Verkäufe an Gastronomie fehlen
Corona lässt Spargelernte einbrechen

Münster/Bonn -

Die Wachstumsjahre beim Spargelanbau sind offenbar vorbei: Auch wegen der Schwierigkeiten aufgrund der Corona-Krise rechnen Experten mit einer deutlich geringeren Ernte.

Montag, 01.06.2020, 18:26 Uhr aktualisiert: 01.06.2020, 18:39 Uhr
Verkäufe an Gastronomie fehlen: Corona lässt Spargelernte einbrechen
Leiharbeiter stechen Spargel. Foto: imago images/Michael Weber

Die Spargelbauern in Nordrhein-Westfalen leiden unter der Co­rona-Krise. Nach Angaben der Agrarinformationsgesellschaft (AMI) dürfte die Spargelernte in diesem Jahr um 30 Prozent unter der des Vorjahres liegen. Bundesweit werden nach diesen Berechnungen 98 000 Tonnen geerntet werden, 2019 waren es noch 122.000 Tonnen. Der Hauptgrund: Die geringe Nachfrage durch die Gastronomie, die aufgrund der Pandemie-Verordnung geschlossen war. Dieser Absatzzweig macht für die heimischen Anbaubetriebe beim Spargel derzeit ein Drittel des Verkaufs aus.

„Die privaten Verbraucher fragen zwar auch in diesem Jahr mehr Spargel nach, doch dies kann das Minus durch die Gastronomie nicht ausgleichen“, sagt Michael Koch, Sprecher der AMI mit Sitz in Bonn. Die Preise haben sich nach einem sehr hohen Niveau von Mitte April – damals lag der Kilopreis für Spargel aus heimischer Ernte im Schnitt um 40 Prozent über dem Vorjahresniveau – wieder eingependelt. Laut AMI musste man für das Kilo im Durchschnitt knapp sieben Euro zahlen.

Im Direktverkauf ist der Spargel in der Regel deutlich teurer: Wer Spargel direkt auf dem Hof kauft, muss für gute Ware zum Teil über zwölf Euro zahlen. Dennoch stehen viele heimische Betriebe auch im Münsterland vor wirtschaftlich großen Herausforderungen: Zum einen schlägt sich die Dürre der vergangenen Jahre auf die Erntemenge und Qualität nieder.

Schwierige Situation auch für Kartoffelbauern

Zum anderen würden die Betriebe viel Geld dafür bereitstellen müssen, um überhaupt Spargel anbauen zu können. Dies gilt aber auch für andere Gemüsebauern im Rheinland, wo viele Betriebe infolge der ausbleibenden Niederschläge gerade um eine gute Apfel- und Weinernte fürchten müssen. „Dazu kommen in diesem Jahr natürlich die hohen Aufwendungen, um Erntehelfer ins Land holen zu können.

Die Betriebe müssen die Flugkosten für manchmal Hunderte Saison-Arbeitskräfte zahlen. Auch die durch die Hygiene-Anforderungen gestiegenen Auflagen für die Unterbringung der Ernte­helfer kosten natürlich viel Geld“, sagt ein Landwirt­schaft­s­­experte.

Schwierig ist auch die Situation vieler Kartoffelbauern. Durch die wochenlange Schließung der Gastronomie blieben große Mengen an Fritten-Kartoffeln in den Lagern liegen. „Etliche Erzeugerbetriebe sitzen auf großen Mengen Lagerware, die nun nicht mehr weggehen“, sagte Bernhard Rüb, Sprecher der NRW-Landwirtschaftskammer.

Diese Lockerungen schlägt der Bund zum 6. Juni vor

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  • Eine Beschlussvorlage aus Angela Merkels Kanzleramt wird am Montag in einer Telefonschalte zwischen Bund und den Staatskanzleichefs der Länder diskutiert. Grundsätzlich sollen die Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juli verbindlich in Kraft bleiben. Vorgesehen sind jedoch einige Lockerungen ab dem 6. Juni:

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  • Mindestabstand: In der Öffentlichkeit soll weiterhin der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden.

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  • Auch die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes soll in bestimmten öffentlichen Bereichen weiter gelten. Abstands- und Hygieneregeln müssten „so lange in das Alltagsleben integriert bleiben, wie die Pandemie nicht durch einen Impfstoff oder ein Heilmittel überwunden ist“, heißt es in dem Papier.

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  • Verschärfungen möglich: Wo es die Infektionszahlen erfordern, sollten weitergehende Kontaktbeschränkungen erlassen werden.

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  • Private Treffen: Maximal zehn Menschen oder Angehörige zweier Haushalte sollen sich in der Öffentlichkeit oder zu Hause treffen dürfen. Hygiene- und Abstandsregeln seien weiter zu beachten.

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  • Sind die Räume zu Hause zu klein, sollten sich nur so viele Personen versammeln, dass die Schutzregeln eingehalten werden können. Der Raum sollte ausreichend gelüftet werden. Wegen des deutlich geringeren Infektionsrisikos sollte man sich aber nach Möglichkeit im Freien verabreden.

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  • Der Personenkreis, mit dem man Kontakt hat, sollte möglichst klein und konstant gehalten werden. Das gelte vor allem für Kinder, bei denen die Schutzmaßnahmen oft nicht konsequent umgesetzt werden könnten.

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  • Veranstaltungen und Versammlungen mit eigenem Hygienekonzept seien separat zu betrachten.

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