, zurück nach Warendorf ging, musste erst einmal genau geplant werden, wie die Quarantäne bewältigt werden sollte. Die beiden Kinder verließen das Haus, kamen bei dem Freund der Tochter in Füchtorf unter. „Beide kauften noch für uns ein, damit wir die zwei Wochen auch was zu essen hatten“, berichtet „Eddy“, der wie seine Frau Antje, zu diesem Zeitpunkt noch keine Symptome einer Krankheit zeigte. Bis Dienstag, 17. März. „Wir hatten beide ein leichtes Kratzen im Hals und etwas Husten. Normalerweise hätten wir das nicht weiter beachtet, wären von einer leichten Erkältung ausgegangen.“

Doch aufgrund des Österreich-Aufenthalts und des immer stärker aufkommenden Corona-Themas haben die Erpenbecks ihren Hausarzt kontaktiert. Dieser hat ihnen zu einem Corona-Test geraten. Nach einem Versuch, sich in Beckum testen zu lassen – dort waren allerdings keine Tests mehr möglich – konnte das Ehepaar im Uniklinikum in Münster den Test machen. Anschließend ging es zurück in die heimische Quarantäne.

„Und am Mittwochmorgen haben wir dann einen Anruf vom Gesundheitsamt des Kreises Warendorf bekommen, dass unsere Tests positiv sind.“ Es waren wohl die ersten positiven Corona-Befunde in der Stadt. „Es wurde zurück gerechnet, dass wir uns wohl genau an meinem Geburtstag angesteckt haben. Ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art, nimmt er es inzwischen mit Humor. Aus der freiwilligen Quarantäne wurde eine Pflicht. 

Geschmacks- und Geruchssinn verloren

Von der Stadt gab es viele Anweisungen, wie sich die Erpenbecks zu verhalten haben. „Zu dem Husten und dem Kratzen im Hals kamen dann noch etwas Kopfschmerzen und eine leichte Abgeschlagenheit hinzu. Außerdem habe ich komplett den Geschmacks- und Geruchssinn verloren“, erzählt „Eddy“. Seine Frau Antje hätte das auch gehabt, aber in leichterer Form. „Insgesamt war es aber nicht schlimm. Eher nur wie eine leichte Erkältung.“ Antje Erpenbeck konnte weiter im Home-Office arbeiten, Berufsfeuerwehrmann „Eddy“ war krankgeschrieben. „Genug Zeit zum Putzen der ganzen Wohnung“, erzählt der ehemalige Schützenkönig der Bürgerschützen und Vorsitzende des Gladbach-Fanclubs „Die Fohlen“.

Freunde und Bekannte wären unheimlich hilfsbereit gewesen, hätten zum Beispiel frische Brötchen vor die Tür gelegt. Die Kinder seien immer einkaufen gegangen. „Echt toll, wie hilfsbereit alle waren“, erzählt Erpenbeck und berichtet weiter: „Während der Quarantäne lernte man plötzlich wieder ganz normale Dinge zu schätzen.“ So seien Gespräche aus dem Dachfenster heraus mit Nachbarn auf der Straße kleine Highlights gewesen.

Quarantäne ist Geschichte

Seit Donnerstag, 26. März, ist die Quarantäne für „Eddy“ und Antje Erpenbeck Geschichte. Symptome hatten beide schon seit Montag keine mehr. Beide werden in den Statistiken jetzt als „Gesundete“ aufgeführt. „Endlich wieder rausgehen und dann noch ohne Bedenken“, freut sich „Eddy“, der jetzt, laut Experten vermutlich für zumindest einige Jahre, immun gegen das Coronavirus ist. „Ich kann es jetzt wohl erstmal nicht mehr bekommen und auch niemanden mehr anstecken“, ist der 50-jährige Warendorfer glücklich. An die Regeln, die es aktuell gibt, müsse er sich trotzdem noch halten. „Weiß ja kaum jemand, dass ich ein Gesundeter bin und kein Überträger des Virus mehr sein kann.“

Trotzdem würde sich „Eddy“ freuen, wenn es demnächst Ausweise – diese Überlegungen gibt es zurzeit in der Politik – für Gesundete gibt. „Dann könnte ich ohne Bedenken in Altenheime oder Krankenhäuser gehen.“ Als vom Coronavirus Geheilter könne er jetzt auch in vielen Bereichen helfen, glaubt er. Dem Uniklinikum Münster haben er und seine Frau auch schon Blutspenden angeboten – daraus können nämlich Antikörper für schwer Erkrankte gewonnen werden. Die Erpenbecks hoffen, dass die Krise bald vorbei ist. „Wenn wir im August wieder Schützenfest feiern könnten – das wäre super!“

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