ICA Deutschland nimmt Produktion auf
Wöchentlich kommt Ware aus Italien

Metelen -

Der Umzug von ICA Deutschland nach Heek ist fast komplett abgeschlossen. Am neuen Standort im Peddenfeld läuft aber bereits die Produktion hochwertiger Lacke.

Freitag, 08.05.2020, 06:00 Uhr
Das Lager ist bereits gut gefüllt mit Rohlacken, die in der Metelener Produktion zu individuellen Farben, etwa für die Möbelindustrie, weiterverarbeitet werden.
Das Lager ist bereits gut gefüllt mit Rohlacken, die in der Metelener Produktion zu individuellen Farben, etwa für die Möbelindustrie, weiterverarbeitet werden. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Seit Ende Februar ist ICA Deutschland von Metelen aus für das gesamte Bundesgebiet zuständig. Zuvor hatte der Lackhersteller aus Italien seinen deutschen Sitz in Heek. Doch Platznöte standen Expansionsgedanken gegenüber. So fand ICA im Peddenfeld eine neuen Bleibe. WN-Redakteur Alex Piccin hat mit dem Geschäftsführer und Country Manager von ICA Deutschland, Luca Pennesi, über den Umzug in die Vechtegemeinde, die Pläne am neuen Standort und die Coronakrise gesprochen.

Der Neubau steht mittlerweile und ist weitgehend eingerichtet. Wie ist der Umzug verlaufen?

Luca Pennesi: Der Umzug ist sehr gut verlaufen. Wir sind im gesetzten Zeitrahmen geblieben. Seit dem 26. Februar sind wir operativ.

Gibt es noch offene Baustellen? Was muss noch gemacht werden?

Pennesi: Tatsächlich sind einige Arbeiten nicht rechtzeitig fertiggestellt worden. Daher sind einige Gebäudeteile einsatzbereit, bei anderen jedoch muss noch nachgearbeitet werden. Wir vertrauen darauf, dass im Mai alles erledigt ist. Die Maßnahmen gegen das Coronavirus haben die Fertigstellung der Arbeiten zusätzlich verzögert.

Ist die Produktion schon aktiv?

Pennesi: Ja, wir haben geöffnet und arbeiten. Viele unserer Kunden dürfen ihre Betriebe und Geschäfte ebenfalls öffnen und bestellen daher regelmäßig bei uns.

Wie haben Sie und die Mitarbeiter sich in Metelen eingelebt?

Pennesi: Die Akklimatisierung war schnell und ist sehr gut verlaufen. Wir haben einen Standort verlassen, der uns zu klein geworden war und kommen jetzt in einen Neubau mit großzügigen Räumlichkeiten und neuer Einrichtung. Leider sind wir noch nicht bei 100 Prozent abgekommen, da einige Dinge fehlen.

Zum Beispiel?

Pennesi: Die Kantine. Sie wird zusammen mit einer neuen Küchenausstattung im Mai geliefert.

Ende vergangenen Jahres hieß es, dass ICA in Metelen Arbeitsplätze schaffen möchte. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Pennesi: Derzeit sind in Metelen zehn Mitarbeiter beschäftigt. Wir sind umgezogen, weil wir in der jüngeren Vergangenheit sehr gewachsen sind und planen, dies weiter zu tun. Der neue Sitz in Metelen erlaubt es uns, unsere Kunden durch eine verbesserte Produktionseffizienz sowie größere Lagerkapazitäten besser zu bedienen. Daher ist vorgesehen, zukünftig weitere Mitarbeiter einzustellen.

Es wurden mehr als drei Millionen als Investitionsvolumen veranschlagt. Wie ist die Entwicklung des neuen Standorts bisher gelaufen? Wie groß ist mit Blick auf Corona die wirtschaftliche Gefahr?

Pennesi: Zum Ende hin haben wir die drei Millionen Euro nicht mehr halten können. Wie gesagt, sind die Arbeiten noch nicht ganz vollendet. Außerdem planen wir unseren Showroom. Darin sollen den Kunden unsere Produktpalette und die Neuigkeiten wahrnehmbar präsentiert werden – besonders im Bereich der Möbel. Der Showroom wird auch Ort zum Austausch sein und um gemeinsam neue Projekte anzustoßen. Sicherlich wird die Corona-Pandemie alle geplanten Tätigkeiten verlangsamen und uns nicht erlauben, im gesteckten Budgetrahmen zu bleiben. Doch wir sind zuversichtlich, dass der Regelbetrieb wieder aufgenommen wird. Daher bereiten wir uns vor, noch stärker als zuvor zu sein und wieder durchzustarten.

Sind die anderen Standorte in Europa und China in Betrieb? Wie ist dort die Situation?

Pennesi: Unser Hauptsitz in Italien arbeitet in eingeschränkter Form, da fast alle unserer italienischen Kunden ihre Aktivitäten einstellen mussten. Aus Italien beliefern wir allerdings fast alle unserer Kunden weltweit. In China ist das Werk Anfang März geschlossen worden, doch jetzt wurde dort der Betrieb wieder aufgenommen. Generell hat man den Rückgang in der ganzen Welt gespürt. Das wird eine gewisse Zeit lang wohl noch so bleiben.

Wie abhängig ist der Standort Metelen von Italien?

Pennesi: Aus Italien erhalten wir unser gesamtes Material, das wir entweder direkt weiterverkaufen oder zu Produkten verarbeiten, die dem Kundenwunsch entsprechen. Mit unseren Lagerbeständen in Metelen können wir zwei Monate lang produzieren beziehungsweise liefern. Wöchentlich bekommen wir Ware aus Italien.

Welche Anti-Corona-Maßnahmen hat ICA in Metelen getroffen?

Pennesi: In Metelen haben wir die gleichen Sicherheitsvorkehrungen wie in Italien, da wir ein italienisches Unternehmen sind. So haben wir bereits Ende Februar unsere Mitarbeiter mit Mund- und Nasenschutzmasken sowie Handschuhen ausgestattet. Ein Abstand von mindestens anderthalb Metern ist untereinander einzuhalten. Darüber hinaus ist ein Zwei-Schichten-System eingerichtet worden, damit sich die einzelnen Mitarbeitergruppen nicht vermischen und so eine mögliche Ansteckungskette verkleinern.

Am neuen Standort ist auch ein Labor eingerichtet worden. Könnte dieses auch zur Herstellung von zum Beispiel Desinfektionsmittel genutzt werden, so wie es derzeit Apotheken oder Brennereien machen?

Pennesi: In Italien produzieren wir tatsächlich Desinfektionsmittel, das wir Krankenhäusern, der Gemeinde Civitanova Marche oder dem Zivilschutz kostenlos zur Verfügung stellen. Davon haben wir etwas unter anderem auch nach Metelen geschickt. Hier das Mittel zu produzieren ist, glaube ich, nicht möglich. Dazu benötigt man spezielle Strukturen. Unser Labor in Metelen für die Produktion von Farblacken vorgesehen und ausgerichtet.

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