2,5 Kilometer langer Barfußgang am Stift Tilbeck
Erdiges Naturerlebnis für alle Sinne

Havixbeck -

Der Barfußgang am Stift Tilbeck ist für Familien gerade im Corona-Jahr 2020 ein toller Ausflugtipp für die Sommerferien.

Montag, 13.07.2020, 19:01 Uhr aktualisiert: 20.07.2020, 09:42 Uhr
Reinhard Nieweler, Ehrenamtskoordinator der Stift Tilbeck GmbH, ist gerne auf dem Barfußgang unterwegs.
Reinhard Nieweler, Ehrenamtskoordinator der Stift Tilbeck GmbH, ist gerne auf dem Barfußgang unterwegs. Foto: Stephanie Sieme

Eine leichte Brise bringt die Blätter der Bäume zum Rauschen. Die Augen sind für einen kurzen Moment geschlossen. Nur das Rauschen und die eigenen Schritte sind zu hören. Ein Ast knackt. Verwunschen sieht das kleine Wäldchen aus, durch das es geht. Eine Holzbrücke führt über den Tilbecker Bach. Aber wer möchte, kann auch mittendurch waten. Am besten barfuß.

2,5 Kilometer lang ist der Barfußgang am Stift Tilbeck bei Havixbeck. Es geht über Gras, Mulch, Ackerboden, Autoreifen, Sand, Kies, Korken, Glas, eine Wackel- und Balancierbrücke, Matsch, vorbei an einem Zerrspiegel, einer Klanginstallation, am Rohrtelefon, an der Wetterstation, durch Wasser, Wäldchen, an einem Blumenfeld und einer Kirchbaumallee entlang. „Die Ernte hat schon stattgefunden, aber vielleicht findet man noch ein paar Kirschen“, sagt Reinhard Nieweler, Ehrenamtskoordinator der Stift Tilbeck GmbH. Menschen mit Behinderungen leben dort in einer dorfähnlichen Atmosphäre in verschiedenen Wohnformen zusammen. Und das Gelände ist für die Öffentlichkeit zugänglich – ganz im Sinne der Inklusion. Genauso wie der Barfußgang.

„Man bewegt sich, ist an der frischen Luft, kann den Weitblick auf die Felder genießen und entspannen. Und in Corona-Zeiten kann hier auch der nötige Abstand gewahrt werden“, so Nieweler über das Besondere des Barfußgangs, der 2001 angelegt wurde. Und nicht nur im Sommer nutzen die Menschen das Angebot. „Manchmal sind auch im Oktober Menschen auf dem Weg unterwegs. Warm eingepackt, aber barfuß“, berichtet der Ehrenamtskoordinator.

Und auch an diesem Tag, an dem sich Sonne, Wolken und auch Regen abwechseln, sind Barfußgänger anzutreffen. Kristina Steffen mit ihrer Tochter Helena und deren Freundinnen Sarah, Paula und Christine haben sich auf den Weg gemacht. „Wir sind ja nicht aus Zucker“, sagt Sarah. Vorsichtig balancieren die Mädchen über den Stamm, der über einen kleinen Bach führt. Schritt für Schritt. Bloß nichtabrutschen. Geschafft. Der Barfußgang ist ein Erlebnis für alle Sinne. „Zieh die Schuhe aus, geh barfuß. Schließ die Augen. Du siehst den Weg mit den Zehen. Lass dich von der Natur verwöhnen“, ist auf einer Holztafel am Startpunkt beim Schuhregal eingraviert. Es wird sinnlich, matschig und erdig. Ein bis zwei Stunden, je nach Tempo, müssen eingeplant werden. Und dabei lohnt sich auch ein Blick links und rechts abseits des Weges, denn das Stift Tilbeck hat ein 2,5 Hektar großes parkähnliches Gelände. Manches entdeckt man nicht auf den ersten Blick, da benötigt es einen zweiten, gar dritten. Was ist das? Ein riesiger Sandstein mit großen Aushöhlungen. „Das ist ein Summstein“, erklärt Nieweler. Einfach den Kopf in die Aushöhlungen stecken und summen – man erlebt eine musikalische Kuriosität. Nicht weit entfernt befindet sich die „grüne Kapelle“. Unter Bäumen idyllisch gelegen, stehen drei alte Kirchenbänke, die auch zum Picknick einladen. Und wenn es regnet, kann unterm Torbogenhaus, ein paar Meter weiter, ein Päuschen eingelegt werden. Auf dem Gelände befinden sich auch ein Bücher-Antiquariat, ein Café, ein Second-Hand-Laden, eine Gärtnerei, der grüne Schulhof mit selbstgebauten Spielgeräten der Münsterlandschule, ein Spielplatz, Bouleplätze, ein großes Fußballfeld, eine Rösterei, das Löwenzahngelände. Ziegen, Hühner und Enten tummeln sich im Mini-Tierpark. Im Zentrum vom Stiftsgelände befindet sich die Kapelle Maria Hilf, die besichtigt werden kann. Aufgrund einer Baumaßnahme ist sie aber nur vom Marienplatz aus zugänglich.

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