Eine Zukunft ohne Sicherheiten
Neue Auflagen für die Haltung in Sauenbetrieben

Tecklenburger Land -

Eigentlich soll Hannes Sparenberg eines Tages des elterlichen Hof übernehmen. Ob daraus was wird? Der 22-Jährige weiß es noch nicht. Die „unsicheren Zeiten“ für die Landwirtschaft halten an, stellt er fest.

Dienstag, 14.07.2020, 12:00 Uhr
Im Deckzentrum sind die Sauen für 28 Tage im Kastenstand.
Im Deckzentrum sind die Sauen für 28 Tage im Kastenstand. Foto: Anika Leimbrink

Hannes Sparenberg wurde in die Landwirtschaft hineingeboren. Die Familie des 22-Jährigen führt einen Sauenbetrieb in Mettingen. Mit seiner abgeschlossenen Ausbildung zum Landwirt und der beabsichtigten Zusatzausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt hat er eigentlich den Grundstein für die spätere Hofübernahme gelegt. „Aber ob ich den Hof mal übernehme, dass weiß ich heute noch nicht“, sagt Hannes. Denn die „unsicheren“ Zeiten halten für die Landwirtschaft an. Die sind vor allem durch immer mehr Auflagen geprägt. „Wir haben keine Planungssicherheit mehr“, erklärt Hannes Vater Udo Sparenberg.

Bereits im April wurde die erneute Reform der Düngeverordnung beschlossen. Nun folgen verschärfte Auflagen für die Haltung von Sauen. Zum Wohl der Tiere, heißt es seitens der Politik. Die Landwirte in ganz Deutschland schütteln darüber den Kopf. So sollen in naher Zukunft die Kastenstände der Vergangenheit angehören. Die werden jetzt im sogenannten Deckzentrum eines Sauenbetriebs genutzt. „Ein Sauenhaltungsbetrieb ist in vier Bereiche aufgeteilt. Es gibt das Deckzentrum, den Tragebereich mit Gruppenhaltung, den Abferkelbereich und die Ferkelaufzucht“, erklärt Udo Sparenberg.

Landwirte stehen vor Entscheidungen

Ins Deckzentrum kommt die Sau für 28 Tage. Dort warten die Landwirte die Rausche, also die Paarungsbereitschaft der Sauen, ab und besamen die Tiere. Sind die Sauen sicher tragend, wechseln sie in die Gruppenhaltung im Tragebereich. Der Kastenstand im Deckzentrum misst in der Breite 80 Zentimenter, was dem Schwein ermöglicht, sich vernünftig hinlegen zu können.

Diese Haltung ist nur von kurzer Dauer, eben nur für die 28 Tage im Deckzentrum. Und sie hat einen wichtigen Grund, nämlich den Schutz von Mensch und Tier. „Wenn die Sauen in der Rausche sind, dann sind die wie in einem Tunnel und können auch schon mal aggressiv werden. Sie springen dann die eigenen Artgenossen an, was dazu führt, dass kleinere und jüngere Tiere von den älteren und schweren Sauenverletzt werden“, weiß Sparenberg.

Allein deswegen sei es besser die Sauen für die Zeit von Rausche bis sicher festgestellter Trächtigkeit durch den Kastenstand kontrolliert zu halten. So können die Landwirte geschützt arbeiten, denn auch vor dem Menschen macht die Sau in der Rausche keinen Halt. „Das hat einfach was mit Arbeitssicherheit zu tun“, sagt Hannes.

Nun aber sollen die Landwirte die Sauen nur noch für den Zeitpunkt der Besamung und zur Trächtigkeitskontrolle in den Kastenstand bringen. Ergo wird die Haltung für Mensch und Tier gefährlicher und stressiger. Hinzu kommen notwendige Umbaumaßnahmen. Denn wenn die Sauen nicht mehr in den Kastenständen gehalten werden dürfen, müssten eigentlich weitere Gruppenhaltungsställe ans Deckzen­trum angebaut werden. Einfach so tragende und nicht tragende Sauen zusammen halten, geht kaum. Auch wieder aus Gründen des Stresses und der Sicherheit für die Tiere. „Und die Sauen sollten immer in ihrer Gruppe bleiben“, erklärt Sparenberg. Die Rangordnung ist geregelt, weniger Stress für die Tiere.

