Gerichtsprozess
59-Jähriger wegen Verdachts auf Totschlag angeklagt

Borken -

Wegen der Tötung seiner ehemaligen Lebensgefährtin muss sich ein 59-Jähriger vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft plädiert auf Totschlag. Der Streit eskalierte in der Neujahrsnacht.

Donnerstag, 07.05.2020, 12:27 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 14:35 Uhr
Gerichtsprozess: 59-Jähriger wegen Verdachts auf Totschlag angeklagt
In Borken ereignete sich in der Nacht des Jahreswechsels ein Tötungsdelikt Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft Münster hat nach einem Tötungsdelikt in der Neujahrsnacht in Borken gegen einen 59-Jährigen Anklage wegen des Verdachts auf Totschlag erhoben. Er soll seine ehemalige Lebensgefährtin in ihrer Wohnung nach einem erst verbal geführten Streit zunächst geschlagen sowie gewürgt und dann mit einem Messer mehrfach auf die 52-Jährige eingestochen haben. Nachdem sich dieses Messer verbogen hatte, soll der Angeschuldigte ein anderes genommen und damit weiter zugestochen haben. An den Folgen der 29 Stichverletzungen sowie des Angriffs gegen den Hals verstarb sie noch in ihrer Wohnung.

Nach den Ermittlungen führten der Angeschuldigte und das spätere Opfer spätestens seit 2011 eine Beziehung. 2013 wurde die gemeinsame Tochter geboren. Die Beziehung war zuletzt offensichtlich sehr problembehaftet. Es kam zu mehreren Trennungen und Versöhnungen, weshalb der Angeschuldigte aus der gemeinsamen Wohnung wiederholt aus- und wieder einzog. Mitte November 2019 fasste die 52-Jährige einen erneuten Trennungsentschluss, gestattete dem Angeschuldigten aber zeitweise in der Wohnung zu übernachten. Möglicherweise beabsichtigte die Frau, die Beziehung zu einem anderen Partner aufzunehmen oder fortzusetzen.

Wohnungsschlüssel zurückgefordert

Am Silvesterabend soll der Angeschuldigte von seiner ehemaligen Partnerin den Wohnungsschlüssel zurückgefordert haben. Hierüber gerieten die beiden – nach vorherigem Alkoholkonsum - offensichtlich in einen Streit, in dessen Verlauf es zu der angeklagten Tat gekommen sein soll.

Während der Auseinandersetzung war die sechsjährige Tochter in der Wohnung. Es ist nicht auszuschließen, dass sie Einzelheiten der vorgeworfenen Tat mitbekommen hat. Sie befindet sich nach dem Ereignis - körperlich unverletzt - in familiärer Obhut. 

Filmriss nach Streit

Der Angeschuldigte hat in seiner polizeilichen Vernehmung angegeben, sich nur an einen Streit mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin erinnern zu können. Danach habe er einen sogenannten „Filmriss“.

 

Die Staatsanwaltschaft hat bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass der Angeschuldigte zum angeklagten Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig war. Der Angeschuldigte befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.

 

Das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.  

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