Andreas Rohrbach ist Magnetfischer
Schrott an der Schnur

Lüdinghausen -

Während sich Angler freuen, wenn sie einen Fisch am Harken haben, wäre es Andreas Rohrbach lieber, er würde gar nichts mehr „fangen“. Der 52-Jährige ist Lüdinghausens erster und bislang einziger Magnetfischer. Seine Beute: alte Batterien, verrostete Nägel und auch mal ein Fahrrad. So möchte er Stever und Klutensee sauberer machen.

Dienstag, 07.04.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 20:03 Uhr
Er ist der erste und aktuell einzige Magnetfischer in Lüdinghausen: Andreas Rohrbach. Aus der Stever und dem Klutensee hat er schon allerhand Schrott herausgeholt.
Er ist der erste und aktuell einzige Magnetfischer in Lüdinghausen: Andreas Rohrbach. Aus der Stever und dem Klutensee hat er schon allerhand Schrott herausgeholt. Foto: Annika Wienhölter

Es ist ein sonniger Frühlingsnachmittag.Mit ordentlich Schwung wirft Andreas Rohrbach eine lange, blaue Schnur, deren eines Ende er zuvor am Brückengeländer befestigt hat, in die Stever. Ein lautes „Platsch“ ist zu hören, als das Seil mit dem schweren Magneten ins Wasser eintaucht. „Ich habe etwas erwischt“, ruft der 52-jährige Steverstädter. Behutsam, aber dennoch kraftvoll zieht er die Schnur wieder hinauf. Ein altes, verrostetes Vorhängeschloss kommt zum Vorschein. „Was die Leute alles in unsere Gewässer schmeißen – das ist unerhört“, kommentiert er das Geschehen und schüttelt kaum merklich den Kopf, während er seinen neuestes Fang in den Eimer legt, der neben ihm auf der Brücke steht. Darin hat er bereits allerhand Schrott gesammelt – ein paar Nägel, mehrere Batterien, eine Schaufel. Nur fünf Minuten habe es gedauert, all das an Land zu holen, erzählt der gelernte Tischler.

Seit Ende Januar liegt die Genehmigung vor

Rohrbach ist der erste und aktuell einzige Magnetfischer in Lüdinghausen. Seit Ende Januar liegt ihm die erforderliche Genehmigung vor, um mit einem Spezialmagneten auf Schrottsuche gehen zu dürfen. Bevorzugt fischt er von den Steverbrücken aus, aber auch aus dem Klutensee hat er bereits jede Menge Unrat gezogen. Neben viel Kleinkram – vom Kronkorken bis hin zu Messern und Gabeln – waren schon mehrfach Fahrräder dabei. Einmal, berichtet das langjährige Mitglied des Fischereivereins Lüdinghausen, habe er zusammen mit einem Freund sogar mal einen Motorradrahmen inklusive Auspuff am Seil gehabt. Weil das Teil „hammerschwer“ war, mussten er und sein Kumpel gleich mit mehreren Magneten ran – und ordentlich Kraft aufwenden. Als es derweil darum ging, einen Tresor zu bergen, waren sogar drei Männer erforderlich. „Das war ein Kampf“, erinnert sich Rohrbach und lacht. „Wir waren hinterher alle fix und fertig.“ Zumal der Safe mit Schlamm und Wasser gefüllt gewesen sei. „Leider nicht mit einem Schatz“, ergänzt der 52-Jährige augenzwinkernd.

Magnetfischer wollen Gutes für die Umwelt tun

Während Rohrbach erneut die Schnur ins Wasser wirft, fragt ein Junge, der so eben vorbeikommt: „Magnetfischen?“ Der erfahrene Angler nickt. Dass die Leute wissen, was er da so treibe, sei eher selten. Aber: „Viele bleiben stehen und lassen sich von mir erklären, was ich mache.“ Und dann seien sie erstaunt, welchen Schrott er dabei zu Tage fördert.

Ohnehin: „Am besten wäre, ich würde gar nichts mehr finden“, bringt Rohrbach auf den Punkt, worum es ihm und seinen Mitstreitern geht: „Wir tun Gutes für die Umwelt und die Tiere.“ Und auch für die Menschen. „Wenn sie den Fisch essen, nehmen sie die Schadstoffe schließlich ebenfalls zu sich“, erklärt der Experte.

Seinen Anfang hat das Magnetfischen in den Niederlanden genommen – „so 2015“, schätzt der Steverstädter. Er wiederum sei von einem Freund auf das Hobby gekommen. Was Rohrbach sich wünscht? „Ich möchte keine Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg finden – denn dann kann es gefährlich werden.“

Mehr Infos

Wer sich fürs Magnetfischen interessiert und es gerne einmal selbst ausprobieren möchte, kann Andreas Rohrbach eine E-Mail an andreas0105@hotmail.de schicken.

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