Caterer kämpfen mit Umsatzausfällen
Imbiss kann nicht die Lösung sein

Gronau -

Caterer sind besonders stark von der Corona-Krise betroffen. Ohne Veranstaltungen sinkt ihr Umsatz auf Null. Daher versuchen die Unternehmen, sich mit kreativen Ideen über Wasser zu halten.

Freitag, 01.05.2020, 07:50 Uhr
Zum 1. Mai veranstalten die Azubis von Robert-Meyer-Catering das Projekt
Zum 1. Mai veranstalten die Azubis von Robert-Meyer-Catering das Projekt „Meyers Pick Up“. Foto: privat

Beim Ausbruch der Corona-Krise hatten sie nur mit erhöhten Auflagen zu kämpfen – doch mit dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens und den verhängten Kontaktsperren brach ihr Geschäft komplett weg. Bei den Caterern sank der Umsatz auf Null, die Kosten laufen weiter, und die Suche nach Auswegen ist problematisch.

„Wir sind keine klassischen Gastronomen“, stellt Robert Meyer klar. Im Gegensatz zu Gaststätten könne er deshalb auch keine Menüs für zwei Personen anbieten. „So können wir nicht effizient arbeiten.“ Den Betrieb beispielsweise in einen Imbiss umzuwandeln, wie es viele Gaststätten getan haben, in denen Mahlzeiten abgeholt werden können, sei sicher keine Lösung. Die Folge: Für einen Großteil seiner 80 bis 90 Beschäftigten gibt es aktuell nichts zu tun.

Weitergehen muss die Arbeit allerdings für die Auszubildenden in dem Unternehmen. „Die Stadthalle in Ahaus, das Eventcenter Vennekötter und auch hier im Gewerbegebiet in Epe sind mittlerweile allesamt auf Hochglanz gebracht – und außerdem brauchen unsere Auszubildenden ja auch sinnvolle Beschäftigungen“, berichtet Meyer und verweist auf ein Azubi-Projekt, dass am heutigen 1. Mai auf der Zielgeraden ist.

Firmensitz als Drive-In

Unter dem Motto „Meyers Pick Up“ verwandelt sich der Firmensitz am Königsweg 7 in Epe heute zu einer Art Drive-In, das die Kunden mit dem Auto, dem Fahrrad oder auch zu Fuß besuchen können.

Die sechs Auszubildenden aus den Bereichen Küche, Restaurantfach und Veranstaltungsmanagement haben – natürlich mit der Unterstützung ihrer Ausbilder – eine Karte konzipiert. Das Angebot reicht darauf vom Wagyu-Burger mit Fleisch aus der eigenen Aufzucht über eine vegetarische Variation, der Pulled Pork Pita bis hin zur Bratwurst im Brötchen und gekühlten Getränken. Diese konnten auf einer eigens angelegten Webseite in einem Shopsystem bestellt werden – inklusive der gewünschten Abholzeit.

 „Wir werden auch spontanen Kunden die Produkte anbieten“, ergänzt Meyer die Vorbereitungen seiner Schützlinge. Die müssten dann allerdings auf die Zubereitung warten – und natürlich den gebotenen Sicherheitsabstand einhalten. „Das ist nicht unser Kerngeschäft, aber die Azubis konnten sich in allen relevanten Bereichen aktiv einbringen.“ Dabei handele es sich um eine einmalige Aktion.

Keine Rückkehr in Sicht

Nach Antworten auf die Frage, wie es mit dem Geschäft weitergehen soll, sucht auch Claus Duesmann. In seinem Team befinden sich ebenfalls rund 90 Mitarbeiter, von denen der größte Teil derzeit nicht beschäftigt werden kann – und für ihn ist keine Rückkehr zum bestehenden Geschäft in Sicht. Egal ob die Veranstaltungs-Location „Duesmanns Spinnerei“ im Wirtschaftszentrum, das Café im Rock´n´Popmuseum oder Schulkioske: Alles ist derzeit geschlossen, der Partyservice mangels Veranstaltungen nicht gefragt.

Und auch in den Cafés ist die Nachfrage nur sehr begrenzt nach Backwaren. „Snacks auf der Hand und dazu einen Kaffee – in Homeoffice-Zeiten sind auch diese Produkte seltener gefragt“, beschreibt Duesmann seine Erfahrungen aus den vergangenen Wochen. „Wir sind den Kunden dankbar, die uns treu geblieben sind“, betont der Bäckermeister. Dass die seit Anfang der Woche vorgeschriebene Maskenpflicht für Kunden das Geschäft weiter beeinträchtigt, das befürchtet er nach den ersten Tagen der Neuregelung.

Mit Mundschutz feiern?

„Einen Mittagstisch zur Abholung anzubieten, das rechnet sich in der Gastronomie nur für Familienbetriebe“, verweist er auf Kalkulationen mit dem spitzen Bleistift – und passt seine Angebote an. „Früher haben wir Menüs nur für Gruppen ab zehn Personen angeboten, heute können wir diese schon ab vier anbieten“, verweist er auf freie Kapazitäten, die eine geringere Untergrenze ermöglichen. Auch bereitet er aktuell Pakete für Personen vor, die beispielsweise im kleinen Kreis zuhause einen Grillabend durchführen wollen.

„Die ersten drei Monate im Jahr sind bei uns traditionell die mit den geringsten Umsätzen“, plaudert Duesmann aus dem Nähkästchen. Weihnachtsfeiern sind vorbei, große Veranstaltungen stehen nur selten auf dem Programm und selbst Hochzeiten finden seltener statt. „Jetzt kommen eigentlich die Wochen, in denen wir die meiste Arbeit haben – aber die fällt in diesem Jahr komplett aus.“ Schließlich gebe es keine Rezepte, wie aktuell Veranstaltungen durchgeführt werden sollen. „Mit Mundschutz feiern, essen und trinken?“ Er schüttelt den Kopf. „Es weiß noch keiner, wann und wie es weitergeht.“ Und bis dahin ist er weiter auf der Suche nach Möglichkeiten, mit denen das Geschäft wirtschaftlich weiter betrieben werden kann.

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