Nutria: Gefahr für die Gewässer-Unterhaltung
Possierlich – aber problematisch

Saerbeck -

ie aus Südamerika importierte Tierart Nutria wird auch auf dem Saerbecker Gebiet zu einem echten Problem. Der Bestand der Nager hat sich in den vergangenen Jahren weit vermehrt. Nun sorgen die vielen Löcher, die Tiere im Böschungsbereich von Gewässern graben, für Sorgenfalten bei den entsprechenden Unterhaltungsverbänden. Ein Bejagen der Tiere ist zudem nahezu unmöglich

Mittwoch, 01.07.2020, 18:29 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 16:54 Uhr
Sehen eigentlich ganz possierlich aus, aber Nutrias verursachen hohe Schäden im Bereich von Uferböschungen (links Pflanzenfraß). Das gilt auch für den Bereich Saerbeck.
Sehen eigentlich ganz possierlich aus, aber Nutrias verursachen hohe Schäden im Bereich von Uferböschungen (links Pflanzenfraß). Das gilt auch für den Bereich Saerbeck.

Orangefarbene Hauer sind ihr Markenzeichen, ansonsten wirkt die Biberratte, die eigentlich Nutria heißt und ursprünglich aus Südamerika kommt, ziemlich possierlich. Mitunter sind die Nager sogar recht zutraulich. Bis vor etwa hundert Jahren beschränkte sich ihr Lebensraum fast ausschließlich auf die Südhalbkugel – doch der Sprung über den großen Teich gelang.

Heute gelten sie in Europa und damit auch in Deutschland als etablierte Lebensform. In NRW kommen sie mittlerweile flächendeckend vor – und werden zu einem echten Problem. Ihre stark zunehmende Ausbreitung in den heimischen Gewässern bringt erhebliche Probleme mit sich, wie auch Eduard Hankemann vom Gewässer-Unterhaltungsverband und zuständig für den Bereich Saerbeck beschreibt. „Sie sind überall. Wir können die Population der Nutrias kaum abschätzen. Sie vermehren sich ja wie die Meerschweinchen.“

Das grundsätzliche Problem mit den behaarten Einwanderern: An vielen Stellen droht die Uferböschung, auch im Bereich der Ems auf Saerbecker Gebiet, einzusacken. „Die Tiere fressen die Pflanzen und graben Löcher. Uferböschungen werden so unterhöhlt. Das wird zunehmend zu einem Problem“, beschreibt Hankemann mit sorgenvoller Stimme. Die mittelfristige Gefahr: Wenn der Wasserpegel schnell und massiv ansteigt, ist die Gefahr, dass ganze Böschungsabschnitte weggespült werden könnten, erheblich größer.

Auch die Unterhaltungsarbeiten können infolge eingesackter Böschungen schwieriger durchgeführt werden. Die zu verrichtenden Mäharbeiten werden meist mit einem sogenannten Dreibein vorgenommen. Der Mäharm kann die abgesackten Stellen dabei mancherorts kaum noch erreichen. Noch gravierender ist die Gefahr, dass die Uferböschung einbricht. Durch großflächiges Abfressen können die Nager zudem Teile der Ufervegetation vernichten und somit auch den Brut- und Schutzraum für Wasservögel, Amphibien und Fische gefährden.

Und auch landwirtschaftliche Schäden kommen immer häufiger vor. Die Nutria ernährt sich vorwiegend von Pflanzen. Neben den Wasserpflanzen stehen auch Ackerfrüchte wie Rüben, Kartoffeln oder Maispflanzen auf dem Speiseplan der Nager und sind für die vor allem dämmerungs- und nachtaktiven Tiere leicht erreichbar.

„Grundsätzlich dürfen Nutria ganzjährig bejagt werden“, weiß Eduard Hankemann. Es gibt allerdings Einschränkungen. Zum Schutz des streng unter Naturschutz stehenden Fischotters sind Totschlagfallen verboten. Für Lebendfallen geeignete Aufstellplätze zu finden, ist äußerst schwierig. „Die Jagd auf auf den Eindringling ist natürlich nur den Jägern erlaubt“, sagt der Vorsteher des Unterhaltungs-Verbandes Saerbeck.

Unter dem Strich werden die Nager, die sich zwei bis dreimal im Jahr vermehren können und meist sechs bis acht Junge zur Welt bringen, derzeit kaum bejagt. Natürliche Feinde: Fehlanzeige. Eine Bestandsregulierung finde also kaum statt. „Wir werden die Problematik im Rahmen der nächsten kreisweiten Versammlung erneut besprechen“, hofft auch Eduard Hankemann darauf, dem Eindringling möglichst bald das Stopp-Schild präsentieren zu können. Schließlich verursache er auch einen hohen finanziellen Schaden.

Nachrichten-Ticker