Gutachter-Streit
Gepfändeter Mops beschäftigt Oberlandesgericht Hamm

Hamm/Ahlen -

Im Namen der Pfote: Jetzt muss sich auch das Oberlandesgericht in Hamm mit Mops Edda aus Ahlen beschäftigen. Weil es im Schadenersatz-Prozess um das Tier Streit um einen Gutachter gibt, wird die nächste Instanz eingeschaltet.

Mittwoch, 10.06.2020, 07:32 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 07:43 Uhr
Gutachter-Streit: Gepfändeter Mops beschäftigt Oberlandesgericht Hamm
Die Mops-Hündin «Edda» Foto: Guido Kirchner/dpa

Ein Mops namens Edda hält die Justiz auf Trab: In den Streit um das gepfändete und bei Ebay-Kleinanzeigen verkaufte Tier wird nun auch das Oberlandesgericht (OLG) Hamm einbezogen. Weil die neue Besitzerin einen Gutachter für befangen hält, muss das OLG entscheiden, wie es mit der Verhandlung am Landgericht Münster weitergeht.

Die „Akte Mops“

Damit bekommt bereits das dritte Gericht die „Akte Mops“ auf den Tisch. Ursprünglich hatte der Anwalt der Hundekäuferin die Stadt Ahlen vor dem dortigen Amtsgericht verklagt. Unter anderem wegen des hohen Streitwerts von rund 20 000 Euro ging der Fall vor das Landgericht Münster. Dort legte ein Experte sein Gutachten vor, in dem er Möpse als eine „der am schwersten von Qualzucht betroffenen Rassen“ bezeichnete. Der Erwerber eines Mopses könne daher nicht davon ausgehen, dass sein Hund gesund sei.

Mops "Edda" in ihrem neuen Heim

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  • Erst wird die Mops-Dame "Edda" von der Stadtverwaltung zum Schuldeneintreiben gepfändet. Dann wird das Tier über den privaten Ebay-Account eines Stadtmitarbeiters verkauft. Das westfälische Ahlen ist in diesem Fall gleich von mehreren Seiten in die Kritik geraten. Kämmerer Dirk Schlebes verteidigte das Vorgehen der Stadt jedoch als rechtmäßig. Laut Zwangsvollstreckungsgesetz könne wertvoller Besitz wie der Familien-Mops gepfändet werden, sagte der parteilose Kommunalpolitiker am Donnerstag, 28. Februar, der Deutschen Presse-Agentur.

    Foto: Mikko Schümmelfeder
  • Nach der Pfändung und dem Verkauf der Hündin via Ebay nimmt die Kritik am Vorgehen der westfälischen Stadt Ahlen zu. "Das Tier, seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen wurden hier vollkommen außen vor gelassen", sagte Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund am Freitag, 1.März, auf dpa-Anfrage. Der Verkauf über Ebay-Kleinanzeigen setze «dem Ganzen regelrecht die Krone auf», kritisierte die Sprecherin. Mit Tieren über Internetplattformen zu handeln, sei absolut abzulehnen, da man Lebewesen damit zu Waren degradiere.

    Foto: Mikko Schümmelfeder
  • Die Mops Hündin "Edda", jetzt umbenannt in "Wilma" sitzt mit Ihrer neuen Besitzerin Michaela Jordan vor einem Laptop. Die Käuferin der Hündin verklagt die westfälische Stadt Ahlen. "Das war alles gelogen", sagt sie. Die Hündin sei nicht untersucht, nicht geimpft, voller ansteckender Würmer gewesen und hätte ohne Operationen wohl ihr Augenlicht auf einer Seite verloren, sagte die neue Besitzerin.

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  • Sie will den Kaufpreis und die Tierarztkosten erstattet bekommen. Der Mops sei als gesund, geimpft, entwurmt, ärztlich untersucht und "mit Stammbaum" angepriesen worden.

    Foto: Guido Kirchner
  • "Das war alles gelogen", sagt sie. Die Hündin sei nicht untersucht, nicht geimpft, voller ansteckender Würmer gewesen und hätte ohne Operationen wohl ihr Augenlicht auf einer Seite verloren, sagte die neue Besitzerin.

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  • "Wilma" sitzt neben ihren neuen Freunden den beiden Möpsen "Malte" und "Ole".

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  • Foto: Guido Kirchner

Die Besitzerin des Hundes, den sie in Wilma umgetauft hat, hält den Gutachter wegen seiner Aussagen für befangen. Einen entsprechenden Antrag ihres Anwalts lehnte das Landgericht inzwischen ab. Der Jurist legte daraufhin Beschwerde ein, wie ein Gerichtssprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Über die müsse nun das OLG Hamm entscheiden. Erst dann sei klar, wie es mit der Zivilklage in Münster weitergeht. Die Verhandlung dort hat Mitte November begonnen.

Der Fall Edda

Der Fall um Mops Edda alias Wilma hatte Anfang 2019 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Ein Beamter der Stadt Ahlen hatte das Tier bei einer verschuldeten Familie gepfändet und im Internet als „süße Mopsdame mit Stammbaum“ angeboten. Der entscheidende Punkt: Laut Anzeige war der Mops „kerngesund“. Die neue Besitzerin - eine Polizeibeamtin - sagt aber, das Tier sei bereits krank gewesen und habe unter anderem mehrere teure Augen-Operationen benötigt.

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