Angelverein befürchtet ein Leerlaufen der Dinkel
Undichtes Wehr sorgt für Ärger bei Nienborger Anglern

Nienborg -

Christian Schubert ist sauer. „Es tut sich einfach nichts“, stellt der Vorsitzende des Angelvereins Nienborg (ASV) mit Blick auf das Wehr an der alten Wassermühle frustriert fest. Schon seit Jahren schließe das Wehr nicht vernünftig, werde aber immer nur kurzfristig geschlossen. Das hat Folgen.

Donnerstag, 23.07.2020, 13:48 Uhr
Die Angler beklagen, dass das Wehr an der alten Wassermühle bereits seit Langem nicht mehr ganz dicht sei. Der Bauhof stopfe zuweilen mit Stroh undichte Stellen.
Die Angler beklagen, dass das Wehr an der alten Wassermühle bereits seit Langem nicht mehr ganz dicht sei. Der Bauhof stopfe zuweilen mit Stroh undichte Stellen. Foto: Bastian Becker

 

Bei geringen Niederschlägen sinkt der Wasserstand der Dinkel deshalb erheblich. Die Fische, Krebse und Muscheln sind so in ihrem natürlichen Lebensraum gefährdet. „Die Eigentümer fühlen sich dafür nicht verantwortlich, der politische Wille ist nicht da“, glaubt Schubert.​

Das Wehr befindet sich im Privatbesitz, die Gemeinde hat somit nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. „Wir haben eine Vereinbarung, dass wir auf das Grundstück dürfen. Aber letztlich entscheiden die Eigentümer“, schildert Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff die Situation.

Der Bauhof wird tätig und stopft im Zweifelsfall die undichten Stellen mit Stroh. Aus Sicht der Angler eine allzu provisorische Lösung: Das Wasser staue sich schnell wieder an. „Der Angler ist heute auch Naturschützer. Wir nehmen viel Geld in die Hand und setzen Fische in das Wasser“, führt Christian Schubert den finanziellen Aufwand an. Ein Szenario wie 2012, als die Dinkel komplett leer gelaufen ist, soll vermieden werden.​

70 Zentimeter fehlen bei Niedrigwasser laut ASV in etwa zum vor einigen Jahren üblichen Pegelstand. „Wir sind nicht zuständig, dass unsere Dinkel nicht leerläuft“, sagt Schubert. Die Frage der Zuständigkeit für mögliche Reparaturarbeiten ist jedoch strittig.

Eigentümerin Dorothee Brüggemann erklärt, dass sie das Grundstück an die Gemeinde verpachtet habe. Sie sieht neben der Gemeinde auch den Angelverein in der Pflicht, sich um eine Lösung zu kümmern. Die Gemeinde lobt sie dagegen. „Die Gemeinde sorgt sehr für das Stauwehr. Das Wehr ist eigentlich auch in Ordnung.“ Wichtiger ist für sie die Reparatur der Brücke, die zum Wehr führt.

Bei den Arbeiten des Bauhofs hätten alleine sie und ihr Mann mitgeholfen. Dabei habe sie den ASV kontaktiert und um Unterstützung gebeten. „Die Angler stellen Ansprüche und helfen selbst nicht mit“, zeigt sich Dorothee Brüggemann ungehalten und fordert: „Man muss auch mal Hand in Hand arbeiten.“

Darauf angesprochen entgegnet Christian Schubert: „Ich habe mit Frau Brüggemann noch nie über dieses Thema gesprochen. Aber sie hat null Komma null Bereitschaft, etwas zu machen.“ Zur Hilfe bei möglichen Arbeiten meint er: „Wir sehen das gar nicht ein, wir machen das nicht.“ Das sei Sache der Eigentümer.​

Die Gemeinde hat grundsätzlich Interesse daran, die im privaten Besitz befindlichen Wehre zu kaufen. „Gerade bei Hochwasser und Gefährdung wäre es für die Koordination wesentlich besser, wenn wir Herr des Geschehens sind“, erklärt Franz-Josef Weilinghoff. Auch den Eigentümern des Wehrs an der Wassermühle sei das Interesse seit Langem bekannt. Konkrete Angebote gebe es aber nicht, die Preisvorstellungen lägen zu weit auseinander.

Der Status quo ist jedenfalls nicht nur für die Angler unbefriedigend, sondern für die Flussbewohner bei trockenem Wetter lebensbedrohlich. „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, fasst Christian Schubert zusammen. Beisitzer Michael Freitag malt ein düsteres Zukunftsbild: „Die Kinder im Dorf kommen zum Fluss und sind mit der Natur verbunden. Wenn das so weitergeht, ist der Fluss in zehn Jahren tot.“

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