Unterschiedliche Ansichten zur Pflegesituation in Ascheberg
Bedarfsgerecht oder mangelhaft?

Ascheberg -

Von einem eklatanten Mangel in Sachen Pflegesituation sprach die SPD-Fraktion in der jüngsten Sitzung des Jugend-, Senioren-, Sozial- und Sportausschusses. Den sieht sie bei pflegerischen Dienstleistungen, vor allen Dingen im stationären und teilstationären Bereich im Südkreis. Es gelte, den Bedarfsplan des Kreises für Ascheberg zu konkretisieren. In dem Gremium blieben die Sozialdemokraten mit dieser Einschätzung allerdings alleine.

Montag, 08.06.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 18:02 Uhr
Das Altenheim St. Lambertus wird bei einem Neubau, der im unteren Bereich des Bildes entstehen soll, von bisher 51 auf 72 Pflegeplätze wachsen.
Das Altenheim St. Lambertus wird bei einem Neubau, der im unteren Bereich des Bildes entstehen soll, von bisher 51 auf 72 Pflegeplätze wachsen. Foto: hbm

Der Blick auf die Situation der Pflege in der Gemeinde Ascheberg ist unterschiedlich. Verwaltung und ein großer Teil des Rates sind sich einig, dass die Gemeinde die Hand am Puls der Pflegesituation hat. Die SPD-Fraktion spricht hingegen von einem eklatanten Mangel bei pflegerischen Dienstleistungen, vor allen Dingen im stationären und teilstationären Bereich im Südkreis. Die Sozialdemokraten forderten darum im Jugend-, Senioren-, Sozial- und Sportausschuss, dass die Gemeinde den Bedarfsplan des Kreises für Ascheberg konkretisiere, denn ein „Weiter so“ auf dem Rücken der pflegenden Angehörigen dürfe es nicht geben.

„Der Antrag hat sich längst überholt. Wir sind gut aufgestellt“, hielt Maximilian Sandhowe (CDU) dem Antrag entgegen. Er zitierte aus dem Bedarfsplan des Kreises, dass es in Herbern 60 Plätze im Malteserstift St. Benedikt gebe, dazu ein Dutzend in einer Wohngruppe, ein weiteres Dutzend sei im Bau. In Ascheberg werde das Altenheim von 50 auf 72 Plätze erweitertet, wenn der Neubau stehe. In der Gemeinde seien zehn Pflegedienste tätig, die alle „genug zu tun haben, aber alle Menschen, die einen Pflegedienst suchen, finden auch einen“.

Fachbereichsleiter Thomas Stohldreier ergänzte, dass in Ascheberg aus zwölf Tagespflegeplätzen beim Aufstellen des Bedarfsplans inzwischen 28 geworden seien, in Herbern „ist ein Angebot auf einem guten Weg“. Der Verwaltungsmann verwies auf den runden Tisch zur Pflege, der ein erstes Mal getagt hat und jährlich tagen soll: „Dort werden alle Fakten, auch die Sorgen, zusammengetragen.“ Das Instrument habe sich als Pulsmesser der Lage in der Pflege gezeigt: „In der Runde, die wir erweitern, werden wir früh auf weitere Bedarfe hingewiesen.“ Mit der aufsuchenden Pflegeberatung, die beschlossen sei, werde es bald einen zweiten Frühindikator geben.

Die Schwachpunkte in der Pflege sind durch den Bedarfsplan benannt: In Davensberg gibt es keine Möglichkeit. Dort arbeitet die Gemeinde an einer Wohngruppen-Lösung, bisher ohne Ergebnis. Keine Idee gibt es bisher, wie die stationäre Kurzzeitpflege in der Gemeinde verbessert werden kann. „Das ist kein Zustand, wenn Angehörige in der Gemeinde keinen Platz finden“, erklärte Karl-Heinz Bartsch, Vorsitzender des Seniorenbeirates. „Es liegt leider nicht in unserer Hand. Alle Einrichtungen berichten uns, dass Kurzzeitpflegeplätze nicht zu finanzieren sind. Da müssen Bund und Land etwas ändern“, erklärte Stohldreier.

Hans-Werner Schlottbohm (UWG) monierte, dass die durch einen SPD-Antrag ausgelöste Diskussion nichts Neues gebracht habe. Trotzdem beharrte die Fraktion auf einer Abstimmung. „Wir müssen Ziele definieren, weil das Angebot nicht reicht“, forderte Vorsitzender Volker Brümmer. Das sahen aber nur die drei SPD-Mitglieder des Fachausschusses so.

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