Ferienbeginn in NRW
Sommerurlaub mit Hindernissen

Ostbevern/Telgte -

Beschränkungen, Lockerungen, erneute Beschränkungen und Lockerungen. Die Corona-Pandemie macht es Urlaubern schwer. Die Westfälischen Nachrichten haben sich in Ostbevern und Telgte umgehört, mit welchen Problemen die Menschen diesbezüglich zu kämpfen hatten.

Donnerstag, 02.07.2020, 06:21 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 07:32 Uhr
Buchen, stornieren, wieder buchen – nach einigem Hin und Her kann Familie Stern aus Ostbevern nun doch in das geliebte Urlaubsdomizil nach Mallorca fliegen. Das Foto entstand beim letzten Aufenthalt auf der Balearen-Insel.
Buchen, stornieren, wieder buchen – nach einigem Hin und Her kann Familie Stern aus Ostbevern nun doch in das geliebte Urlaubsdomizil nach Mallorca fliegen. Das Foto entstand beim letzten Aufenthalt auf der Balearen-Insel. Foto: Privat

Die Deutschen können ihren Sommerurlaub 2020 im Ausland verbringen – Anfang Juni wurde die weltweit geltende Reisewarnung vom Außenministerium aufgehoben. Die Aufbruchstimmung hält sich seither dennoch in überschaubaren Grenzen. Viele Familien sind verunsichert, was sie mit diesem Sommer 2020 anfangen sollen. Die Gemütslage bleibt angespannt; die Corona-Pandemie hat fast allen ein bisschen die Leichtigkeit des Urlaubsfeelings genommen. Die Reisebüros vermelden, dass die Menschen weitgehend auf Fern- und Flugreisen verzichten. Deutschland und das nahe europäische Ausland, das seien die Reiseziele, die nachgefragt würden wie lange nicht. Nun erhielt die Hoffnung auf Sonne, Strand und Meer einen erneuten Dämpfer – zumindest im Kreis Warendorf: Durch den sprunghaften Anstieg der Fallzahlen in einem Fleischbetrieb in Gütersloh und die dadurch angeordneten Zwangsmaßnahmen kippten viele Urlaubspläne erneut. In Schleswig-Holstein wollte man Reisende direkt 14 Tage in Quarantäne stecken. Bayern verweigerte die Einreise komplett. Erst seit gestern sind die Beschränkungen wieder gelockert.

Und nun? Unsere Redaktion hat in den sozialen Medien nachgefragt, welche Alternativen sich für die Menschen aus Telgte und Ostbevern bieten.

Storniert, gebucht, getestet

Yvonne Stern aus Ostbevern hofft nach einigem Hin und Her doch noch auf ein paar Sonnenstrahlen am Mittelmeer: „Wir hatten im Januar die Flüge und die Wohnung auf Mallorca gebucht. Dann kam die Corona-Pandemie. Da haben wir schnell gesagt: Spanien ist so betroffen, das machen wir nicht, und haben storniert.“

Wir hatten im Januar die Flüge und die Wohnung auf Mallorca gebucht. Dann kam die Corona-Pandemie.

Yvonne Stern

Bange Wochen vergingen. Dann, im Juni, schien sich die Lage zu entspannen. „Wir haben mit dem Vermieter gesprochen und erneut gebucht. Als der erneute Lockdown kam, haben wir gedacht: Das darf doch nicht wahr sein.“

Sie verschweigt nicht, dass die Corona-Beschränkungen für die Familie eine Herausforderung war. Die Kinderbetreuung hat ihr und ihrem Mann einiges an Kreativität und Flexibilität abverlangt. „Wir konnten vormittags die Notbetreuung in Anspruch nehmen – nachmittags aber mussten wir uns abwechselnd um die Kinder kümmern.“ Ihre zwei Jungs seien durchaus „energiegeladen“. Stern sagt: „Die Laune bei den Kindern war besser als bei den Eltern.“ Heute kann sie darüber lachen. Nach Rücksprache mit dem Vermieter hat sie für sich und ihre Familie Corona-Tests organisiert und diese nach Münster ins Labor gebracht. Negativ. Die Reise kann beginnen.

Absage trotz negativen Tests

Eine Absage der uncharmanten Art erlebten Markus Tertilte (Vadrup) und seine Familie. Den ursprünglichen Plan, in ein Ferienhaus nach Frankreich zu fahren, hatten er und seine Frau bereits frühzeitig verworfen. „Wir wollten der Empfehlung folgen und in Deutschland bleiben, hatten auch schnell eine schöne Ferienwohnung in Höchenschwand im Schwarzwald.“

Wir wollten der Empfehlung folgen und in Deutschland bleiben, hatten auch schnell eine schöne Ferienwohnung in Höchenschwand im Schwarzwald.

Markus Tertilte

 Bereits auf gepackten Koffern sitzend kam per Mail die Absage. Der Vermieter verwies darauf, dass er als selbstständiger Bauunternehmer kein Risiko eingehen dürfe, bat um Verständnis und sagte, dass er der Familie aus dem Kreis Warendorf nach Rücksprache mit Bürgermeister, Kreisgesundheitsamt und örtlicher Tourismusbehörde eine Absage erteilen müsse. „Die Mail war noch kurz und knapp. Im folgenden Telefonat aber ging es zur Sache. So ein Gespräch muss ich nicht jeden Tag führen“, ärgert sich Tertilte. Auch ein negativer Corona-Test war dem Besitzer der Ferienwohnung egal. „Wir haben jetzt kurzerhand umdisponiert. Haben schnell eine Wohnung im Hunsrück gefunden und fahren jetzt dorthin“, sagt Markus Tertilte.

Alles in der Schwebe

Familie Dahlmann aus Telgte hatte für die Reiseproblematik einen besonders kreativen Einfall. Um unabhängig von Vermietern und Hotelbetreibern reisen zu können, hat sie einen Wohnwagen angeschafft. „Wir hatten zunächst geplant, mit unseren drei Kindern nach Polen zu fahren. Das mussten wir stornieren. Dann kam uns von Heute auf Morgen die Idee mit dem Wohnwagen. Wir haben alles angeschafft, was man so braucht und einen Campingplatz in Schillig gebucht. Dann kam der erneute Lockdown. Wir haben mit dem Campingplatz telefoniert – und warten bis heute auf eine eindeutige Aussage, ob wir anreisen dürfen oder nicht.“ Alles stünde in der Schwebe. Die Kinder seien entsprechend niedergeschlagen. „Die Kinder fragen jeden Tag. Für die war es ja auch eine schwere Zeit.“ Einziger Hoffnungsschimmer sei nun die Zeit. „Wir sind ja mittlerweile gewohnt, dass sich jeden Tag etwas neues ergibt – und immerhin haben wir noch zwei Wochen.“

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