Anbau oder Umbau

Auch im Abferkelbereich soll sich künftig einiges ändern, so die Forderung der Politik. Hat jede Sau jetzt fünf Quadratmeter für sich, sollen es künftig 6,5 Quadratmeter sein. Damit rückt die konventionelle Landwirtschaft immer mehr an die geltenden Vorgaben im Ökolandbau heran. Dort liegt der Standard bei 7,5 Quadratmetern.

Zudem sollen die Ferkelschutzstände zukünftig verschwinden. „Dabei schützt der Stand, wie der Name schon sagt, die Ferkel“, sagt Sparenberg. Denn die Sauen würden ihre eigenen Nachkommen auch erdrücken. „Das ist wirklich so, dass ohne den Schutz es mehr Ferkel gibt, die dadurch verenden.“ Für den Landwirt ein wirtschaftlicher Schaden, aber vor allem auch ein emotionaler Schmerz. Auch wenn ein Betrieb wirtschaftlich sein muss, der Beruf des Landwirts ist für viele eher eine Berufung und wird mit Herzblut ausgeübt.

Im Deckzentrum soll es übrigens auch mehr Platz für die Sauen geben. Wenn die Tiere eben nicht mehr 28 Tage im Kastenstand verbringen. „Es sollen künftig fünf Quadratmeter pro Tier sein. Im Ökolandbau sind es jetzt gerade mal 4,5 Quadratmeter“, erläutert Sparenberg. Während damit auf der einen Seite der Ökolandbau eine gewisse Beliebigkeit bekäme, stünden die Landwirte anderseits vor der Entscheidung, ob sie anbauen, umbauen oder gar neu bauen. Für Sparenbergs ist klar: Entweder sie erweitern ihren Betrieb, bauen also neue Gebäude an, um mit der bestehenden Anzahl an Tieren weiterzumachen. Oder sie bauen die bestehenden Ställe um, müssen dann aber zwangsläufig ihren Tierbestand reduzieren.

300 Millionen Euro Fördergelder

Aber mal eben einen Stall neu dazu bauen, ist auch nicht so gemacht. Zum einen wegen der Kosten. „So ein Stall kostet ab 500.000 Euro aufwärts.Man kann pro Platz einer Sau 2000 bis 4000 Euro rechnen. Da sind wir schnell bei 800.000 Euro“, stellt Udo Sparenberg die Rechnung auf. So eine Summe hätten die wenigsten Landwirte auf der hohen Kante liegen. Also müssen wieder Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden.

Die Entscheidung über eine solche Investition liege aber fast schon nicht mehr bei ihm, so Sparenberg, sondern bei seinem Sohn. Denn wenn er die Übergabe des Hofes anstrebe, würde er dem Sohn einen Hof mit Schulden übergeben. Ein Neubau sei bis dahin ganz sicher noch nicht abbezahlt.

Wäre nicht ganz so dramatisch, wenn die Landwirte Planungssicherheit hätten. „Wir können doch gar nicht mehr planen“, sagt Sparenber. In immer kürzeren Abständen habe die Politik neue Maßnahmen auferlegt. Auch jetzt sollen die neuen Haltungsbedingungen innerhalb der nächsten sieben bis neun Jahre umgesetzt sein. Dazu warten die Landwirte noch auf die entsprechende Durchführungsverordnung.

Auch die vom Bund versprochenen 300 Millionen Euro Fördergelder für die deutsche Landwirtschaft, könnten da nicht viel bewegen. Was fehle, sei einfach die Sicherheit für die Landwirtschaft. Momentan sehen Sparenbergs wie viele andere Landwirte auch diese Sicherheit nicht. Man wisse eben nicht, was noch alles auf einen in naher Zukunft zu kommt, sagt Sparenberg.

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