Berufskollegschüler schreiben Prüfungen
Abschlusstests mit ausreichend Abstand

Lüdinghausen -

Wirklich keine Chance zu spicken haben die Schüler des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs: Wegen der Vorschriften zum Vermeiden der weiteren Coronavirus-Verbreitung schreiben sie ihre Abschlussprüfungen derzeit mit reichlich Abstand zwischen ihnen.

Dienstag, 05.05.2020, 08:08 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 14:48 Uhr
Auf Abstand: Die Schüler des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs lernen derzeit mit allerhand Platz sich und den anderen.
Auf Abstand: Die Schüler des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs lernen derzeit mit allerhand Platz sich und den anderen. Foto: Annika Wienhölter

Prüfungsphasen sind ohnehin aufregend – für Schüler und Lehrer gleichermaßen. Wenn das Wissen dann aber auch noch unter besonderen Bedingungen unter Beweis gestellt werden muss, wird‘s umso aufregender. In Corona-Zeiten ist das der Fall. Es gibt allerhand Vorgaben und Regeln, die eine weitere Virusverbreitung vermeiden sollen. Dennoch haben am Montag exakt 167 Schüler des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs (RvW) in Lüdinghausen ihre Fachhochschulreifeprüfungen geschrieben. Um den Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen ihnen einhalten zu können, hat das Kollegium sie auf 27 Räume verteilt.

Einbahnstraßen-Prinzip im Gebäude

„Zurzeit läuft es gut“, ziehen Schulleiterin Sabine Neuser und ihre Stellvertreterin Judith Tekstra eine erste Bilanz. Seit dem Donnerstag nach den Osterferien (23. April) tummelt sich nach den Komplettschließungen der Schulen wieder ein Teil der Schüler in dem Gebäude und auf dem Gelände – natürlich unter Einhalten gewisser Vorschriften. Im RvW gilt unter anderem eine Art Einbahnstraßen-Prinzip, damit sich die Wege nicht kreuzen. Die meisten Türen bleiben permanent offen, damit niemand die Klinken berühren muss. An den Ein- und Ausgängen stehen Spender für Desinfektionsmittel bereit.

Was Neuser und Tekstra aufgefallen ist: „Die Schüler sind sehr diszipliniert – auch in den Pausen.“ Apropos: Die Lehrer schicken die Schüler nun zu unterschiedlichen Zeiten an die frische Luft, damit nicht alle parallel draußen sind. Teilweise startet der Unterricht auch leicht versetzt: „Dann müssen nicht alle Jugendlichen den ersten Bus nehmen, sondern können auch später fahren“, erklärt Tekstra.

Schüler sehnen sich nach Normalität

Dass die Schüler sich nach einem Stück Normalität sehnen, erleben ihre Pauker immer wieder. Ein Elftklässler habe sogar schon angerufen und gefragt, ob es wirklich richtig sei, dass er noch zu Hause hocke, berichtet Neuser. Aber auch die Lehrer vermissten den Schulalltag. Selbst einige Kollegen, die nicht im RvW unterrichten dürfen, weil sie wegen ihres Alters, einer Vorerkrankung oder einer Schwangerschaft zur Corona-Risikogruppe zählen, lehrten aktuell von zu Hause aus per alternativer Unterrichtsformen. Videokonferenzen stünden bei ihnen hoch im Kurs. Von den 147 Lehrern am RvW zählen laut Tekstra rund 20 Prozent zur Risikogruppe.

Lehrer checken selbst am Wochenende E-Mails

„Mal gucken, wie es weitergeht“, blickt Neuser gespannt in die Zukunft. Ihre Stellvertreterin nickt. Die Beiden checken mittlerweile auch am Wochenende regelmäßig, ob neue E-Mails vom Ministerium in ihren virtuellen Postfächern eintrudeln. „Aber da bin ich inzwischen auch schon entspannter als noch zu Beginn der Corona-Krise“, erklärt Tekstra und lacht. Diesmal ist es Neuser, die ihrer Kollegin per Kopfnicken zustimmt.

In dieser Woche jedenfalls stehen erstmal weitere Abschlussprüfungen auf dem Stundenplan. Am morgigen Mittwoch (6. Mai) beispielsweise sind 309 Schüler an der Reihe. Aufgeteilt auf 45 Räume legen sie die letzten Meter auf ihrem Weg zu Kinderpflegern oder Sozialhelfern zurück. Und weil so viel Platz und Personal für die Prüflinge benötigt werden, bleiben andere Klassen morgen zu Hause. „Das geht nicht anders“, zuckt Tekstra mit den Schultern.

Kommen peu à peu immer mehr Schüler zurück ans Kolleg, werde es eng. „Dann müssen wir ein tageweise rollierendes System einführen“, mutmaßt Neuser. „Und verstärkt auf den digitalen Unterricht setzen. Zum Glück haben wir schon vorher mit einer Schulcloud gearbeitet.“ Das sei nun ein großer Vorteil für Schüler und Lehrer. Und obwohl der organisatorische Aufwand aufgrund der Corona-Pandemie enorm sei: „Es klappt besser, als gedacht.“

Tageweise rollierendes System

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