Ochtruper Wahrzeichen wird bei Balkonkonzerten gespielt
Die Nachtigall erobert Rom

Ochtrup/Rom -

Die Ochtruper Nachtigall erobert Rom. Das kleine Tongefäß erlangte jüngst durch seinen besonderen Klang in der Ewigen Stadt Berühmtheit. Ugo Martorelli spielt die Nachtigal bei privaten Balkonkonzerten. Einigen Ochtrupern dürfte der römische Reiseführer von Besuchen in Italiens Hauptstadt bekannt sein. Denn den Italiener verbindet eine lange Freundschaft mit Arnold und Norbert Hoppe. Die beiden Töpferstädter waren es übrigens auch, die die Nachtigall nach Rom brachten.

Freitag, 10.04.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 05:50 Uhr
Ugo Martorelli ist Reiseleiter in Rom. Er hat von der KAB Ochtrup als Gastgeschenk eine Nachtigall erhalten, die er bei den Corona-Balkonkonzerten in der Ewigen Stadt erklingen lässt.
Ugo Martorelli ist Reiseleiter in Rom. Er hat von der KAB Ochtrup als Gastgeschenk eine Nachtigall erhalten, die er bei den Corona-Balkonkonzerten in der Ewigen Stadt erklingen lässt. Foto: Maddalena Martorelli

Das kleine Tongefäß hat Wasser im Bauch. Das ist auch gut so, denn ansonsten wäre es vergebene Liebesmüh, ihm einen Ton zu entlocken. Die Rede ist von der Ochtruper Nachtigall. Sie ist in einem römischen Bezirk durch ihren Klang jetzt zu einer kleinen Berühmtheit geworden.

Im Zuge der Corona-Ausgangssperre treffen sich die Italiener abends auf ihren Balkonen, um gemeinsam zu singen und musizieren. Dies ist auch bei Ugo Martorelli der Fall. „Das Singen ist tatsächlich weniger geworden. Mittlerweile macht jeder seine eigene Musik. Wir auch. Mit dem, was gerade da ist, musizieren wir. Eben auch mit der Nachtigall“, erzählt er von den Abendkonzerten.

Aufsehen erregend

Das Tongefäß sei sehr laut und gebe Töne von sich, die man in Italien so nicht kenne – zumindest nicht als Instrument. Es eigne sich sehr gut, um Aufsehen zu erregen. Selbst Hund Chico stimmt dann ein.

Die KAB Ochtrup hat dem 44-Jährigen die Nachtigall überreicht. Die freundschaftliche Beziehung zwischen den Brüdern Arnold und Norbert Hoppe aus Ochtrup und dem Italiener hält schon seit über zwei Dekaden. Martorelli fungiert als Reiseleiter, wenn die Hoppes mit der KAB nach Rom reisen.

Als der Römer noch Lehrer war, führte er am Wochenende und in den Ferien Touristen durch seine Stadt. Irgendwann hat er sich entschieden, haupt- und freiberuflich Reiseleiter zu werden. Norbert Hoppe lernte ihn vor über 20 Jahren auf einer Pilgerreise mit dem Kreisdekanat kennen.

Als der Ochtruper mit seinem Bruder Arnold vor dem Pantheon saß, um die erste KAB-Reise nach Rom vorzubereiten, sah er Martorelli wieder. „Ugo kam auf uns zu und fragte, ob wir uns nicht kennen“, erinnert sich Norbert Hoppe. Seitdem begleitet der Römer die KAB regelmäßig bei den Fahrten in die Ewige Stadt. Die Reisegruppe bringt dem Italiener als Aufmerksamkeit immer eine Kleinigkeit als Gastgeschenk mit. Vor einigen Jahren war es eben die kleine Ochtruper Nachtigall.

Ausgangssperre

Die Ausgangssperre macht dem Römer und seiner Familie zu schaffen. Obst- und Gemüsemärkte bleiben geschlossen, Parks sind gesperrt. Es dauere Stunden, um in den Supermarkt hineingelassen zu werden. „Die sozialen Kontakte fehlen den Leuten sehr. Sie sagen, es mache sie krank, wenn sie nur zu Hause bleiben dürfen. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen und sind zuversichtlich.“ In der großen Familie sei immer etwas zu tun – nur eben auf eingeschränktem Raum.

Auch ihm sind sämtliche Aufträge weggebrochen. Eher zur Ablenkung als zur Vermarktung und um im Gespräch zu bleiben, dreht er von seiner Dachterrasse aus kleine Videos. Ugo Martorelli erzählt darin Geschichten zur Ewigen Stadt. Nicht nur auf Italienisch.

Affinität zur deutschen Sprache

Die Affinität zur deutschen Sprache fußt im späten Grundschulalter. Ugo Martorelli hätte eigentlich auf das zu seinem Wohnort am nächsten gelegene Gymnasium gehen müssen, sofern nicht außerordentliche Gründe vorlägen. Seine Mutter hatte jedoch gehört, dass es an dieser Schule ein Drogenproblem gäbe und deshalb für den Sohnemann eine andere Lehranstalt ins Auge gefasst. Als triftiger Grund reichte der Drogenverdacht nicht aus. Daher entschied der Familienrat, Ugo wolle Deutsch lernen. Dies wurde eben an der gewünschten Schule angeboten, eben nicht an der nächstgelegenen.

So nahm eine Sprachgeschichte ihren Lauf, die über ein Auslandssemester in Erlangen zu einer Liebes- und Familiengeschichte geführt hat, erzählt Ugo Martorelli: „Im Erasmussemester in Erlangen habe ich meine heutige Frau kennengelernt, die aus Stuttgart stammt. Wir haben zusammen sechs Kinder, die zweisprachig aufwachsen. Und zu Hause läuft auch deutsches Fernsehen.“

Ochtrup wird immer ein Platz im Haus Martorelli haben, da ist sich der 44-Jährige sicher. Neben der Nachtigall hat er weitere Ochtruper Andenken zu Hause, darunter Kerzen und Bücher über die Ochtruper Kirchen oder Hermann Scheipers‘ Gratwanderungen. Und natürlich die Freundschaft zu den Brüdern Hoppe.

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