Treppe in Betrieb
Fische haben wieder freie Bahn

Telgte -

Nach einer längeren Bauphase wurde am Donnerstag die neue Fischtreppe in Telgte in Betrieb genommen. Rund 650.000 Euro hat die Maßnahme gekostet, die den Tieren den Aufstieg von einem Emsarm in den anderen ermöglichen soll.

Donnerstag, 16.07.2020, 13:38 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 12:36 Uhr
Etliche Beteiligte und Experten beobachteten am Donnerstagmorgen das Befüllen der Fischtreppe. Die Bauarbeiten sind fast beendet, im Dümmert erfolgen in den nächsten Tagen noch kleinere Restarbeiten.
Etliche Beteiligte und Experten beobachteten am Donnerstagmorgen das Befüllen der Fischtreppe. Die Bauarbeiten sind fast beendet, im Dümmert erfolgen in den nächsten Tagen noch kleinere Restarbeiten. Foto: Andreas Große Hüttmann

Bis die ersten Fische die neue Treppe nutzen werden, werden vermutlich noch einige Tage vergehen. Denn nachdem am Donnerstag die Schleusen zur Fischtreppe geöffnet waren, strömte das Wasser zwar in kurzer Zeit durch den künstlich angelegten „Bachlauf“, aber Schwebstoffe, Erdreste und vieles mehr sorgten für eine braune Trübung des Wassers.

In etwa drei Wochen wollen die Experten das neue Bauwerk auf Herz und Nieren prüfen. Dann wird Dr. Olaf Niepagenkemper eine erste Elektro-Befischung durchführen, um Zahl und Art der Fische zu analysieren. Was aber noch viel wichtiger ist: Der Fachmann wird dann auch die Strömungsgeschwindigkeiten in den einzelnen Becken messen und beurteilen. Das Ergebnis wird dann zeigen, ob das Bauvorhaben wie geplant umgesetzt wurde und vor allem, ob damit eine Durchlässigkeit der Ems für Fische erreicht wird.

Notwendig geworden war die Erneuerung der rund 20 Jahre alten Fischtreppe vor allem, weil die alte auseinanderzufallen drohte. Die beim Bau im Jahr 1999 verwendeten Drahtkörbe, sogenannten Gabionen, waren größtenteils stark verrottet und als Begrenzung der einzelnen Becken nur noch eingeschränkt funktionstüchtig.

Das war aber nicht der einzige Grund, sondern aufgrund neuerer Erkenntnisse wollten die Fachleute der Bezirksregierung gleichzeitig auch die Stufenhöhen anpassen. Der Höhenunterschied zwischen den aus großen Steinen gemauerten und mit Kies aufgefüllten Bassins beträgt jetzt nämlich nur noch zehn Zentimeter gegenüber 13 bis 15 Zentimeter vorher. Den verschiedenen Fischarten wird damit der Aufstieg deutlich erleichtert. Denn, das erläuterte Dr. Hannes Schimmer, zuständiger Dezernent der Bezirksregierung vor Ort, in der Ems seien vor allem sogenannte „schwimmschwache Fischarten“ ansässig, die im Gegensatz beispielsweise zu Forellen nicht in der Lage seien, größere Höhenunterschiede zu überwinden.

Insgesamt gibt es nun 32 Becken, mit denen die rund drei Meter Höhenunterschied überwunden werden. Bislang waren es 26. Die Gesamtmaßnahme kostet rund 650 000 Euro und wird komplett vom Land bezahlt.

Die Maßnahme hat länger gedauert, als ursprünglich geplant. Während der Bauphase hatten sich einerseits Schwierigkeiten beim Setzen der Spundwände ergeben, die für eine Verzögerung sorgten, zudem musste im Winter wegen Hochwassers eine Pause eingelegt werden.

Seit der Fertigstellung der ersten Fischtreppe im März 2000 brachten nach Angaben der Bezirksregierung viele Beobachtungen, Reusenuntersuchungen und Befischungen zahlreiche konkrete Ergebnisse: So konnten bereits in den ersten Jahren insgesamt 23 Fischarten nachgewiesen werden, darunter die in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedrohte Quappe. Auch Aale nutzen die Anlage, um den Höhenunterschied zu überwinden.

Der Wechsel stärker fließender Wasserströmungen in Steinschwellengerinnen und beruhigter Flachwasserbereiche ermöglicht den Tieren nach Angaben der Biologen einen etappenweisen Aufstieg mit Verschnaufpausen, so dass sie ins Oberwasser der Ems schwimmen und ihre Wanderung fortsetzen können.

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