Helios-Klinik: Familiale Pflege ist gefragt
Unterstützung wird angenommen

Lengerich -

Im März 2018 wurde an der Helios-Klinik in Lengerich eine sogenannte Familiale Pflege aufgebaut. Primäres Ziel: Pflegende sollen erfahren, wie sie sich ihren Alltag etwas erleichtern können. Dafür zuständig sind Christina Aufderhaar und Anne Hullmann. Sie sagen, dass das Angebot gut angenommen wird und die Betroffenen dankbar sind für die Unterstützung, die sie erhalten.

Sonntag, 12.07.2020, 16:56 Uhr
Christina Aufderhaar (links) und Anne Hullmann sind ausgebildete Krankenschwestern und Pflegetrainerinnen.
Christina Aufderhaar (links) und Anne Hullmann sind ausgebildete Krankenschwestern und Pflegetrainerinnen. Foto: Michael Baar

Ihr anfängliches Zögern ist längst einer großen Begeisterung gewichen. „Das war für mich Neuland“, erläutert Christina Aufderhaar, warum sie im März 2018 nicht sofort Feuer und Flamme gewesen ist, als sie von Pflegedirektor Arne Hesselmann gefragt wird, ob sie die Familiale Pflege an der Helios-Klinik aufbauen will. 30 Jahre hat sie da schon als Stationsschwester gearbeitet. „Sehr gerne“, wie sie im Gespräch mit den WN betont. Und dann was Neues machen?

Zunächst stehen Schulungen und Fortbildungen an, dann kommt der Kontakt zu den ersten Angehörigen von Patienten, die im Krankenhaus sind. „Entweder weist uns der Soziale Dienst auf Familien hin, die vielleicht Begleitung bei der Pflege eines Angehörigen gebrauchen könnten, oder wir erhalten einen Tipp von den Stationen“, beschreibt die die enge Kooperation im Haus. Voraussetzung, die Familiale Pflege in Anspruch zu nehmen, ist in jedem Fall ein Pflegegrad zwischen 1 und 5. Und der Patient muss in der Helios-Klinik stationär aufgenommen worden sein.

Diese enge Zusammenarbeit werde auch mit den ambulanten Pflegediensten praktiziert. „Wir pflegen nicht den Angehörigen, der zuvor im Krankenhaus war“, erläutert Anne Hullmann, die seit April Christina Aufderhaar unterstützt. „Wir zeigen den Pflegenden, wie sie sich ihren Alltag etwas erleichtern können.“ Beispielsweise durch rückenschonende Griffe, wenn ein bettlägeriger Angehörigen bewegt werden muss.

Nur eines von vielen Themen, das die beiden Frauen im Blick haben. „Das fängt schon damit an, dass wir im Haus oder in der Wohnung schauen, ob alles für das zu pflegende Familienmitglied, das noch im Krankenhaus ist, gut gelöst ist.“ Dazu gehört beispielsweise eine begehbare Dusche ebenso wie der Hinweis auf mögliche Stolperfallen in den eigenen vier Wänden.

Angehörige stärken und unterstützen, das machen die Frauen je nach Bedarf. „Das kann täglich sein, aber auch einmal in der Woche“, beschreibt Christina Aufderhaar die möglichen Rhythmen. Dabei sind die zu pflegenden Angehörigen keineswegs nur ältere Menschen. „Es gibt auch jüngere, hinzu kommen auch palliative Situationen“, beschreibt Anne Hullmann das breite Aufgabenspektrum. Da müsse man offene Ohren haben, um Lösungswege aufzeigen zu können.

Immerhin müssen sich die Familien keine Gedanken machen, wie sie diese Unterstützung bezahlen sollen. „Die Krankenkassen tragen die Kosten“, erläutert Christina Aufderhaar. Insgesamt 14 verschiedene Pflegemodule gebe es. Eines umfasse einen Zeitrahmen von etwa einer Viertelstunde. „Unter zwei Modulen läuft nichts“, ergänzt sie.

Und dann gibt es auch ältere Menschen, die ihren Partner pflegen und schnell an ihre Grenzen kommen. „Wenn eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst ansteht, sind Senioren schnell überfordert, weil das im Moment nur telefonisch geschieht.“ Nicht nur, weil vielleicht das Gehör nachgelassen hat, sondern auch wenn Fachbegriffe ins Spiel kommen. „Da sind wir eine große Hilfe“, berichtet Anne Hullmann von entsprechenden Rückmeldungen. Nicht nur von Patientenseite, sondern auch vom Medizinischen Dienst.

„Dankbarkeit, die sichtbare Freude, dass wir unterstützen, und das Gefühl, etwas bewirken zu können.“ So beschreibt Christina Aufderhaar die Reaktionen der Pflegenden und ihr Empfinden. Den Schritt, Neues zu wagen, hat sie nie bereut. Anne Hullmann, obwohl erst wenige Monate dabei, teilt diese Gefühle. Ob sie dem Bedarf gerecht werden? „Wir haben gut zu tun“, sagen die beiden Frauen. Und ja, den bestehenden Bedarf können sie aktuell nicht komplett abdecken.

Ansprechpartnerin für Familiale Pflege ist Christina Aufderhaar ( 01 73/56 77 883, E-Mail christina.aufderhaar@helios-gesundheit.de).

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