Rad-Express-Route nach Münster
Warten auf den Velo-Komfort

Everswinkel/Münster -

Immer noch ist die Strecke eine Herausforderung für Mensch und Material. Die Fahrt auf dem Radweg von Alverskirchen nach Wolbeck ist für den Radfahrer kein Vergnügen. Durchgerüttelt, und im schlimmsten Fall ein Sturz. Dabei soll die Strecke eine sehr komfortabel werden, denn sie ist Teil des Velo-Routen-Konzeptes. Aber das zieht sich in die Länge. Seit vier Jahren wird daran gearbeitet, jetzt geht es auch um die Strecke Everswinkel-Alverskirchen-Münster – aber zunächst mal nur auf Münsteraner Stadtgebiet.

Mittwoch, 03.06.2020, 08:15 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 09:17 Uhr
Für Radler ist der Streckenteil entlang der K3 von Alverskirchen nach Wolbeck aufgrund der Buckel und Schäden eine Zumutung. Mit dem Velo-Routen-Standard wird‘s wohl noch nichts dieses Jahr.
Für Radler ist der Streckenteil entlang der K3 von Alverskirchen nach Wolbeck aufgrund der Buckel und Schäden eine Zumutung. Mit dem Velo-Routen-Standard wird‘s wohl noch nichts dieses Jahr. Foto: Klaus Meyer

An dem Ritt über die „Buckelpiste“ hat sich noch nichts geändert. Mehr als 300 Buckel und Schlaglöcher machen die Strecke von Alverskirchen nach Wolbeck zu einer Teststrecke für Mensch und Material, haben Mitglieder der Everswinkeler Grünen-Fraktion mal bei einer Befahrung ausgerechnet. Zwischenzeitlich wurde ausgebessert, Asphaltstücke machten Pflasterstücken Platz, um die von Baumwurzeln verursachten Wegschäden zumindest auszubessern. Man wartet aber weiter auf die große Lösung. Und die heißt „Velo-Route“.

Alternative zum Auto

In der Stadtregion Münster soll es einmal 14 Velo-Routen geben, die die Innenstadt Münsters mit den Außenstadtteilen und den angrenzenden Umlandgemeinden wie eben auch Alverskirchen und Everswinkel verbinden. Sie sollen komfortabel, durchgängig befahrbar, zügig und sicher sein und gerade Alltagspendlern damit eine echte Alternative zum Auto bieten. Ein Thema ist diese spezielle Verkehrsplanung nun aber auch schon seit vier Jahren. Wurde zunächst die Realisierung von einigen priorisierten Velo-Routen angestrebt, folgte später der Strategie-Schwenk, alle Strecken gleichzeitig anzuschauen und jeden Meter Ausbau als hilfreich fürs Gesamtprojekt zu betrachten.

Radwege sollen verbessert werden

Man sei bemüht, das Thema am Laufen zu halten, aber die Vitus-Gemeinde ist nicht in der Rolle des Regisseurs bei dieser Geschichte, wie Bau- und Planungsamtsleiter Norbert Reher bestätigt. Ziel der Gemeindeverwaltung sei es, die Radwegesituation zwischen Alverskirchen und Wolbeck spürbar zu verbessern und nicht nur Schäden zu beseitigen. „Wir würden uns freuen, wenn nicht nur geflickt und saniert wird, sondern gleich neu gebaut würde.“

Baulich sehe ich das derzeit nicht in diesem Jahr.

André Hackelbusch, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Straßenbau des Kreises Warendorf

Das passiert andernorts inzwischen. Nachdem auf der Veloroute Münster–Telgte über Handorf bereits die ersten Bauarbeiten begonnen haben und dort in diesem Jahr sechs weitere Kilometer fahrradfreundlich ausgebaut werden, geht es nun auf vier weiteren Velorouten in die entscheidende Planungsphase mit grundlegenden Richtungsentscheidungen. Laut Stadtverwaltung Münster liegen für die Routen nach Alverskirchen/Everswinkel, Altenberge, Ascheberg und Senden detaillierte Variantenuntersuchungen vor, die als  Grundlage für den künftigen Trassenverlauf dienen sollen (einzusehen auf der Homepage des Amtes für Mobilität und Tiefbau). Die Varianten-Untersuchung Everswinkel-Münster umfasst stolze 55 Seiten – und das nur für den Streckenverlauf auf Münsteraner Gebiet, für den je nachdem 7,3 bis 8,2 Millionen Euro prognostiziert sind.

Routenverläufe

Der Routenverlauf auf Everswinkeler Gebiet ist dagegen klar. Zuständig für die Strecke entlang der Kreisstraße 3 ist der Kreis. Der Teilabschnitt zwischen Alverskirchen und Wolbeck umfasst etwa 2,5 Kilometer. Die Verhältnisse auf Münsteraner Gebiet „sind deutlich anders“, sagt André Hackelbusch, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Straßenbau des Kreises Warendorf. Münster habe ein Unternehmen beauftragt, Varianten zu untersuchen, was möglich sei. Dazu sollen dann auch die Bürger mit ins Boot geholt werden, bevor es an den Grunderwerb und ans Bauen gehe.

In Alverskirchen geht es dagegen um eine schnurgerade Strecke. Die Frage ist nur, wo sie letztendlich liegen wird: Weiter an der rechten Seite, angehoben und auf drei Meter verbreitert bei Verrohrung des Grabens oder verlegt auf die linke Seite der Straße. 1,5 Millionen Euro hat der Kreis für jene 2,5 Kilometer zunächst mal kalkuliert. Bei der Bezirksregierung wurde ein Antrag auf Fördermittel gestellt, gegebenenfalls können auch andere Töpfe angezapft werden. Der Kreis möchte, so betont Hackelbusch, bei den Velo-Routen „als Partner natürlich mitarbeiten“, so wie es bei der Route Münster-Handorf-Telgte auch schon geschehe.

Einschätzung für 2020

„Wir stehen jetzt in den Startlöchern für den Grunderwerb“, sagt Hackelbusch. Der wünscht sich, alle betroffenen Grundeigentümer überzeugen zu können für die zukunftsweisende Radroute nach Münster, und einen konfliktfreien freihändigen Erwerb – „das wäre optimal“. Einig sind sich Hackelbusch und Reher in der Einschätzung, dass an der Velo-Route zwischen Alverskirchen und Wolbeck in diesem Jahr wohl nicht mehr gebaut wird.

Velo-Routen: Planungsstand in Münster

Ann-Kathrin Tassemeier, Projektkoordinatorin und zuständige Planerin im münsterischen Amt für Mobilität und Tiefbau, wirbt für die Beteiligung der Bevölkerung hinsichtlich des Routenverlaufs auf Münsteraner Stadtgebiet: „Wir können von den Ortskenntnissen und täglichen Erfahrungen doch nur profitieren. Wenn wir Velo-Routen bauen wollen, die später auch tatsächlich von Alltagsradlern genutzt werden, ist eine Beteiligung der potenziellen Nutzer bei der Trassenfindung unerlässlich.“ Um sich einen genauen Eindruck der Örtlichkeiten und der jeweiligen Vor- oder Nachteile der Routen-Varianten zu verschaffen, empfiehlt Tassemeier individuelle Befahrungen: „Für Rückfragen zum Routen-Verlauf, zu ersten Analyseergebnissen und Planungsideen stehen wir gerne zur Verfügung.“ Zur Velo-Route Münster-Everswinkel sind Anregungen bis zum 15. Juni möglich. Alle Informationen zu den Velo-Routen finden sich auf der Homepage des Amtes für Mobilität und Tiefbau.

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