Gestaltung am Kanal zieht sich hin, ist aber:
„Ein absoluter Gewinn für Senden“

Senden -

Ein Mammutprojekt, das mit einem Ideenwettbewerb im Jahr 2015 begann, ist jetzt so gut wie fertiggestellt: der Stadtplatz am Kanal mit der Uferpromenade. Damit wurde der Abschnitt von der B 235-Brücke bis zur Marienkapelle am Schloss deutlich aufgewertet. Die Gesamtkosten lagen bei rund 2,7 Millionen Euro.

Dienstag, 09.06.2020, 17:42 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 17:42 Uhr
Freigabe des Stadtplatzes am Kanal am Dienstag: Bürgermeister Sebastian Täger (v.l.), Projektleiter Marcus Thies, Architekt Martin Diekmann, Vorsitzender des Gemeindeentwicklungsausschusses. Gerd Gebauer und Sachgebietsleiter im Planungsressort, Carsten Busche.
Freigabe des Stadtplatzes am Kanal am Dienstag: Bürgermeister Sebastian Täger (v.l.), Projektleiter Marcus Thies, Architekt Martin Diekmann, Vorsitzender des Gemeindeentwicklungsausschusses. Gerd Gebauer und Sachgebietsleiter im Planungsressort, Carsten Busche. Foto: di

Die Lage an einer Wasserstraße ist ein Pfund, mit dem die Gemeinde Senden wuchern kann. Was mit dem „Stadtplatz am Kanal“ samt Terrassen und der Uferpromenade auch gelingt. Warum sich das Projekt von der Idee bis zur Realisierung länger als erwartet hingezogen hat und welche Perspektiven sich eröffnen, darüber sprach WN-Redakteur Dietrich Harhues mit Bürgermeister Sebastian Täger.

 

Der Gestaltungswettbewerb zum Hafenplatz / Kanalpromenade wurde 2015 durchgeführt. Warum dauerte es rund fünf Jahre, bis das Projekt jetzt so gut wie fertiggestellt worden ist?

Täger: Das lag vor allem an zwei Ausschreibungen, die aufgrund unwirtschaftlicher Angebote wiederholt werden mussten, sowie an der aufwendigeren Sicherung und Überplanung der Spundwand. Außerdem wurde bei der Ausführung festgestellt, dass die vorhandene Ufermauer nicht mehr standsicher war und abgebrochen werden musste. Bei der Spundwand und der Ufermauer mussten die Planungen geändert und mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt sowie dem Fördermittelgeber zunächst abgestimmt werden.

Wieso kam es zu einem Wechsel in der Reihenfolge bei der Abfolge der Arbeiten an Uferpromenade, Kanalterrassen und Hafenpark auf der einen und dem Schmutzwasser-Düker auf der anderen Seite? Ist dadurch nicht viel Zeit ver-loren gegangen?

Täger: Die Planung und statische Berechnung für die Überbauung der Spundwand hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Deshalb wurden die Arbeiten an der Promenade vorgezogen. Nach der Sicherung der Spundwand und Verlegung der Fertigteile sollte ursprünglich der Schmutzwasserdüker gebaut werden. Allerdings wurde nur ein An-gebot eingereicht, das zudem unwirtschaftlich war, worüber die WN auch berichteten. Dies hat zu einer größeren Baupause von Juli bis November 2019, allerdings auch zu einer Kostenersparnis im Gebührenhaushalt in Höhe von 340 000 Euro durch die zweite Ausschreibung geführt. Diese Verzögerung war ärgerlich, aber die hohen Kosten wären absolut nicht vertretbar gewesen. Seit November liegen die Arbeiten aber im Zeitplan.

Wie hat sich die Finanzierung entwickelt: Wie hoch ist der Eigenanteil der Ge-meinde inzwischen, welchen Betrag sah die erste Planung vor?

Täger:  Die Umgestaltung ist Teil des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes mit einem Gesamtvolumen von 14,12 Millionen Euro. Die Gesamtkosten der Maßnahme Hafen-platz/Hafenpromenade belaufen sich auf rund 2,6 Millionen Euro, hiervon werden 50 Prozent gefördert in Form von 1,3 Millionen Euro Städtebauförderung. Die ursprüngliche Planung aus 2016 sah hingegen noch einen Ansatz von rund 1,5 Millionen Euro vor. Die Mehrkosten sind auf die erwähnte Spundwandsicherung sowie gestiegene Baukosten zurückzuführen. Weiterhin waren der Kauf und die Umgestaltung des Gartengrundstückes (Intarsie) ursprünglich nicht vorgesehen. Diese Mehrausgaben konnten jedoch durch Minderausgaben aus dem ISEK 2015/2016 von rund 550 000 Euro sowie aus einer zusätzlichen Förderung in 2020 in Höhe von 590 000 Euro finanziert werden.

Der Kanal erfreut sich bei gutem Wetter sehr hoher Beliebtheit. Bleibt auch weiter-hin die Möglichkeit für die jüngere Generation, im Bereich zwischen B 235-Brücke und dem Beginn der Konrad-Potts-Allee einfach mal zu „chillen“?

Täger: Ein wesentliches Ziel dieser Maßnahme war die Aufwertung des gesamten Kanalbereichs sowie die Erhöhung der Aufenthaltsqualität. Natürlich soll man hier auch „chillen“ und diesen Bereich nutzen dürfen. Ich hoffe, dass es ein attraktiver Platz für Jung und Alt wird. Die Bevölkerung musste sich hier lange gedulden. Das tut mir leid. Aber ich danke auch allen Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, die daran mitgewirkt haben, dass unter den schwierigen Bedingungen diese Maßnahme nun (fast) zum Ende gebracht werden konnte. Es war ein ambitioniertes Bauprojekt mit vielen Tücken. Die realisierte Planung des Architekten Diekmann kann sich sehen lassen und ist ein absoluter Gewinn für unseren Ort.

Der Hafenplatz soll als Scharnier dienen, um gerade auch auswärtige Besucher in den Ortskern zu leiten. Gelingt das noch in vollem Umfang oder lassen sich einzelne Komponenten dieser Planung nicht mehr realisieren, weil die ISEK-Mittel schon ausgeschöpft sind?

Täger: Ziel und politischer Konsens ist es weiterhin, durch die Umgestaltung der Baken- und der Münsterstraße eine attraktive Verbindung zum neu gestalteten Ortskern zu schaffen. Das gelingt unter anderem durch das Betonband, das von allen Seiten auf den Platz und von dort über die Bakenstraße in den Ort führt. Eine entsprechende Beschilderung wird dieses begleiten. Voraussichtlich Anfang Juli wird die Intarsie im Platz fertigge-stellt. Anschließend soll im Herbst die Umgestaltung der Bakenstraße beginnen.

Wäre es nicht erstrebenswert, das Thema Gastronomie, das nach erfolglosen Versuchen zu den Akten gelegt worden ist, jetzt in Form von neuen Konzepten wieder auf die Agenda zu setzten – etwa durch temporäre mobile Angebote oder einer „Beach“, bei denen die örtlichen Wirte gemeinsam auftreten könnten?

Täger: Darüber kann man sicherlich nachdenken.

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