Yvonne Brokop und Olaf Vicktor radeln 2807 Kilometer durch Deutschland
Eine Tour mit Höhen und Tiefen

Seppenrade -

Drei Wochen sind Yvonne Brokop und ihr Lebensgefährte Olaf Vicktor mit dem Rennrad in Deutschland unterwegs gewesen. Auf der knapp 3000 Kilometer langen Tour haben sie Spenden für das Familienhaus der Uniklinik Münster gesammelt. Bislang sind dabei 3349 Euro zusammengekommen.

Sonntag, 12.07.2020, 14:16 Uhr aktualisiert: 12.07.2020, 15:07 Uhr
Nach drei Wochen kam das Radlerpaar wieder in Seppenrade an (Fotos von oben l. im Uhrzeigersinn). Unterwegs machten sie Station in Wittenber, in Müritz und am Starnberger See.
Nach drei Wochen kam das Radlerpaar wieder in Seppenrade an (Fotos von oben l. im Uhrzeigersinn). Unterwegs machten sie Station in Wittenber, in Müritz und am Starnberger See. Foto: privat

„Körperlich und seelisch sehr erholt“ fühlt sich Yvonne Brokop. Dem widerspricht ihr Partner Olaf Vicktor nicht. Allerdings haben die beiden keinen faulen Strandurlaub hinter sich, sondern eine 2807 Kilometer lange Tour durch Deutschland – mit dem Rennrad. Drei Wochen hat dieser durchaus strapaziöse Trip durch fast alle Bundesländer gedauert. Die Tour war allerdings kein reiner Selbstzweck, sondern hatte einen besonderen Hintergrund. Wie schon vor zwei Jahren bei ihrer Tour zum Wolfgangsee in Kärnten sammelten die Seppenrader Spenden – diesmal für das Familienhaus der Uniklinik Münster. „Bis jetzt sind 3349 Euro zusammengekommen“, freut sich Brokop. Ursprünglich hatte es sogar nach Barcelona gehen sollen. Doch diesem ambitionierten Plan machte die Corona-Pandemie- einen Strich durch die Rechnung.

Also wurde kurzerhand umdisponiert ( WN berichteten). Zielorte waren dann unter anderem Bonn, Offenburg, Amberg, Hof, die Lutherstadt Wittenberg, Lübeck. In Lindau am Bodensee und in Dresden gönnten sich die Radler jeweils eine Verschnaufpause mit zwei Übernachtungen. Aber auch dort wurde die Umgebung per Leeze erkundet.

Dass die Fahrt – trotz vieler schöner Eindrücke und Begegnungen – kein Zuckerschlecken war, beschreibt Vicktor in einem Satz: „Ohne die 18 Monate Vorbereitung hätten wir das nicht geschafft.“ Das hatte unter anderem mit dem den beiden passionierten Rennradlern nicht immer wohlgesonnenen Wetter zu tun. Einige der 18 Etappen beendeten sie pitschnass, eine wurde sogar per Bahn absolviert, von Hof bis Dresden – etwa 180 Kilometer. Beim Start hätten sie noch gehofft, das angekündigte Unwetter umfahren zu können. Aber dann sei klar geworden: „Nichts geht mehr.“ Da seien bei ihr schon ein paar Tränen geflossen, sagt die 40-Jährige.

Obwohl die Tour bestens vorbereitet gewesen sei – alle Unterkünfte vorgebucht, Corona-bedingte Maßnahmen an den Zielorten im Blick – wartete doch die eine oder andere Hürde auf die Seppenrader. Dazu zählten auch die insgesamt 17 500 Höhenmeter, die es zu bewältigen galt. „Es gab Steigungen von bis zu 17 Prozent“, berichtet Brokop. Da musste dann schon mal geschoben werden. Zumal ihr Partner einen kleinen Hänger mit 30 Kilogramm Gepäck ziehen musste. Eine Etappe ist ihnen da nachhaltig in Erinnerung: „Zwischen Furtwangen und Freiburg ging es im Schwarzwald einmal über 30 Kilometer nur bergauf. Keine Menschenseele in Sicht und starker Regen“, erzählt sie. Später hätten sie dann erfahren, dass dieser Bereich das „Hexenloch“ genannt wird. „Ein verdienter Name“, sind sich der Schlosser und die Caritas-Mitarbeiterin einig.

Zudem sei die Navigation auf der Strecke nicht wirklich reibungslos möglich gewesen. „Wir hatten drei Handys von unterschiedlichen Netzbetreibern und ein Navi“, erzählt Vicktor. Aber nicht immer habe man auch ein Netz gehabt, um die Geräte zu nutzen. „Wir haben uns durchgefragt“, erzählt er von den Erfahrungen vor allem im Bereich der Chiemgauer Alpen. Und dennoch sind sich beide einig: „Ans Aufhören haben wir nie gedacht.“ Wobei freundliche Einheimische ihnen nicht selten angeboten hätten, sie per Auto ans nächste Etappenziel zu bringen.

Einige Erlebnisse von unterwegs werden Brokop und Vicktor nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Beim Besuch von Verwandten der 40-Jährigen in Teterow seien sie zu einer Andacht im Pfarrgarten eingeladen gewesen. „Die Pfarrerin hat uns namentlich in die Fürbitten eingeschlossen“, berichtet die Seppenraderin. Das sei eine schönes Erlebnis gewesen. Und in Bremen hätten sie eine ganz persönliche Stadtführung erhalten. „In einem Eiscafé sind wir mit einem Mann ins Gespräch gekommen, der viel über die bremische Geschichte erzählt hat“, sagt Vicktor. Und dann habe er die Radler spontan zu einer Stadtführung eingeladen. Auch die Ankunft im Rosendorf werden sie nicht vergessen. „Die Nachbarn hatten einen Willkommenspruch auf die Straße geschrieben und auf dem Weg Zielfähnchen gesteckt“, freuen sich die zwei noch immer.

Wer die Spendentour unterstützen will, kann dies auf dem Familienhaus-Konto 26 75 bei der Sparkasse Münsterland Ost (BLZ 400 501 50; IBAN: DE 81 40 05 0150 0000 0026 75; BIC: WELADED1MST, Stichwort: Barcelona 2.0) tun.

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