Kreis Steinfurt berichtet aus dem Krisenstand und dem Einsatz im Fieberlazarett
Jede Schicht im Vollschutz

Laer/Kreis Steinfurt -

Schon bald soll das Fieberlazarett in Laer für Corona-Erkrankte wieder ohne Menschen sein. Das geht aus einem Bericht des Kreises Steinfurt über die Arbeit des Krisenstabs und der ehrenamtlichen Helfer hervor. So wird der Kreis erstmals keine Neuerkrankten mehr aus dem Nachbarkreis Warendorf aufnehmen. Allerdings soll das Lazarett nicht zurückgebaut werden. So will man auf eine eventuelle zweite Welle vorbereitet sein.

Mittwoch, 15.07.2020, 18:54 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 13:53 Uhr
Ein Helfer bei der Pflege der Patientendaten im Einsatzleitsystem.
Ein Helfer bei der Pflege der Patientendaten im Einsatzleitsystem. Foto: Kreis Steinfurt

Im März hat der Krisenstab des Kreises Steinfurt das ehemalige Marienhospital in Laer wieder in Betrieb genommen und es Fieberlazarett getauft. Damit sollten Kapazitäten geschaffen werden für den Fall, dass die Krankenhäuser im Kreisgebiet an ihre Grenzen geraten bei der Behandlung von am Coronavirus erkrankten Menschen. „Zum Glück haben wir das Lazarett zwischenzeitlich, als die Zahl der Infizierten stark sank, nur auf Eis gelegt und nicht komplett geschlossen“, sagt Krisenstabsleiter Dr. Martin Sommer. „So konnte der Krisenstab umgehend reagieren, als die Bezirksregierung im Juni um Unterstützung bat bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankten aus dem Kreis Warendorf“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises Steinfurt.

Es sind Ehrenamtliche, die zurzeit die Infizierten aus dem Nachbarkreis im Fieberlazarett versorgen. Frederike Dudenhausen (30 Jahre), Jens Hermsen (45) und Maximilian Dartmann (26) sind drei der Helfer, die dafür sorgen, dass der Betrieb im Lazarett gut läuft. Dartmann leitet das Haus. Er, der sonst Baustellen überwacht, hat jetzt ein Auge auf interne Prozesse. Sein Team im Einsatzleitwagen bündelt für ihn wichtige Informationen, beispielsweise wann und wie viele neue Patienten kommen und wann andere entlassen werden. Auch die Medikamentenversorgung und der Schutzmaterial-Vorrat werden hier koordiniert.

In täglichen Besprechungen, ob mit der zweiten Hausleitung Frank Achterkamp, Vertretungen des Laerer Ordnungsamtes, dem Kreisbrandmeister Raphael-Ralph Meier oder der Polizei wird geklärt, was in den nächsten 24 Stunden zu erwarten ist oder ob Probleme zu lösen sind.

„Natürlich haben viele am Anfang trotz aller Schulungen Bedenken gehabt, mit Covid-19-Infizierten zu arbeiten. Denn das Virus war für alle neu“, erinnert sich Dartmann an die ersten Tage. Er, der die Vollschutzkleidung aufgrund seines abgetrennten Büros nur dann tragen muss, wenn er die Station betritt, weiß dennoch um deren Wirkung: Auch wenn es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann, hat der Vollschutz den Ehrenamtlichen ein Sicherheitsgefühl vermittelt – der Vollschutz und Menschen wie Jens Hermsen.

Der 45-Jährige, der eigentlich als Berufskraftfahrer arbeitet, ist einer von mehreren Ehrenamtlichen, die in der Schleuse tätig sind. Sie sorgen dafür, dass sich die Mitarbeitenden auf der Station wie beispielsweise Frederike Dudenhausen sicher fühlen. Wenn sie zu Jens Hermsen in die Schleuse kommen, tragen sie bereits Krankenhauskleidung. Hinter der Schleuse zieht das Stationspersonal Gummistiefel an, da diese leicht desinfiziert werden können.

So beginnt für Frederike Dudenhausen jede Schicht. In Vollschutz erfährt sie dann, was in der Schicht zuvor geschehen ist und bespricht mit ihrem Team, was aktuell ansteht. In der Frühschicht beispielsweise werden Kaffee und Tee gekocht und das extern angelieferte Frühstück wird verteilt. Geweckt wird niemand, denn Schlaf ist bekanntlich die beste Medizin. Die Vitalparameter werden gemessen, wenn die Bewohner gefrühstückt haben. Auch wenn täglich ein Arzt nach ihnen sieht, sind im Fieberlazarett keine Menschen, die so krank sind, dass sie in einem Krankenhaus besser aufgehoben sind. Manche haben keine Symptome und fühlen sich in dem abgezäunten Garten mit Tischtennisplatte und Fußballtor wohl.

Sie alle sprechen kaum Deutsch und deshalb ist es immer möglich, einen Dolmetscher hinzuzuziehen. Oft notwendig war das bisher allerdings nicht: „Wir können uns sehr gut mit Händen und Füßen verständigen“, schmunzelt Frederike Dudenhausen. „Die Bewohner sind sehr vorsichtig mit den Ehrenamtlichen umgegangen“, sagt Kreisbrandmeister Meier. Sie seien immer auf Abstand bedacht gewesen, freundlich und dankbar für die umfassende Betreuung und die Räumlichkeiten.

Nach der Schicht steht die Schleuse wieder auf dem Programm: Die Gummistiefel ziehen die Stationsmitarbeitenden noch vor der Schleuse aus, wo sie desinfiziert werden. Dann dauert es noch rund 15 bis 20 Minuten, denn jetzt müssen Jens Hermsen und seine Kollegen davon ausgehen, dass zumindest die oberste Schutzschicht kontaminiert ist. Dementsprechend vorsichtiger als bei der Einschleusung müssen sie sein, um auch ihre eigene Gesundheit zu schützen. Das Schutzmaterial wird desinfiziert oder entsorgt.

Schon bald wird das Fieberlazarett wieder ohne Menschen sein, heißt es in dem Pressetext weiter. Ohne Infizierte, ohne Ehrenamtliche, denn zumindest erst mal wird der Kreis Steinfurt keine Neuerkrankten aus dem Nachbarkreis mehr aufnehmen. Komplett zurückgebaut wird das Lazarett aber nicht: „Wir wollen vorbereitet sein auf eine eventuelle zweite Welle“, sagt Dr. Sommer. Dafür sei es wichtig, das Lazarett jederzeit wieder aktivieren zu können – und dabei auf die Hilfe der Ehrenamtlichen wie Frederike Dudenhausen, Jens Hermsen und Maximilian Dartmann bauen zu können.

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