Initiative der Textilgruppe Warendorf
2000 Masken für den guten Zweck

Warendorf -

Rund 2000 Mundschutzmasken hat ein Arbeitskreis aus fast 50 Frauen genäht. Ein Teil der Masken ist an das Seniorenzentrum Eichenhof übergeben worden. Mit der Aktion verbindet sich auch eine Erinnerung an die Textilindustrie.

Sonntag, 10.05.2020, 10:27 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 11:00 Uhr
Einige der Näherinnen sind in dieser Collage abgebildet. Manchmal war an der Aktion sogar die ganze Familie beteiligt.
Einige der Näherinnen sind in dieser Collage abgebildet. Manchmal war an der Aktion sogar die ganze Familie beteiligt.

Mit der Resonanz hatte Sigfrid Krebse nicht gerechnet. Der Sprecher des Arbeitskreises Neue Emsinsel hatte dazu aufgerufen, Mundschutzmasken im Homeoffice zu nähen. „Letztlich haben fast 50 Frauen mitgemacht“, freute sich Krebse bei der Übergabe eines Teil der Masken an das Seniorenzentrum Eichenhof. Pflegedienstleiterin Susanne Dierkes bedankte sich für diese Unterstützung. Die Masken seien sehr angenehm zu tragen, versicherte sie, auch und gerade bei Dauerbelastung, da sie sehr atmungsintensiv seien. Gleichzeitig hob Susanne Dierkes hervor, dass das Altenheim und seine Bewohner und die rund 80 Mitarbeiter in diesen Tagen von vielen Seiten Unterstützung erfahre.

Zuvor waren bereits Masken an das Altenheim in Freckenhorst, an die Kirchengemeinde sowie an das Frauenhaus übergeben worden.

Sigfrid Krebse erinnerte daran, dass es eine Zeit intensiver Textilproduktion in Warendorf gegeben habe. „Die Gruppe der Masken-Näherinnen macht in besonderer Weise auf eine dort arbeitende Gruppe aufmerksam“, sah Krebse in der Aktion auch einen Faden der Erinnerung an die Vergangenheit. „Der gedankliche anstoß zum Mundschutzprojekt: Die 170-jährige Textilgeschichte in Warendorf lebt weiter. Lebendige Tradition in einem Denkmalbereich der ehemaligen Textilfirma Brinkhaus/Warendorf, die schon mal 1000 Mitarbeiter beschäftigt hat, unter anderem Näherinnen, Weberinnen und Färberinnen“, erinnerte Sigfrid Krebse. „Diese Maßnahme bedeutet Leben und Tradition. Die Teilnehmer waren aus allen Altersschichten und hatten Freude daran, Menschen zu helfen und an die Vergangenheit von Warendorf zu erinnern.“

 Das Motto hätte auch lauten können: „Wir nähen für die damaligen textilen Mitarbeiter, die heute noch unsere Zeitzeugen sind.“

Das Maskenprojekt sei aktuell abgeschlossen, „aber die Gruppe bleibt zusammen und plant schon ein neues Projekt“, wollte Karl-Josef Ludorff, Sprecher der Textilgruppe Brinkhaus/Warendorf, noch nicht weiter ins Detail gehen.

Der Aufruf habe viele Frauen aus Warendorf und zum Teil darüber hinaus angesprochen. Die Aktion sei auch ein Beitrag gegen die Maskenknappheit. „Wir wollten helfen, dass die angeordnete Grundregel ,Nicht ohne Mundschutz‘ im Alltag überhaupt befolgt werden kann.“ Für die Materialien habe sich ein Großsponsor gefunden. Umschlagstelle für alles, was zum Nähen benötigt wurde, war die Praxis der Kunsttherapeutin Petra Schürmann, Brede 7.

„Auf der Brede fanden wir für die Zeit Textilräume. In Abständen wurden Termine verabredet, um die Stoffe abzuholen. Die Rückgabe fand meistens auf der Düsternstraße 21 statt. Dort stand eine Box, aus der man Stoffe und Zubehör entnehmen konnte. Die Fertigteile wurden zurückgegeben“, erläuterte Ludorff das im Prinzip kontaktlose Verfahren.

Und dann formuliert Sigfrid Krebse einen klaren Wunsch – ein Textilcafé auf der grünen Insel in der Warendorfer Emsaue. Das wäre eine Würdigung der ehemaligen Produktionsstätten für die Textilien, die teilweise schon denkmalgeschützt, der Rest zumindest denkmalwert seien – etwa als Standort für ein kulturelles Bürgerzentrum.

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