Zunehmender Ärger mit lärmenden Autoposern in den Innenstädten
PS-Protzerei geht auf die Nerven

Steinfurt -

Vielen Bewohnern gehen sie mächtig auf die Nerven und lösen verständnisloses Kopfschütteln aus, wenn sie mal wieder mit ihren PS-Boliden durch die Innenstädte cruisen: Immer mehr sogenannte Autoposer werden auch in Steinfurt zum Ärgernis.

Dienstag, 14.07.2020, 16:30 Uhr aktualisiert: 14.07.2020, 17:04 Uhr
Die Polizei hat die Szene der Autoposer im Blick. Die zunehmende Zahl der Fahrer, die ihre Karossen zur Schau stellen, sorgt auch im Steinfurter Stadtverkehr für Ärger. Anwohner fühlen sich durch die Lärmbelästigung vor allem in den Nachstunden um den Schlaf gebracht.
Die Polizei hat die Szene der Autoposer im Blick. Die zunehmende Zahl der Fahrer, die ihre Karossen zur Schau stellen, sorgt auch im Steinfurter Stadtverkehr für Ärger. Anwohner fühlen sich durch die Lärmbelästigung vor allem in den Nachstunden um den Schlaf gebracht. Foto: dpa

Vielen Bewohnern gehen sie mächtig auf die Nerven und lösen verständnisloses Kopfschütteln aus, wenn sie mal wieder mit ihren PS-Boliden durch die Innenstädte cruisen: Immer mehr sogenannte Autoposer werden auch in Steinfurt zum Ärgernis. Da dröhnen die Motoren, röhren die Auspuffanlagen oder wird mit quietschenden Reifen ordentlich Gummi gegeben. Andere wiederum verwandeln ihren fahrbaren Untersatz mit heruntergelassenen Fensterscheiben und wummernden Bassboxen in eine Disco auf vier Rädern. Sie wollen gesehen und gehört werden, alle Blicke auf sich und ihre glänzenden Statussymbole ziehen.

Sowohl im Steinfurter Ordnungsamt als auch in der örtlichen Polizeiwache ist das Phänomen bekannt. Die Beschwerden aus der Bevölkerung häufen sich. Die lärmenden Hotspots sind fast immer die gleichen. In Borghorst sind es die Münster-, Altenberger- und Emsdettener Straße sowie der Parkplatz am BWS-Center, in Burgsteinfurt bilden das Baumgarten-Center, die Ochtruper-, Horstmarer und Wettringer Straße die Cruiser-Meilen. Insbesondere Anlieger in den Innenstädten beschweren sich über eine zunehmende Zahl von Fahrzeugen, die in den Abendstunden und nachts über das Fußgängerzonen-Pflaster rumpeln und die Anwohner um ihren verdienten Schlaf bringen.

Polizei hat schon länger ein Auge auf die Szene

„Damit muss endlich Schluss sein“, lautete eine energische Forderung eines Geschäftsmanns an die zuständigen Behörden, dem Treiben endlich Einhalt zu gebieten. Zuletzt war das Thema noch einmal deutlich von den Betroffenen vorgebracht worden, als es um die neuen Poller und die Verkehrsführung im Burgsteinfurter Ortskern ging (wir berichteten). Am Sonntag hat zudem der schwere Verkehrsunfall auf der Altemarktstraße für Schlagzeilen gesorgt, als ein 300 PS starker Audi in eine Hausmauer krachte. Drei Menschen wurden verletzt und die betroffenen Hauseigentümer vorübergehend obdachlos. Der Schock saß tief, der Sachschaden groß. Mittlerweile ist klar, dass der Fahrer Alkohol getrunken hatte. Der Vortest war eindeutig: 1,2 Promille.

„Der Ärger ist verständlich und betrifft nicht nur Steinfurt, sondern den ganzen Kreis“, erklärt Polizeipressesprecherin Heike Piepel auf Nachfrage. „Wir haben die Sache im Blick“, verweist die Behördenvertreterin darauf, dass die Wachen und Streifenwagenbesatzungen schon länger ein Auge auf die Szene haben. Selbstverständlich würde jeder Beschwerde nachgegangen und jeder Verstoß geahndet, versichert Piepel. Da könnten schon mal empfindliche Bußgelder drohen. Bei kreisweiten Kontrollen, bei denen es insbesondere auch um technische Veränderungen an den Autos gehe, seien auch schon Fahrverbote und Stilllegungen ausgesprochen worden.

Ausreden schnell gefunden

Auto-Tuning, so fügt die Kriminalhauptkommissarin an, spiele allerdings aktuell nicht mehr so eine Rolle. Bei den meisten Hochglanzkarossen, die von den Autoposern gefahren werden, handele es sich um teure Limousinen, an denen nichts geschraubt wird. Die seien von sich aus laut. Und die Eigentümer kauften sich die Fahrzeuge gerade, weil sie solche Motorengeräusche machen. Für das passende Feeling werden Motorgeräusche sogar künstlich erzeugt. Manche Pkw lassen sich mit Auspuffklappen aufmotzen, um bestimmte Sounds zu erzeugen. Das sei oftmals aber nicht verboten.

Um gegen Störer vorzugehen, muss ihnen die Polizei nachweisen, dass sie ziellos durch die Gegend fahren oder die Motoren unnütz blubbern lassen. Doch Erklärungen seien schnell gefunden. Piepel und ihre Kollegen kennen die Ausreden. „Dann wird’s schwer, das Gegenteil zu beweisen.“ So sind den Ordnungshütern oftmals die Hände gebunden und es bleibt nichts anderes übrig, als an die Vernunft der Fahrer zu appellieren, das Posing einzustellen oder, wie es die Lärmbetroffenen drastischer formulieren, doch lieber gleich die Kurve zu kratzen . . .

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