Busunternehmer Michael Schüttpelz protestierte mit
Keine Fahrten und keine Perspektive

Ahlen -

Mit zwei Bussen nahm der Ahlener Unternehmer Michael Schüttpelz am Donnerstag an einer Protestfahrt in Hamburg teil. Schüttpelz fühlt sich mit vielen seiner Kollegen von Politik und Medien vernachlässigt.

Samstag, 09.05.2020, 18:00 Uhr
Nahmen am Donnerstag an der Protestfahrt nach Hamburg teil:
Der Ahlener Unternehmer Michael Schüttpelz nahm an der Protestfahrt nach Hamburg teil. Foto: -

„Seit 9. März stehen unsere beiden Busse still. Das sind bis heute 13 Wochen Stillstand.“ Und das Schlimmste für den Ahlener Busunternehmer Michael Schüttpelz: „Wir haben keine Perspektive.“

Am Donnerstag setzte er seine beiden Reisebusse erstmals wieder in Bewegung: allerdings nur, um an einer Protestaktion in Hamburg teilzunehmen. Ursprünglich sollte die Fahrt nach Düsseldorf gehen, wurde aber kurzfristig nach Hamburg umgeleitet. Obwohl immerhin 130 Busse an der Demonstration beteiligt gewesen seien, hätten Medien und Öffentlichkeit kaum Notiz von der Protestaktion genommen: „Viele Branchen finden in den Medien Gehör, nur für uns und unsere Probleme interessiert sich kein Mensch“, ereifert sich Schüttpelz.

Wirtschaftliche Situation bedrohlich

Dabei sei die wirtschaftliche Situation äußerst bedrohlich. „Ich habe meine letzte Fahrt am 8. März gemacht“, erinnert sich der Unternehmer, der sich 2017 mit zunächst einem Bus selbstständig machte. Von dem bereits unterzeichneten Vertrag zum Kauf eines dritten Busses im März dieses Jahres habe er noch rechtzeitig zurücktreten können. „Was wir brauchen, um zu überleben, ist Liquidität“, fordert Michael Schüttpelz. Und das umgehend. Und bitte keine billigen Darlehen, denn die müssten zurückgezahlt werden. Und dafür fehle das Geld, auch wenn das Geschäft wieder anlaufe.

Noch aber weiß der Unternehmer gar nicht, ob es im Juni wieder für ihn losgeht, Die erste Fahrt zur Landesgartenschau nach Kamp-Lintfort ist für den 10. Juni terminiert. Aber ob sie stattfindet? „Wir haben längst Hygienekonzepte ausgearbeitet und vorgelegt“, versichert Schüttpelz. Die gingen über die erforderlichen Standards weit hinaus. In den Bussen hätten die Reisegruppen genug Platz. Und alle risikobehafteten Oberflächen würden regelmäßig desinfiziert, die Toiletten sowieso. „Bei uns können sich alle sicher fühlen.“

„Waffengleichheit“ mit der Schiene

Dennoch rühre sich die Politik nicht. Neben Liquiditätshilfen und einer konkreten Perspektive beanspruchen die Busunternehmen den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Aus Gründen der „Waffengleichheit“ mit der Schiene. Die Bundesregierung habe im Übrigen auch dem Gastgewerbe ab 1. Juli des Shutdowns wegen eine Mehrwertsteuersenkung eingeräumt, wenn auch nur für ein Jahr. Die Reisebusunternehmen seien in gleicher Weise betroffen. Zudem werde ihre Forderung auch von den Hoteliers unterstützt, denn die lebten zu einem beträchtlichen Teil vom Ausflugs- und Übernachtungsgeschäft.

Michael Schüttpelz hat auch ein paar allgemeine Zahlen bereit: 81 Millionen reisten jährlich mit dem Bus, davon seien 65 Millionen Tagesausflügler. In der Reisebusbranche seien direkt 42 000 Menschen beschäftigt, indirekt sogar 240 000. Brutto setze die Branche jährlich 14 Milliarden Euro um. Ihm selbst sei durch Corona bislang ein sechsstelliger Betrag durch die Lappen gegangen.

Protestfahrt abgebrochen

Genügend Gründe also, den bedrängten Unternehmen zur Seite zu springen. Leider seien diese Aspekte bei der Demo in Hamburg zu wenig zur Geltung gekommen, bedauert Michael Schüttpelz. Darüber hinaus habe die Polizei einen schlechten Job gemacht, und die Protestfahrt aus unerfindlichen Gründen zur Hälfte abgebrochen. Auch eine Kundgebung habe nicht stattgefunden.

Am kommenden Donnerstag wollen die Busunternehmer in Berlin demonstrieren. Dann bleiben die beiden zurzeit abgemeldeten Busse aus Ahlen aber in der Garage, denn ihr Besitzer ist nicht flüssig genug, um ständig privat durch die Gegend zu fahren. In Norddeutschland kennt man das Gesicht des Ahleners übrigens jetzt, denn Michael Schüttpelz gab dem Nachrichtenportal SHZ ein Interview für Youtube.

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